Bolgenach erwacht aus dem Dornröschenschlaf

Vorarlberger Pfadfinder übernehmen Ferienheim in Hittisau von der Marktgemeinde Lustenau.
Lustenau “Wenn man ins Ferienheim geht, sieht alles noch so aus, als ob man es gerade verlassen hätte. Sogar die Geschirrtücher hängen noch dort”, erzählt Sunny Fäßler, Landessekretär der Vorarlberger Pfadfinder. Seit drei Jahren steht das Haus in Hittisau leer. Nun soll sich das ändern: Die Vorarlberger Pfadfinder übernehmen das Haus von der Marktgemeinde Lustenau und wollen daraus wieder einen Ort für Kinder- und Jugendarbeit machen. Die Lustenauer Gemeindevertretung stimmte in der vergangenen Woche einstimmig dem Verkauf an die Vorarlberger Pfadfinder zu.

Ein Haus, das weiterleben soll
Der Verein Lustenauer Ferienheim Bolgenach wurde im Frühjahr 2023 aufgelöst, damit fiel das Haus gemäß den Vereinsstatuten an die Marktgemeinde Lustenau zurück. Gesellschaftliche Veränderungen, strengere Auflagen und wachsende Verantwortung hatten einen kostendeckenden Betrieb schwierig gemacht. Die Gemeinde suchte drei Jahre lang nach einem neuen Betreiber, bis nun die Pfadfinder ins Spiel kamen.

“Die Gemeinde ist auf uns zugekommen”, sagt Fäßler. Die Pfadfinder hätten nicht lange überlegen müssen. “Wir übernehmen es gerne, um der außerschulischen Jugendarbeit ein kostengünstiges Haus zur Verfügung zu stellen.” Denn Häuser dieser Größe sind rar. 16 Schlafzimmer mit insgesamt 69 Betten stehen zur Verfügung. Dazu kommen ein großer Speisesaal, ein Spielzimmer, ein Turnraum und im Keller ein Bastel- und Partyraum. Auch WCs, Duschen und Lagerräume sind vorhanden.
Vom Ferienheim zum Selbstversorgerhaus
Ganz so, wie man Bolgenach bisher kannte, wird es nicht weitergehen. Die klassische Ferienbetreuung gibt es nicht mehr. Stattdessen soll das Haus Vereinen und den Ortsgruppen der Vorarlberger Pfadfinder offenstehen. “Bolgenach kann von allen Vereinen gemietet werden. Es soll für die Arbeit mit Kindern genutzt werden und auch ein Ausbildungsort für die Jugendarbeit sein”, erklärt Fäßler. Geführt wird Bolgenach als Selbstversorgerhaus. Wer kommt, versorgt sich selbst und hinterlässt das Gebäude auch wieder so, wie er es vorgefunden hat. Die Endreinigung übernehmen die jeweiligen Gruppen selbst. Das Konzept soll das Haus möglichst vielen Kindern und Jugendlichen zugänglich machen. Fäßler denkt dabei auch an Schullandwochen.
Eine Herausforderung, die sich lohnt
Finanziert wird der Kauf aus Rücklagen, Spenden der Ortsgruppen und verschiedenen Aktionen. “Der Kauf ist finanziell herausfordernd für uns”, sagt Fäßler. Die Pfadfinder sehen in Bolgenach eine Chance. Ein großes Selbstversorgerhaus zu finden, das für Kinder- und Jugendgruppen leistbar bleibt, ist nicht einfach. “Bolgenach soll unseren Kindern einen unbeschwerten Weg auf den Spuren unseres Gründers Robert Baden-Powell ermöglichen”, sagt Fäßler. Nach drei Jahren Stillstand wird das frühere Ferienheim wieder voller Stimmen sein. “Uns ist wichtig, dass die Kinder Freiräume haben und Kind sein dürfen. In Bolgenach ist das möglich”, ist er überzeugt. Mit den Einnahmen durch die Miete wollen die Pfadfinder die laufenden Kosten abdecken. Bereits im Oktober machen sie das Haus für seine neue Aufgabe bereit. BVS