Die Post widerspricht: Nicht jeder leere Briefkasten in Vorarlberg ist ein Zustellproblem

Wochenlang verschwundene Briefe, verspätete Geburtstagskarten und leere Briefkästen: Seit Wochen melden sich verärgerte Vorarlberger bei den VN. Die Post weist die Vorwürfe zurück.
VORARLBERG Leere Briefkästen sorgen derzeit bei vielen Vorarlbergern für Ärger. Seit Wochen melden sich Leserinnen und Leser bei den VN und berichten von verspäteten oder ausgebliebenen Briefen und Postwurfsendungen. Die Österreichische Post weist eine generelle Verschlechterung der Zustellung zurück und betont, dass es immer weniger Briefe gebe.
Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Iframely angezeigt.
“Alle Briefe, Zeitungen, Zeitschriften und Prospekte, die uns zum Transport übergeben wurden, wurden auch zugestellt”, erklärt Markus Leitgeb, Pressesprecher der Österreichischen Post, auf Anfrage der VN. Gleichzeitig verzeichnet das Unternehmen einen deutlichen Rückgang des Briefgeschäfts. Allein heuer sei die Briefmenge in Österreich und Vorarlberg um neun Prozent gesunken. Verglichen mit dem Höchststand aus dem Jahr 2008 würden heute sogar 60 Prozent weniger Briefe verschickt.

Weniger Kuverts, geringere Mengen
Noch deutlicher zeigt sich diese Entwicklung beim Premium-Brief mit Zustellung am nächsten Werktag. Im Schnitt erhalte eine Adresse nur noch alle fünf Wochen einen solchen Brief. Auch bei Prospekten sei die Menge inzwischen so gering, dass im Juli das “Kuvert” nur einmal gebündelt pro Woche zugestellt worden sei.

Die Post führt diese Entwicklung vor allem auf die Digitalisierung zurück. Unternehmen, Behörden und Privatpersonen würden immer weniger auf den klassischen Brief setzen. Rechnungen, Schriftverkehr und Informationen werden zunehmend elektronisch verschickt. Ein leerer Briefkasten bedeute deshalb nicht automatisch, dass nicht zugestellt werde. “Sie haben bloß keinen Brief”, argumentiert das Unternehmen.
Post will Beschwerden prüfen
Dass es dennoch konkrete Zustellprobleme geben kann, bestreitet die Post nicht. Jede Anfrage werde geprüft. Voraussetzung sei allerdings, dass sich Betroffene möglichst zeitnah melden – mit einer konkreten Adresse und idealerweise auch einer Sendungsnummer. Nur so könne nachvollzogen werden, was mit einer Sendung passiert sei.
Die VN konnten die Post mit neuen Beschwerden von Lesern aus Götzis, Lochau und Hohenems konfrontieren. Zu Götzis und Lochau gebe es keine Auffälligkeiten, die Zustellbereiche seien durchgehend besetzt gewesen, heißt es. In der Hohenemser Adlergasse, aus der eine Bewohnerin von 14 Tagen ohne Post berichtet hatte, kontrollierte die Regionalleitung die Adresse. Die betroffene Person wurde dabei allerdings nicht angetroffen. Ein weiterer Kontaktversuch sei geplant.
Bei Fehlwürfen sieht sich die Post gefordert
Die Post weist zudem darauf hin, dass Zustellerinnen und Zusteller für ihre Tätigkeit unter anderem ausreichende Deutschkenntnisse benötigen. Der Vorwurf, dass fehlende Sprachkenntnisse zu Fehlwürfen führten, wird zurückgewiesen. Gleichzeitig betont das Unternehmen die internationale Zusammensetzung seiner Belegschaft und erklärt, dass man zu dieser Vielfalt stehe.

Besonders deutlich nimmt die Post ihre Zusteller in Schutz. Gerade in den vergangenen Wochen hätten diese bei Temperaturen von knapp 40 Grad ihren Dienst versehen. Briefe würden von Montag bis Freitag zugestellt, Pakete von Montag bis Samstag. Für die Post ist die aktuelle Debatte auch ein Spiegelbild ihrer veränderten Rolle. Die Menschen erwarten weiterhin, dass ein Brief zuverlässig ankommt. Gleichzeitig verschickt die Gesellschaft insgesamt immer weniger davon. “Was wir natürlich nicht ändern können, ist die schrumpfende Anzahl an Briefen”, weiß Markus Leitgeb.
Wer tatsächlich auf eine Sendung wartet und sie nicht erhält, solle sich laut Post direkt an den Kundenservice wenden – online über post.at/kontakt oder telefonisch unter 0800 010100. Wichtig seien konkrete Angaben und eine möglichst rasche Meldung.