Zwischen Berührung und Bühne

VN / 29.09.2026 • 13:26 Uhr
Der Masseur Martin Straßgschwandtner ist auch passionierter Hobbyschauspieler.
Der Masseur Martin Straßgschwandtner ist auch passionierter Hobbyschauspieler. HRJ

Was Martin Straßgschwandtners Tätigkeiten als Masseur und Laiendarsteller verbindet.

Bregenz Heilen durch Hände, Berühren durch Worte. Martin Straßgschwandtner ist Medizinischer Masseur. Er ist aber auch passionierter Laiendarsteller, der in fremde Leben schlüpft. Für den 57-jährigen Bregenzer gibt es eine Brücke zwischen Massageliege und Theaterbühne: Empathie.

„Theater war für mich früher ein Schickimicki-Ding“, sagt Martin. Bis er eines Tages eine Vorstellung mit einer ehemaligen Partnerin besuchte. Der Abend ließ ihn nicht mehr los. „Was ist das wohl für ein Gefühl, dort oben zu stehen und Applaus zu bekommen?“, fragte er sich. „Das möchte ich auch erleben.“

Zur Martins Freizeitgestaltung gehört auch, sich hinsetzen und ein Buch lesen, von dem er nicht den Text auswendig lernen muss.
Zur Martins Freizeitgestaltung gehört auch, sich hinzusetzen und ein Buch zu lesen, von dem er nicht den Text auswendig lernen muss. HRJ

Erste Hauptrolle

Er suchte eine Theatergruppe, fand zum Ensemble des Theater Rampenlicht in Lauterach, nahm an Improvisationsabenden teil. 2001 war das. In dieser Zeit fiel beim Landestheater einmal ein Darsteller der Aufführung „Der Zerrissene“ von Johann Nestroy aus. Die „ganz kleine Rolle“ bekam Martin: „Ich mimte einen Knecht und durfte ein paar Sätze sprechen. Das hat sich toll angefühlt.“ Noch im selben Jahr stand er im Theater Rampenlicht erstmals in einer Hauptrolle auf der Bühne.

Auch in der Komödie „Der Pantoffel-Panther“ von Lars Albaum und Dietmar Jacobs, die das Theater Rampenlicht ab 3. Oktober auf die Bühne bringt, spielt Martin eine Hauptrolle. Das Stück handelt von einem pleitegegangenen Unternehmer, der von einem Mafioso für den legendären Auftragskiller „Der Panther“ gehalten wird. Martin spielt den Mafioso, der beim vermeintlichen „Panther“ einen Mord in Auftrag geben will. Das führt – eh klar – zu erheblichen Turbulenzen.

Probe für das Stück „Der Pantoffel- Panther
Probe für das Stück „Der Pantoffel-Panther”: Martin Straßgschwandtner mit Joe Scheucher. RAMPENLICHT

„Ich mag diese Rolle sehr. Sie liegt mir“, beteuert Martin, der nicht nur auf der Rampenlicht-Bühne steht. Er ist auch Mitglied der interaktiven Vorarlberger Krimi-Theatergruppe „Tödliches Dinner“. Dort schlüpft er im aktuellen Stück „Landpartie“ in die Rolle des Dorfpolizisten, „bei dem man nicht so recht weiß, was er tatsächlich ist und vorhat“. Zudem ist er beim Krippenspielensemble Bregenz aktiv, tritt als Kabarettist auf und wirkte mehrmals beim Dornbirner Narrenabend mit. 2009 gewann er den Vorarlberger Kleinkunstpreis.

Auch erste Fernseherfahrung hat der engagierte Hobbyschauspieler bereits gesammelt. In Karl Markovics’ Vorarlberger Landkrimi „Das Schweigen der Esel“ war er in einer kleinen Rolle zu sehen.

Mit seiner Frau Regina und Tochter Ronja genießt Martin entspannende Momente.
Mit seiner Frau Regina und Tochter Ronja genießt Martin entspannende Momente. PRIVAT

Gespür und Verständnis

„Schauspielen fördert die Empathiefähigkeit“, hat Martin in seiner Theaterpädagogik-Ausbildung gelernt. „Ich habe dadurch mehr Gespür und Verständnis für andere Menschen bekommen. Schauspielen hat mich auch meinem jetzigen Beruf nähergebracht.“

Zum Medizinischen Masseur ließ er sich 2015 ausbilden. Seit 2016 arbeitet er bei seiner Frau Regina in ihrer Physiotherapie-Praxis „Spürbar“ in Lauterach, auch im Gesundheitszentrum Rickatschwende sowie im Olympiazentrum Dornbirn. „Regina brachte mich zum Massieren, ich sie zum Theaterspielen.“

„Ich habe durchs Schauspielen mehr Gespür und Verständnis für andere Menschen bekommen.“ Martin Straßgschwandtner, Masseur, Laiendarsteller
„Ich habe durchs Schauspielen mehr Gespür und Verständnis für andere Menschen bekommen.“ Martin Straßgschwandtner, Masseur, Laiendarsteller HRJ

Zuvor hatte ihn sein Lebensweg auf ganz andere Pfade geführt. Aufgewachsen in Lochau, führte ihn sein beruflicher Weg von der Post über die ÖBB zum Käsehersteller Rupp. Er war 20 Jahre alt, als er nach dem Bundesheerdienst einen achtmonatigen UN-Einsatz auf Zypern absolvierte. „Eine spannende Zeit war das“, erinnert er sich.

Den Großteil der Freizeit, die ihm neben Beruf und Theater bleibt, widmet er seiner achtjährigen Tochter Ronja. Dazu gehört Wandern: „Ich liebe es, in der Natur zu sein.“ Außerdem liest er gerne Bücher, „von denen ich den Text nicht auswendig lernen muss“.

Beruf, Schauspielerei, Familie: „Eine schöne Welt“, resümiert Martin Straßgschwandtner, „und alles hat so viel mit Empathie zu tun.“ HRJ

Zur Person

MARTIN STRAßGSCHWANDTNER

GEBOREN 19. Jänner 1969

WOHNORT Bregenz

BERUF Medizinischer Masseur

HOBBY Theater, Aktivitäten mit der Familie

FAMILIE verheiratet mit Regina, Töchter Cindy (31) und Ronja (8)

THEATER RAMPENLICHT „Der Pantoffel-Panther“, 3. bis 17. Oktober 2026, Hofsteigsaal Lauterach, info@rampenlicht.at, www.rampenlicht.at