Übermalt das Grau des Krieges mit bunten Farben

VN / 01.10.2026 • 13:19 Uhr
Mit großer Freude feierte der Lecher Pfarrer Pater Adrian mit dem neuen Seelsorger des Pfarrverbandes Schoppernau, Schröcken, Warth die Messe auf dem Simmel. Pater Adrian war vor mehr als 30 Jahren in Bezau Religionslehrer von Friedel Kaufmann.
Mit großer Freude feierte der Lecher Pfarrer Pater Adrian (rechts) mit dem neuen Seelsorger des Pfarrverbandes Schoppernau, Schröcken, Warth, Friedel Kaufmann, die Messe auf dem Simmel. peter strauss

Berührende Friedensfeier auf dem Simmel mit eindringlichen Mahnungen zum Mut für Frieden.

Schröcken, Warth Der Simmel – ein an sich unscheinbarer Hügel, 1751 Meter hoch, inmitten der höchsten Berggipfel des Bregenzerwaldes, angefangen vom Widderstein (2533 m) im Norden, Biberkopf (2599 m) und Warther Horn im Osten, Juppenspitze, Mohnenfluh oder Braunarlspitze (mit 2649 m höchster Berg der Region) im Süden bis zur Künzelspitze (2397 m) im Westen, hat 1982 eine besondere Bedeutung erlangt: Gotthilf Fischer hat hier eines seiner Weltfriedenskreuze errichtet.

Markus Bischof zu den Alpenhornbläsern Warther Horn: „Euer Klang trägt weiter als jedes Wort, über die Hänge, über die Grenzen der Täler hinweg. Genau das passt zu diesem Tag.“
Markus Bischof zu den Alpenhornbläsern Warther Horn: “Euer Klang trägt weiter als jedes Wort, über die Hänge, über die Grenzen der Täler hinweg. Genau das passt zu diesem Tag.” peter strauss

Von großer Tragweite

Der Friedensaktivist und Gründer der Fischerchöre wählte den Simmel nicht von ungefähr aus: Hier an der europäischen Wasserscheide entscheidet ein Schritt, ob ein Regentropfen via Lech und Donau gut 2500 km weiter östlich bei der rumänischen Hafenstadt Sulina ins Schwarze Meer fließt oder via Bregenzerach und Rhein mehr als 1000 km westlich auf der anderen Seite des Kontinents bei Rotterdam in die Nordsee.

Das Weltfriedenskreuz steht somit an einem Ort von großer Tragweite für den Lauf des Wassers – und soll symbolisch auch die Mächtigen dieser Welt mahnen, für den Lauf der Weltgeschichte den Schritt in die richtige Richtung – zum Frieden statt zum Krieg – zu machen.

Mit einer Agape bei der Simmelkapelle – bis 1867 sogar eigene Pfarrei – wurde die Feier abgreschlossen.
Mit einer Agape bei der Simmelkapelle – bis 1867 sogar eigene Pfarrei – wurde die Feier abgeschlossen. peter strauss

Eine Schachtel voller Farbstifte

Pfarrer Friedel feierte gemeinsam mit seinem früheren Religionslehrer Pater Adrian die Messe und machte das berühmte Gedicht des 13-jährigen israelischen Mädchens Tali zum Thema: Als pazifistisches Mahnmal aus Kindersicht schrieb Tali unter dem Eindruck der allgegenwärtigen religiösen und politischen Konflikte in ihrer Heimat “A Box of Crayons” (Eine Schachtel voller Farbstifte) mit der Metapher, dass sie eine Schachtel voller Farben besitzt – ohne Schwarz und Weiß.

Bei der Agape bei der Simmelkapelle gab es für die Theodul-Bruderschaft auch Gelegenheit, sich mit Pfarrer Friedel auszutauschen.
Bei der Agape bei der Simmelkapelle gab es für die Theodul-Bruderschaft auch Gelegenheit, sich mit Pfarrer Friedel auszutauschen. peter strauss

Dem Fehlen von Schwarz und Weiß gibt Talis Geschichte eine tiefe symbolische Bedeutung: Tali weigert sich, die Welt im Schwarz-Weiß-Denken zu sehen, und wehrt sich gegen die Spaltung.

Nach mehr als 30 Jahren haben sich ihre Wege beim Friedenskreuz am Simmel wieder gekreuzt: Pater Adrian und sein ehemaliger Schüler Friedel Kaufmann.
Nach mehr als 30 Jahren haben sich ihre Wege beim Friedenskreuz am Simmel wieder gekreuzt: Pater Adrian und sein ehemaliger Schüler Friedel Kaufmann. peter strauss

Stattdessen steht das Bunte für das Positive – Rot, Blau, Gelb, Grün symbolisieren Hoffnung, Frieden, Lebensfreude und die Vielfalt des Lebens. Im Sinne von Tali mahnte Pfarrer Friedel, das Grau des Krieges mit bunten Farben zu übermalen und wie Tali eine friedliche Zukunft zu zeichnen. Der Komponist Thomas Doss hat die Gedanken des Mädchens in dem emotionalen Blasorchester-Werk “The Colors of Tali” vertont und damit bekannt gemacht.

     Für die Tannberggemeinden Lech, Warth und Schröcken war die Friedensmesse zugleich Sternwallfahrt – von Schröckener Seite strebten viele Teilnehmer über unwegsames Gelände auf den Simmel.
Für die Tannberggemeinden Lech, Warth und Schröcken war die Friedensmesse zugleich Sternwallfahrt – von Schröckener Seite strebten viele Teilnehmer über unwegsames Gelände auf den Simmel. peter strauss

Das Friedenskreuz ist zwar ein christliches Symbol, dessen ungeachtet mahnt es auch Angehörige aller anderen Konfessionen, gemeinsam für den Frieden zu beten.

Viele Gäste verweilten nach der Messfeier noch einige Zeit auf dem Simmel, um den prächtigen Spätsommertag inmitten der atemberaubenden Bergkulisse zu genießen.
Viele Gäste verweilten nach der Messfeier noch einige Zeit auf dem Simmel, um den prächtigen Spätsommertag inmitten der atemberaubenden Bergkulisse zu genießen. peter strauss

Habt den Mut zum Frieden

Markus Bischof, der die Feier moderierte, erinnerte daran, dass die Walser vor Jahrhunderten auch an den Hochtannberg gekommen sind und Täler besiedelten, die andere für unbewohnbar hielten. “Dazu gehörte Mut, es war ein Wagnis. Die Berge um uns trennen die Täler. Die Pässe verbinden sie. Seien wir heute und in unserem Alltag Menschen des Passes: die, die Übergänge schaffen, wo andere Grenzen sehen. Die Walser haben den heiligen Theodul mitgebracht, nach dem sich die Bruderschaft benennt, die heute diese Feier organisiert.”

 Olympiasieger und Mitbegründer der Theodul-Bruderschaft Hubert Strolz erklärt Gästen „vom Land“ das faszinierende Bergpanorama.   
Olympiasieger und Mitbegründer der Theodul-Bruderschaft Hubert Strolz erklärt Gästen “vom Land” das faszinierende Bergpanorama. peter strauss

Dann spannte Bischof den Bogen von den wagemutigen Walsern zu Dietrich Bonhoeffer, der 1934 am Vorabend eines fürchterlichen Krieges sagte: “Es gibt keinen Weg zum Frieden auf dem Weg der Sicherheit, Friede muss gewagt werden. Frieden verlangt Mut.” In Bonhoeffers Sinne mahnte Markus Bischof: “Haben wir den Mut, zuerst die Hand zu reichen. Den Mut, einen Streit nicht zu gewinnen, sondern zu beenden. Den Mut, einem Fremden mit Offenheit zu begegnen statt mit Misstrauen.” STP

Erfreulich, dass Pfarrer Friedel und Pater Adrian die Messe heuer wieder mit mehr Ministrantinnen und Ministranten feiern durften als in früheren Jahren oft der Fall war.  
Erfreulich, dass Pfarrer Friedel und Pater Adrian die Messe heuer wieder mit mehr Ministrantinnen und Ministranten feiern durften, als es in früheren Jahren oft der Fall war. Peter Strauss
  Auf dem Parkplatz beim Hotel Adler standen nicht nur Autos, auch Bikes von sportlichen Messebesuchern waren hier geparkt.
Auf dem Parkplatz beim Hotel Adler standen nicht nur Autos, auch Bikes von sportlichen Messebesuchern waren hier geparkt. Peter Strauss
Markus Bischof mahnte seine Zuhörer, im übertragenen Sinne „Pässe zu sein, die Übergänge schaffen, wo andere Grenzen sehen.“
Markus Bischof mahnte seine Zuhörer, im übertragenen Sinne “Pässe” zu sein, die Übergänge schaffen, wo andere Grenzen sehen. Peter Strauss
Am Fuße von Widderstein und Simmel wird eine Fülle von Wandermöglichkeiten angezeigt.
Am Fuße von Widderstein und Simmel wird eine Fülle von Wandermöglichkeiten angezeigt. Peter Strauss
Die jüngsten Gäste kamen per Huckepack zur Feier auf den Simmel.
Die jüngsten Gäste kamen per Huckepack zur Feier auf den Simmel. Peter Strauss