Zwischen Schere, Kunst und Lebensweisheit schneidet Markus Hämmerle gut ab

VN / 28.09.2026 • 14:27 Uhr
Zwischen Schere, Kunst und Lebensweisheit schneidet Markus Hämmerle gut ab
Hier auf dem roten Sofa warten Kunden auf ihr Verwöhnprogramm. Philipp Steurer

Der Künstler und Friseur aus Lustenau hat sich schon als Kind durch kreatives Arbeiten ein paar Schilling dazuverdient. Inzwischen ist er einer der gefragtesten Stylisten im Land.

LUSTENAU Markus Hämmerle ist keiner, der sich gerne in Schubladen stecken lässt. Am liebsten bezeichnet er sich schlicht als “authentisch”. “Ich bin ich”, sagt der Mann, der seit vielen Jahren seinen eigenen Weg geht.

Zwischen Schere, Kunst und Lebensweisheit schneidet Markus Hämmerle gut ab
Markus Hämmerle hat sogar aus dem Feuerlöscher ein Kunstwerk gemacht. Philipp Steurer

Bereits als Kind Geld verdient

Kreativität begleitet Hämmerle, seit er denken kann. Schon als Zehnjähriger bastelte er Gewürzbildchen und mit Trockenblumen kleine Kunstwerke. Was ihm gefiel, setzte er um. Dass andere Menschen seine Arbeiten bewunderten und dafür Geld bezahlten, motivierte ihn weiter. Aus der kindlichen Freude am Gestalten wurde früh eine Art kleines Geschäft. “Ich habe mit dem Geld immer wieder neue Hilfsmittel gekauft”, erzählt er. Das Prinzip ist bis heute geblieben: sehen, was gefällt, es selbst machen und investieren.

Zwischen Schere, Kunst und Lebensweisheit schneidet Markus Hämmerle gut ab
Fashion ist ein großes Thema für Markus Hämmerle. Seine Vorbilder sind renommierte Designer wie John Galliano, Vivienne Westwood oder Karl Lagerfeld. Philipp Steurer

Eigentlich hätte Hämmerle gerne etwas mit Fashion gemacht. Die Modeschule in Wien war ihm allerdings zu weit entfernt. Zu stark war damals seine Verbundenheit zu Familie und Heimat. Stattdessen schnupperte er in den Friseurberuf hinein und blieb. Nach der Lehre ging es zunächst in die Schweiz, wo er vier Jahre lang ein Geschäft führte. Danach absolvierte er die Meisterprüfung und eröffnete 1990 seinen ersten eigenen Salon in Lustenau.

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Bei der Fashion Show 2015 in Lustenau. Mike Delicay

Sein Handwerk hat Hämmerle nie als etwas betrachtet, das nur nach bestimmten Regeln funktioniert. Ob Friseurtechnik, Möbelstück oder Einrichtung – wenn er etwas nicht so findet, wie er es sich vorstellt, macht er es kurzerhand selbst.

Kunden erzählen fast alles

Dass Friseure oft mehr über ihre Kundinnen und Kunden wissen als deren Umfeld, kann Hämmerle bestätigen. “Ich bin der Psychologe schlechthin”, sagt er mit einem Lächeln. Stammkunden erzählen ihm von Beziehungen, Sorgen und Freuden. Er selbst beschreibt sich als feinfühlig und sagt, dass er viele Dinge schnell spüre. Entscheidend sei dabei, möglichst wertfrei zu bleiben. Sein persönliches Motto begleitet ihn seit jeher: “Leben und leben lassen.”

Zwischen Schere, Kunst und Lebensweisheit schneidet Markus Hämmerle gut ab
Fashion passiert am Kopf. Philipp Steurer

Hämmerle verlor seinen Vater bereits im Alter von vier Jahren. Seine Mutter zog mit acht Kindern die Familie groß. Entgegen dem Bild einer konservativen Kindheit beschreibt er sie als offen und kreativ. “Ich habe einen guten Boden bekommen, um zu wachsen”, sagt er.

Individualität als Nährstoff des Lebens

Als Erwachsener musste Hämmerle immer wieder erfahren, dass Offenheit nicht überall selbstverständlich ist. Weil er mit seinem Lebensgefährten eine homosexuelle Beziehung lebt, kam es auch oft zu Anfeindungen. Gegen sein Geschäft wurde faules Obst geworfen, vor der Haustür kam es zu Beschädigungen, ein Auto wurde verkratzt, ein Reifen zerstochen. Einmal gingen in der Stadt drei Menschen auf ihn los.

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In seinem Salon “Haarchitektur”, den er zusammen mit Mike Delicay führt, hat Hämmerle alles selbst designt. Philipp Steurer

Heute spricht er darüber ohne Verbitterung. Viel wichtiger sei ihm eine andere Botschaft: “Der Mensch ist entscheidend, nicht, was ist, was denkt, was liebt, was glaubt.” Respekt, sagt er, beginne beim Eigenrespekt. Davon könne die Gesellschaft mehr gebrauchen.

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Markus trägt ein selbst geknüpftes Armband seiner Schwester und liebt Schmuck. Philipp Steurer

Zum Ausgleich zieht es Hämmerle regelmäßig in den Süden. Zwei bis drei Wochen Urlaub im Sommer sind für ihn nicht nur Erholung, sondern ein Perspektivenwechsel. “Selbstständige arbeiten eigentlich immer, daher brauche ich diesen Abstand.”

Und trotzdem ist es genau dieser Kontakt mit Menschen, der ihn weiterhin erfüllt. Auch wenn sein Körper Grenzen setzt: Beide Schultern sind laut Hämmerle kaputt und austherapiert. Eine Operation kommt für ihn derzeit nicht infrage. Ans Aufhören denkt er trotzdem nicht. Zu wichtig sind ihm die Begegnungen mit seinen Kunden, von denen manche seit mehr als 30 Jahren kommen. “Das ist ja wie eine kleine Familie.”

Zur Person:

Name: Markus Hämmerle

Jahrgang: 1965

Lieblingsdesigner: Vivienne Westwood, Jean Paul Gaultier, Tom Ford, Karl Lagerfeld

Lebensmotto: Lieber gut drauf als schlecht drunter

Lieblingsmensch: Ich selbst – nur wer sich selbst liebt, kann andere lieben