“Wir lassen zuerst mal Ballons steigen” – Warum in diesen Berggemeinden eine Woche früher Schule ist

VN / 02.09.2026 • 11:13 Uhr
"Wir lassen zuerst mal Ballons steigen" – Warum in diesen Berggemeinden eine Woche früher Schule ist
Johanna (9) und Berta (9) freuen sich sehr auf den Schulstart, der in ihrer Gemeinde eine Woche früher ist als in den restlichen Gemeinden Vorarlbergs. VN/DJSOHM

In zwei Vorarlberger Schulen beginnt der Unterricht bereits am Montag, den 7. September. Die Schuldirektorin weiß, warum diese Regelung für die Familien mehr ist als ein schöner Nebeneffekt.

LECH Während die Sommerferien in Vorarlberg bis zum 11. September dauern, beginnt für die Kinder in Lech und in Brand das neue Schuljahr bereits am 7. September. Kinder findet man in Lech derzeit nur schwer. Entweder sie sind in den Ferien oder im Waldschwimmbad Lech.

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Leon (6) aus Lech kommt nächste Woche in die 1. Klasse. Bis dahin vergnügt er sich im Waldschwimmbad. VN/DJSOHM

Bücher sortieren vor dem großen Start

Die Direktorin Lisa Matt kennt die Schule Lech seit 15 Jahren, seit sieben Jahren leitet sie die Bildungseinrichtung. Auch heuer geht sie den Schulstart gut vorbereitet an. 96 Schülerinnen und Schüler starten in das neue Schuljahr, verteilt auf vier Volksschul- und vier Mittelschulklassen. “Schülerzahlmäßig sind wir die letzten Jahre eigentlich immer schon so zwischen 95 und 100”, sagt Matt. Im Winter kommen üblicherweise noch einige Kinder dazu. Es sind die Kinder von Saisonmitarbeitenden, die mit ihren Eltern von Dezember bis nach Ostern im Ort leben.

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Direktorin Lisa Matt kontrolliert, ob alle Schulbücher angekommen sind, und sortiert sie nach Klassen. VN/DJSOHM

Für Matt hat die Vorbereitung auf den Schulstart bereits während des Sommers begonnen. Seit Montag ist sie wieder fix in der Schule, zuvor war sie immer wieder sporadisch vor Ort. Stundenpläne wurden erstellt, Konferenzen vorbereitet, Bücher hergerichtet. “Es ist wirklich alles vorbereitet. Jetzt fehlt nur noch der Friseur”, sagt sie mit einem Augenzwinkern.

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Die Rechenbücher für die Erstklässler sind besonders freundlich gestaltet. VN/DJSOHM

Kinder freuen sich auf den Schulanfang

Bei den Kindern sei der Übergang zurück in den Schulalltag unterschiedlich. Nach den Ferien müsse sich mancher erst wieder an den Rhythmus gewöhnen. Acht Wochen frei seien aber ausreichend, findet Matt. Linus und Leon freuen sich schon sehr auf die Schule, besonders auf das Fach Turnen. Die Geschwister haben im Sommer sehr viel Zeit im Schwimmbad verbracht.

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Linus (8) und Leon (6) freuen sich besonders auf Turnen in der Schule. VN/DJSOHM
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Die kleinen Dienstpläne sind auch schon angelegt. VN/DJSOHM

Zum Schulstart Luftballons steigen lassen

Um den Kindern den Einstieg zu erleichtern, setzt die Schule bewusst auf gemeinsame Erlebnisse. Gleich zu Beginn dürfen alle ihre Wünsche und Vorsätze für das neue Schuljahr aufschreiben. Je nach Wetter werden die Zettel an Luftballons befestigt, und rund 100 Ballons gemeinsam steigen gelassen. “In der Hoffnung, dass das, was sie sich vornehmen oder wünschen auch in Erfüllung geht.”

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Die Klassen sind eingeteilt und die Namen der Kinder hängen u.a. auch an der Lärmpegel-Ampel. Immer wenn es laut wird, dann rutschen die Namen der Kinder entweder auf Orange oder Rot. VN/DJSOHM

Dass Lech eine Bergschule ist, will Matt auch im Unterricht spürbar machen. Die Kinder seien naturverbunden und hätten mit dem Gelände vor der Haustür einen “Abenteuerspielplatz”. Im Sportunterricht oder bei Lehrausgängen gehe es daher möglichst oft hinaus in die Umgebung anstatt alles im Turnsaal abzuhalten.

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Der Blick aus dem Klassenzimmer zeigt: “Hier lässt es sich aushalten und spielen.” VN/DJSOHM

Probleme gibt es auch an Bergschulen

Dass es an einer Bergschule weniger Schwierigkeiten gibt, glaubt Matt allerdings nicht. “Schwierigkeiten gibt es, glaube ich, an jeder Schule.” Einen Unterschied sieht sie eher im Umfeld. Die Eltern interessiern sich stark für die Schule und begleite die Kinder auch über den Schulalltag hinaus sehr intensiv.

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Im Gangbereich befindet sich ein Teil der Schulbücherei, wo sich die Kinder einmal pro Woche für gemeinsames Lernen treffen. Die Schüler können dann sogar auf Heimtrainern sitzen und lesen. VN/DJSOHM

Schulferien anders geregelt

Der frühere Schulstart schafft Raum für die zwei Wochen Maiferien nach der Wintersaison. Für Familien, deren Alltag stark vom Tourismus bestimmt ist, sei das ein wichtiger Freiraum. Saisionmitarbeiter könnten mit ihren Familien heimfahren, andere Eltern hätten nach der Wintersaison endlich gemeinsam Zeit. “Das ist ganz wichtig”, sagt Matt.

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Die Klassenzimmer in Lech sind lichtdurchflutet, die Räume sind hoch. VN/DJSOHM

Auch soziale Unterschiede erlebt sie an der Schule nicht so ausgeprägt, wie man angesichts des bekannten Tourismusortes vermuten könnte. “Ich finde, dass wir eine gute Durchmischung haben.” Die Kinder kämen aus unterschiedlichen Verhältnissen. Gleichzeitig legt die Schule Wert auf ein hohes Leistungsniveau. Mehr als 90 Prozent der Schülerinnen und Schüler wechseln nach der Mittelschule in eine weiterführende höhere Schule. Einen eigenen Gymnasialzweig brauche es deshalb aus ihrer Sicht nicht.

Auch die Volksschule Brand startet am Montag, den 7. September mit dem regulären Unterricht und teilt so dasselbe Schulmodell wie Lech.