Übermalt das Grau des Krieges mit bunten Farben

Berührende Friedensfeier auf dem Simmel mit eindringlichen Mahnungen zum Mut für Frieden.
Schröcken, Warth Der Simmel – ein an sich unscheinbarer Hügel, 1751 Meter hoch, inmitten der höchsten Berggipfel des Bregenzerwaldes, angefangen vom Widderstein (2533 m) im Norden, Biberkopf (2599 m) und Warther Horn im Osten, Juppenspitze, Mohnenfluh oder Braunarlspitze (mit 2649 m höchster Berg der Region) im Süden bis zur Künzelspitze (2397 m) im Westen, hat 1982 eine besondere Bedeutung erlangt: Gotthilf Fischer hat hier eines seiner Weltfriedenskreuze errichtet.

Von großer Tragweite
Der Friedensaktivist und Gründer der Fischerchöre wählte den Simmel nicht von ungefähr aus: Hier an der europäischen Wasserscheide entscheidet ein Schritt, ob ein Regentropfen via Lech und Donau gut 2500 km weiter östlich bei der rumänischen Hafenstadt Sulina ins Schwarze Meer fließt oder via Bregenzerach und Rhein mehr als 1000 km westlich auf der anderen Seite des Kontinents bei Rotterdam in die Nordsee.
Das Weltfriedenskreuz steht somit an einem Ort von großer Tragweite für den Lauf des Wassers – und soll symbolisch auch die Mächtigen dieser Welt mahnen, für den Lauf der Weltgeschichte den Schritt in die richtige Richtung – zum Frieden statt zum Krieg – zu machen.

Eine Schachtel voller Farbstifte
Pfarrer Friedel feierte gemeinsam mit seinem früheren Religionslehrer Pater Adrian die Messe und machte das berühmte Gedicht des 13-jährigen israelischen Mädchens Tali zum Thema: Als pazifistisches Mahnmal aus Kindersicht schrieb Tali unter dem Eindruck der allgegenwärtigen religiösen und politischen Konflikte in ihrer Heimat “A Box of Crayons” (Eine Schachtel voller Farbstifte) mit der Metapher, dass sie eine Schachtel voller Farben besitzt – ohne Schwarz und Weiß.

Dem Fehlen von Schwarz und Weiß gibt Talis Geschichte eine tiefe symbolische Bedeutung: Tali weigert sich, die Welt im Schwarz-Weiß-Denken zu sehen, und wehrt sich gegen die Spaltung.

Stattdessen steht das Bunte für das Positive – Rot, Blau, Gelb, Grün symbolisieren Hoffnung, Frieden, Lebensfreude und die Vielfalt des Lebens. Im Sinne von Tali mahnte Pfarrer Friedel, das Grau des Krieges mit bunten Farben zu übermalen und wie Tali eine friedliche Zukunft zu zeichnen. Der Komponist Thomas Doss hat die Gedanken des Mädchens in dem emotionalen Blasorchester-Werk “The Colors of Tali” vertont und damit bekannt gemacht.

Das Friedenskreuz ist zwar ein christliches Symbol, dessen ungeachtet mahnt es auch Angehörige aller anderen Konfessionen, gemeinsam für den Frieden zu beten.

Habt den Mut zum Frieden
Markus Bischof, der die Feier moderierte, erinnerte daran, dass die Walser vor Jahrhunderten auch an den Hochtannberg gekommen sind und Täler besiedelten, die andere für unbewohnbar hielten. “Dazu gehörte Mut, es war ein Wagnis. Die Berge um uns trennen die Täler. Die Pässe verbinden sie. Seien wir heute und in unserem Alltag Menschen des Passes: die, die Übergänge schaffen, wo andere Grenzen sehen. Die Walser haben den heiligen Theodul mitgebracht, nach dem sich die Bruderschaft benennt, die heute diese Feier organisiert.”

Dann spannte Bischof den Bogen von den wagemutigen Walsern zu Dietrich Bonhoeffer, der 1934 am Vorabend eines fürchterlichen Krieges sagte: “Es gibt keinen Weg zum Frieden auf dem Weg der Sicherheit, Friede muss gewagt werden. Frieden verlangt Mut.” In Bonhoeffers Sinne mahnte Markus Bischof: “Haben wir den Mut, zuerst die Hand zu reichen. Den Mut, einen Streit nicht zu gewinnen, sondern zu beenden. Den Mut, einem Fremden mit Offenheit zu begegnen statt mit Misstrauen.” STP




