Zwei Kilo Kokain im Kleiderschrank versteckt

Bislang unbescholtener Bludenzer zu Haftstrafe verurteilt.
Feldkirch “Bislang hatte sich mein Mandant noch nie etwas zuschuldenkommen lassen, und er möchte Ihnen selbst erzählen, wie er in die Drogensucht geschlittert ist”, so Verteidigerin Astrid Nagel in ihrem Eröffnungsplädoyer vor dem Schöffensenat. Seit Februar sitzt der 26-Jährige in U-Haft. Es fällt ihm schwer, zu schildern, was ihn damals in die Abhängigkeit von illegalen Substanzen und Alkohol führte. “Mein Vater war an Krebs erkrankt und ist gestorben, da fiel ich in ein tiefes Loch.”
Nagel schildert die letzten Tage des Krebserkrankten. Ihr Mandant pflegte den Schwerkranken bei sich zu Hause, weil er wusste, es ging zu Ende. An einem Wochenende gelang es ihm nicht mehr, rechtzeitig die Morphiumspritzen zu besorgen, die sein Vater dringend gegen die Schmerzen benötigte. An diesem Wochenende starb der Vater unter Schmerzen, und verantwortlich dafür war der 26-jährige Sohn. Das konnte er sich nicht verzeihen, und er versuchte, seine Selbstvorwürfe und Depressionen mit Drogen klein zu halten. Schnell geriet er in die Sucht. Und die hätte ihn beinahe selbst das Leben gekostet.
Freund wollte helfen
Ein guter Bekannter machte sich große Sorgen und trat bei dem Drogenabhängigen die Tür ein. Zuvor hatte er ein großes Rufzeichen auf dessen Tür gemalt. Er wollte anonym auf die Notlage seines Kumpels aufmerksam machen, was ihm auch gelang. Die Polizei hielt Nachschau und fand den stark Drogenbeeinträchtigten. Allerdings wussten die Beamten nicht, ob sonst etwas Strafrechtliches im Raum stand, ob der Mann allenfalls überfallen worden war oder ob sonst etwas vorgefallen war.
Konzentriertes Kokain
Bei der Hausdurchsuchung fand man über zwei Kilogramm konzentriertes Kokain im Kleiderschrank. Mit über 80 Prozent Reinheitsgrad ist es “gute” Qualität. Das heißt, es wurde lediglich mit 20 Prozent Streckmittel versetzt. “In letzter Zeit haben wir aber fast immer derartige Qualitäten, früher war noch vierzigprozentiges Kokain im Umlauf”, erklärt Staatsanwalt Simon Mathis. Von wem er die harte Droge hat, will der Angeklagte nicht verraten. Geld bekam er keines für die Aufbewahrung, er wollte lediglich den Kontakt zu dem Lieferanten nicht verlieren, weil er schwer abhängig war.
Entzug im Gefängnis
Das Kokain war nur einige wenige Tage bei dem Bludenzer zwischengelagert. Danach hätte es der Lieferant wieder abgeholt und verkauft. Hätte der Freund nicht die Tür aufgebrochen, wäre die Verwahrung nie aufgeflogen. Allerdings wäre der Mann dann in seiner Sucht stecken geblieben. Im Gefängnis hat der U-Häftling mittlerweile einen Entzug gemacht, so gut es dort eben geht. Er hat diverse Ausbildungen begonnen und ist nach eigenen Angaben “clean”. Bekommt er einen Job, kann er unter Umständen mit Fußfessel eine Therapie machen. Der Schöffensenat sieht die Unbescholtenheit, das reumütige Geständnis und einige sonstige außergewöhnliche Umstände als mildernd und bemisst die Strafe für die Beteiligung am Suchtgifthandel mit drei Jahren. Zudem wurden 1900 Euro aus Drogenverkauf sichergestellt, die wurden als verfallen erklärt. Das Urteil ist rechtskräftig.