„Ich habe noch kein Elferschießen verloren!“

Bregenz-Cupheld Peter Aizawa: Warum der „am Samstag geborene“ bei seiner Freitag-Sternstunde so cool blieb und er fast im Bus vergessen wurde.
Bregenz Die Sonne war längst aufgegangen, als die Bregenzer nach ihrer gewonnenen Cupschlacht beim FAC (5:4 n. E.) aus Wien am Samstag heimkehrten und die Betreuer einen kuriosen Fund machten: „Wir haben noch einmal sicherheitshalber im leeren Bus geschaut, ob jemand was vergessen hat – und dabei den Peter gefunden, der noch immer hinten geschlafen hat.

Typisch“, lacht Teambetreuer Patrick Schneider. Aus Tormann Peter Kwame Aizawa, dessen zweiter Name „der am Samstag geborene“ bedeutet, wurde also „der am Samstag schlafende“. Aber das hatte er sich nach 120 aufreibenden Minuten plus Elferschießen redlich verdient. Mit zwei gehaltenen Elfmetern mutierte der 25-Jährige zum gefeierten Helden und meint dazu cool zur VN. „Ich war überhaupt nicht nervös, weil ich hab’ in meiner Karriere noch kein Elfmeterschießen verloren“.

Bindesglied und Spaßvogel
Dass er überhaupt im Tor stand, war der Rotsperre seines Konkurrenten Joao Paolo zu verdanken. Der hatte nach Aizawas 0:0 in Runde drei gegen Voitsberg die Nummer-1-Rolle bekommen. „Das war schon etwas ein Schock für mich, immerhin hatte ich das Spiel nicht verloren. Aber ich habe mir dann gedacht, hätte ich so wie Manuel Neuer gespielt, hätte man mich nicht getauscht. Ich habe das als Ansporn gesehen, mich zu verbessern.“

Man darf gespannt sein, ob Aizawa nun auch bei der Revanche am Samstag daheim gegen den FFloridsdorfer AC im Kasten bleibt. Der Spielverlauf der Partie in Wien war bezeichnend für die Entwicklung der neu formierten Bregenzer. Nach einer ersten Halbzeit, die der FAC diktierte, übernahm Schwarz-Weiß das Kommando. Aizawa zeigte bei Flanken zuerst noch Unsicherheiten, wurde bei seinen Ausflügen aber immer sicherer. „In Japan war ich im Strafraum der Größte. Da sind die Gegner stehen geblieben, wenn ich schreiend hochgestiegen bin. Hier ist das anders.“

Die Mentalitätsunterschiede zwischen den vielen japanischen und brasilianischen Spielern seien zwar groß, aber gerade Aizawa kann da mit seinen Ghanaischen Wurzeln ein Bindeglied sein. „Er ist ein echter Spaßvogel“, sagt Schneider. Doch bei seiner Karriereplanung meint es Aizawa ernst: „Auch wenn das noch weit entfernt ist. Mein Ziel ist ein europäischer Topklub und mein Traum die Premier League.“
Erst einmal heißen die Gegner aber FAC, St. Pölten und Hertha Wels – und der größte Konkurrent nicht Manuel Neuer, sondern Joao Paolo. Christoph König