So beeinflusst die Hitze das Festspielgeschäft

Weniger Konsum in der Gastronomie, weniger Betrieb auf Bregenz’ beliebten Plätzen während des Tages.
Bregenz Das Festspielgeschäft läuft. Das Spiel auf dem See schon vor der Premiere ausverkauft, 133.000 Besucher frequentierten die Produktionen bis zur Halbzeit des kulturellen Mega-Events. Bregenz pulsiert, Geschäfte und Gastronomie registrieren während des Festspiel-Sommers die höchsten Umsätze und den höchsten Bedarf an Mitarbeitern.
Das wertvolle Wasserbecken
Und doch: Hitze und Trockenheit gehen nicht spurlos am Festspielgeschehen auf und neben den Bühnen vorbei. “La traviata” auf der riesigen Seebühne profitiert massiv von dem angelegten Wasserbecken, das unangenehme Folgen des niedrigen Wasserstandes vereitelt. “Es ist gut, dass wir diese Vorrichtung haben”, sagt Babette Karner, Pressesprecherin der Festspiele.

Dass die Hitze auch die rund um die Aufführungen platzierten Rotkreuz-Teams zu großer Wachsamkeit veranlasst, versteht sich von selbst. Kreislaufprobleme, plötzlich auftretende Übelkeit oder Schwindel sind gelegentlich unangenehme Begleiter des Besuchs einer Veranstaltung. “Aber wir verzeichnen bisher nicht mehr Einsätze der Rotkreuz-Helfer als letztes Jahr”, betont Karner.

Weniger Alkohol
Temperaturen jenseits der 30 Grad-Marke beeinflussen auch das Konsum-Verhalten in der Gastronomie. Lukas Buttazoni (42), Geschäftsführer vom Pier 69, dem Diner 69 und der LuSt Cafe-Bar, berichtet: “Das Frühstücksgeschäft läuft gut, das Mittag- und Nachmittagsgeschäft weniger. Da ist es den Leuten zu heiß.” Er schätzt den Umsatzverlust durch die Hitze auf rund 15 Prozent. Buttazoni, der auch die Gastronomie der Vorarlberg Lines-Schiffe führt, berichtet von einem durch die hohen Temperaturen veränderten Konsumverhalten seiner Gäste. “Es wird weniger Alkohol getrunken, es werden leichtere Gerichte konsumiert. Die Kässpätzle zur Mittagszeit sind eher die Ausnahme.” 115 Mitarbeiter beschäftigt Buttazoni während der Festspielzeit im Pier 69 und auf den Schiffen.

50 Grad in der Küche
Einen Steinwurf vom Pier 69 entfernt beim “Kornmesser”. Das Lokal ist gegen 13 Uhr gut gefüllt, vor allem unter dem großen Baum sind kaum mehr Plätze zu ergattern. “Natürlich”, schmunzelt Chefin Teresia Zwerger, “ist dieser Schattenspender ein Pluspunkt für uns. “Ich kann insgesamt nicht jammern. Es werden weniger Flaschenweine bestellt, die Gäste ordern eher leichtere Getränke. Wir beschäftigen während der Festspielzeit 55 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, 20 mehr als im Rest des Jahres.”
Jene, die in der Küche arbeiten, müssen einiges aushalten. Bis zu 50 Grad hatte es dort heuer schon.

Der Sommer bleibt intensiv
Fast uneingeschränkt zufrieden zeigt sich das Wirtepaar Ursula Hilbrand und Peter Brattinga im “Petrus” in der Anton Schneider Straße. Auch wenn die festlich gedeckten Tische im Freien kurz nach Mittag an diesem Sonntag großteils leer sind. “Wir haben während der Festspielsaison sechs, statt fünf Tage offen. Unser Angebot wird gut angenommen. Nur schade, dass am Sonntag alle Geschäfte zu haben. Sie wären ein Frequenzbringer”, sagt Peter Brattinga.

Mit der überdurchschnittlichen Hitze dieses Festspielsommers müssen alle Betroffenen und Profiteure weiterhin leben. “Es bleibt die ganze kommende Woche inklusive Wochenende sonnig und heiß”, bringt es Christoph Zingerle, Meteorologe der Geosphere Austria/Zweigstelle Innsbruck auf den Punkt.