Wie viele zahlen jetzt wirklich drauf? – Bitschi äußert sich zum Zahlenchaos bei der VVV-Tarifreform

Mehr Personen als angegeben sind von Teuerungen beim neuen Tarifsystem betroffen. SPÖ und Grüne forderten Antworten von Bitschi.
Schwarzach “Auf das Zahlenchaos folgt nun Wort- und Zahlenakrobatik”, sagt SPÖ-Verkehrssprecher Mario Leiter. Damit reagiert er auf die Anfragebeantwortung von Landesstatthalter und Mobilitätslandesrat Christof Bitschi zum neuen Tarifmodell des Vorarlberger Verkehrsverbundes (VVV). Die SPÖ und der Klubobmann der Grünen, Daniel Zadra, hatten vor drei Wochen jeweils eine Anfrage an ihn gestellt, in der sie die vermeintlich falschen Zahlen zur Tarifreform hinterfragten.

Hintergrund zum neuen Tarifsystem:
Am 1. Juni trat die Tarifreform des VVV in Kraft. Sie sollte den öffentlichen Verkehr in Vorarlberg einfacher machen. In der Praxis zeigte sich jedoch, dass es teilweise komplizierter geworden ist. Außerdem gibt es nun neben nennenswerten Vergünstigungen auch starke Preiserhöhungen.
Mehr zahlen, mehr Leistung
Im Zentrum der parlamentarischen Anfrage stand vor allem der Vorwurf, Bitschi habe die Zahl der von Preissteigerungen Betroffenen zu niedrig angegeben. Aber während in dem Diskurs zuvor nur von “günstiger und teurer” die Rede war, wird in der Anfragebeantwortung nun von “nicht negativ betroffenen Fahrten” gesprochen.

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Die ehemaligen 1-Domino-Fahrkarten sind jetzt teurer, aber sie wurden nicht als teurer deklariert. Laut Bitschi seien sie nicht negativ betroffen, weil sie jetzt mehr Leistung böten. Der räumliche Geltungsbereich ist größer, und die zeitliche Gültigkeit erlaubt ein mehrfaches Hin- und Herfahren. Die 1-Dominofahrten seien also „nicht ausgeblendet, sondern methodisch korrekt eingestuft worden“. Doch die Personen, die vorher eine 1-Dominokarte gekauft haben, sind nun verpflichtet, mehr zu zahlen, egal, ob sie den günstigeren Preis oder das Mehr an Leistung bevorzugen.

Zahlenspiel
Bitschi stufte vor ein paar Wochen nur 0,9 Prozent der Einzel- und Tageskartenkäufe als “drastisch teurer” ein. Diese werden in der neuen Grafik als “negativ betroffen” deklariert. Mit anderen Härtefällen kommt diese Zahl nun auf fünf Prozent. Darin sind zum Beispiel 24-Stundenkarten enthalten, die eine Preiserhöhung zwischen 5,40 Euro und 11,40 Euro verzeichnen. In der Anfragebeantwortung begründet Bitschi die 0,9 damit, dass er damals schlichtweg nur vom teuersten Anteil gesprochen habe.

Die neue VVV-Grafik enthält zumindest einen Inhaltsfehler. Denn die acht Dominos werden als positiv betroffen eingestuft. Diese sind zwar bei den Einzelfahrten um 80 Cent günstiger, aber bei den Tageskarten um 1,50 Euro teurer geworden.

Das sagt die Politik
Leiter und Zadra sind von Bitschis Anfragebeantwortung nicht überzeugt. Es seien mehr Personen als angegeben negativ vom neuen Tarif betroffen. Zadra fordert Bitschi auf, seine misslungene Tarifreform zu reparieren und dafür zu sorgen, dass die Öffi-Preise wieder fair und leistbar sind. Die SPÖ hat vor einer Woche im Landtag einen Antrag gestellt, das neue System durch ein Tarifmodell zu ersetzen, das tatsächlich einfach, verständlich und leistbar ist.

Bitschi weist die einseitige negative Darstellung der Tarifumstellung zurück: Die neue Tarifwelt sichere und stärke den öffentlichen Personennahverkehr in Vorarlberg und bringe Verbesserungen für die große Mehrheit der Fahrgäste. “Es gibt Fahrten, die sich verteuert haben. Klar ist jedoch: Die große Mehrheit der Fahrgäste erhält nach der Tarifreform wesentlich mehr Leistung und auch günstigere Preise”, sagt er.

Das neue Tarifsystem sei vom VVV-Aufsichtsrat, dem Bitschi angehört, einstimmig beschlossen worden. Teil der intensiven Vorbereitungen seien Vertreter der Gemeinden, der ÖBB und der Fachabteilung des Landes gewesen. Sobald belastbare Daten vorliegen, soll im Herbst eine Evaluierung durchgeführt und entschieden werden, ob und in welchem Ausmaß weitere Maßnahmen beziehungsweise Anpassungen notwendig sind.