100.000-Euro-Mercedes in Dornbirn geklaut

VN / 12.08.2026 • 16:06 Uhr
100.000-Euro-Mercedes in Dornbirn geklaut
Der Angeklagte bei der Verhandlung vor Richter Martin Mitteregger. Eckert

Obdachloser nutzte vor dem Autohaus die Gunst der Stunde und brauste mit dem Pkw kurzerhand davon.

Feldkirch In Deutschland hat der 47-jährige Angeklagte 22 Eintragungen im Strafregister, doch einige sind “Zusatzstrafen”, andere eventuell Gesetzesübertretungen, die bei uns nicht als Vorstrafe gelten würden. Fix ist allerdings, dass er neun einschlägige Vorstrafen hat. Immer wieder Vermögensdelikte wie beispielsweise Sozialbetrug. Der Mann lebt auf der Straße, hat kein Einkommen. “Ich schlage mich irgendwie durch”, sagt er. Ansonsten zeigt sich der hagere U-Häftling nicht sehr gesprächig, auch vor Gericht nicht. Fest steht, dass er in einem Dornbirner Autohaus im März vergangenen Jahres einen Mercedes-Benz GLE 350de 4matic gestohlen hat. Das beweisen Lichtbilder, die den Mann auf dem Parkplatz in der Mittagszeit festhielten.

Lange Fahrt

Der Obdachlose fuhr mit dem SUV, der einen Wert von über 104.000 Euro hat, bis nach Mittenberg in Deutschland. Die Stadt liegt 360 Kilometer entfernt in Unterfranken. Mittels GPS konnte der Wagen allerdings geortet werden. Die Polizei hielt den Fahrer an. “Den habe ich gekauft”, log dieser.

Doch die Überprüfung der Personalien und der Vermögenssituation ergab ganz rasch, dass dies nicht stimmen kann. Das Auto war ganz eindeutig der in Dornbirn gestohlene Wagen. Es ist zwar dort nicht üblich, dass die Wagen mit Schlüssel auf dem Vorplatz stehen, allerdings war ein Angestellter damit beschäftigt, den Wagen zu reinigen, weshalb der Schlüssel ausnahmsweise im Auto war. Dass der Angestellte abgelenkt war und das Fahrzeug aus den Augen ließ, nutzte der Obdachlose aus und schnappte sich den Wagen.

Schwierige Situation

Bei dem Deutschen liegen die Rückfallsvoraussetzungen vor, zudem wurde die Wertgrenze von 5000 Euro um ein Vielfaches überschritten. Zusammen mit den Vorstrafen und ohne Geständnis ergibt dies für den schweren Diebstahl 21 Monate Gefängnis. Wenigstens konnte der PS-starke Wagen unversehrt zurückgegeben werden.

Der Mann macht ein freundliches Gesicht, er will zu all dem nichts sagen und wird wieder in die Haftanstalt zurückgebracht. Auch mit seiner Verteidigerin will der Angeklagte nicht reden. Ob bei dem Dauerdelinquenten psychisch etwas nicht stimmt, bleibt offen. Mit Alkohol oder Drogen hat er offenbar nichts zu tun. Wenn er so weitermacht und seine Vergangenheit in diese Richtung deutet, wird er sein Leben in Gefängnissen verbringen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.