“Söckle” starb durch einen Wolf. Was die Raubtiere künftig im Land erwartet

VN / 05.10.2026 • 16:20 Uhr

Das Lieblingslamm der Schafszüchterin-Tochter wurde aus einem Gehege gerissen und getötet.

ABD0098_20260331 – CLEEBRONN – DEUTSCHLAND: 12.02.2026, Baden-WŸrttemberg, Cleebronn: Dieser Wolf wurde in einem Gehege in Baden-WŸrttemberg fotografiert – doch es gibt auch viele Wšlfe in freier Wildbahn in Deutschland. (zu dpa: ÇWolf verletzt Frau in Hamburg ? ThŸringen mahnt zur VorsichtÈ) Foto: Bernd Wei§brod/dpa +++ dpa-Bildfunk +++. – FOTO: APA/dpa/Bernd Wei§brod
Die meisten Wölfe meiden Menschen und deren Siedlungen. Doch es gibt eben auch andere, die sich Nutztiere als Beute aussuchen. APA

Tschagguns, Lustenau Es war ein schrecklicher Moment für die Familie Natter, und vor allem für die kleine Tochter, als ein Jäger am Freitag, den 4. September, im Weiler Bitschweil bei Tschagguns eine grauslige Entdeckung machte. Der Mann fand ein übel zugerichtetes Lamm tot am Boden liegen, unweit eines eingezäunten Areals. Für die Tochter von Schafzüchterin Claudia Natter (40) brach eine Welt zusammen. “Söckle” war ihr Lieblingslämmle.

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Die herbeigerufene Amtstierärztin vor Ort sowie Wildbiologe Hubert Schatz (62) konnten damals jedoch nicht mit Gewissheit einen Wolf als Täter ausmachen. “Es hätten theoretisch auch Hunde sein können.”

"Söckle" starb durch einen Wolf. Was die Raubtiere künftig im Land erwartet
So putzig sind Wölfe als Welpen. Doch sie wachsen zu Raubtieren heran und werden zu einer Gefahr für Ziege und Schafe. APA

Kann jederzeit passieren

Doch jetzt, nach Vorliegen der Untersuchungsergebnisse, gibt es keinen Zweifel mehr. “Söckle” kam durch die Attacke eines Wolfs ums Leben. “Es ist einer aus der italienischen Population”, weiß Schatz. Ob dasselbe Raubtier schon einmal in Vorarlberg aktiv war, kann Schatz – noch – nicht sagen. Wie auch immer. “Dass herumstreifende Wölfe bei uns Nutztiere reißen, kann jederzeit passieren. Daran müssen wir uns gewöhnen.” Viel Schaden sollten die zumeist aus Graubünden kommenden Wölfe in den kommenden Monaten nicht mehr anrichten können. “Die meisten Nutztiere sind ja wieder in den heimatlichen Ställen, oder weiden vielleicht noch auf der Wiesen daneben”, sagt Schatz.

Keine Spezialtruppe

Doch nach der Wolfssaison ist vor der Wolfsaison. Besonders für die heimischen Weidmänner wird der Beutegreifer künftig eine große Herausforderung. Eine landesweite Strategie für ein einheitlich geregeltes Vorgehen gegen den Wolf gibt es noch nicht. Gejagt und erlegt werden darf der Wolf jetzt in Ausnahmefällen. Ermöglicht wurde das durch die Änderung des Vorarlberger Jagdgesetzes mit der darin enthaltenen Wolfsmanagementverordnung.

“Bei uns wurden noch nicht viele Wölfe gejagt. Und wenn das so war, dann haben sich lokale Jäger darum gekümmert. Das macht auch am meisten Sinn. Das Prozedere vom Ausmachen eines Schadwolfs über ein schriftliches Entnahme-Ansuchen bis hin zur Freigabe eines bestimmten Tieres zur Entnahme hat sich aber schon eingespielt”, erklärt Gernot Heigel (36), Geschäftsführer der Vorarlberger Jägerschaft. Ausgewiesene ‘Wolfsjagd-Experten in einer Art Jäger-Sondertruppe gibt es in Vorarlberg nicht. Zumindest noch nicht.

"Söckle" starb durch einen Wolf. Was die Raubtiere künftig im Land erwartet
Gernot Heigel, Geschäftsführer der Vorarlberger Jägerschaft und Wildbiologe, ist überzeugt davon, dass Vorarlberg bald ein Wolfsrudel beheimaten wird. Roland Paulitsch

Rudelbildung nur Frage der Zeit?

Dass sich in Sachen Wölfen in den kommenden Jahren viel tun wird, ist für Heigel, selbst Wildbiologe, klar. “Wir werden über kurz oder lang auch in Vorarlberg ein Rudel bekommen. Man stelle sich vor: Allein im an uns grenzenden Kanton Graubünden und Umgebung gibt es bereits 19 Rudel”, weiß Heigel.

Doch die Eidgenossen haben Vorkehrungen getroffen, dass sich die Wölfe nicht unkontrolliert vermehren. “Um den Bestand zu regulieren werden in der Schweiz jährlich zwischen einem Drittel und der Hälfte aller Jungwölfe eines Rudels getötet”, berichtet Heigel. An der Entnahme der Raubtiere sind hauptsächlich lokale Jäger beteiligt. “Diese werden speziell auach auf die Jagd auf Wölfe ausgebildet”, so Heigel.