Rätsel um verschwundenes Geld

“Investment-Fachmann” (79) kann Anlegern nicht erklären, wo ihre 90.000 Franken geblieben sind.
Feldkirch Einst unterrichtete der Angeklagte in einem Vorarlberger Institut die englische Sprache. Nur so nebenher beschäftigte er sich mit “Investments”.
“Dann zeigte ich Interessierten, wie dieses “Trading” funktioniert, und mit der Zeit wollten diese Leute, dass ich das Ganze für sie übernehme”, erzählt der Hobby-Anlageberater. Dafür bekam er zwanzig Prozent von allfälligen Gewinnen. Laut seiner Aussage gab es eine ganze Reihe von zufriedenen Investoren. In 15 Jahren habe er erfolgreich für andere Langzeitinvestitionen getätigt, und alle seien immer zufrieden gewesen. Dann kamen mehrere gesundheitliche Probleme, und es habe Schwierigkeiten mit einer Schweizer Großbank gegeben. Auch mit den “IG-Markets”, einer Aktiengesellschaft aus dem Finanzdienstleistungssektor, habe es Ungereimtheiten gegeben. “Ich habe immer wieder nachgefragt, aber keine Antworten bekommen”, so der Angeklagte.
Hacker am Werk?
Verteidigerin Zehra Yilmaz-Arslan führt aus, dass ihr Mandant niemals betrügen wollte, sondern dass etwas passiert sein muss, was außerhalb der Sphäre ihres Mandanten liege. Der Angeklagte hat zwei Erklärungen dafür, dass das investierte Geld nicht abrufbar ist. “Entweder, es liegt immer noch bei diesem Finanzdienstleister, oder die Firma wurde Opfer von Hackern, die das Geld von den zwei betreffenden Konten abgezweigt haben”, so der betagte Beschuldigte. Er habe es jedenfalls nicht für sich privat abgezweigt.
“Ist es möglich, dass dieses Geld durch die spekulativen Geschäfte verloren ging und Sie das gar nicht mitbekommen haben?”, will Richter Theo Rümmele wissen. “Nein, unmöglich”, lautet die Antwort.
Höchst spekulativ
Investiert wurde das Geld von zumindest drei jungen Männern, die sich dem Verfahren als Geschädigte anschließen. Das Trio verlor über 90.000 Schweizer Franken. Ihnen wurde offenbar vor Vertragsabschluss vorenthalten, dass es einen Totalverlust geben könne. Denn nur maximal 30 Prozent des Kapitals könnten verloren gehen, so die angebliche damalige Aussage des Vermittlers.
Dass sie in hochspekulative Finanzprodukte, sogenannte “CFDs”, investierten, wussten sie nicht. Diese Differenzkontrakte sind höchst gefährlich. Dabei spekulieren Anleger auf steigende oder fallende Kurse von Basiswerten wie Aktien, Rohstoffen oder Indizes. Dabei sind Totalverluste nicht selten. “Eigentlich ist es eine Wette”, so Staatsanwalt Marco Mazzia. Keiner der jungen Investoren hätte sein Geld auf diese Art angelegt, wenn er darüber besser informiert worden wäre. Nun sind von insgesamt 121.000 Euro nur mehr 275 Euro übrig. Wo das Geld geblieben ist, bleibt vorerst ein Rätsel. Weitere Konten der Schweizer Großbank müssen geöffnet werden, um Licht ins Dunkel zu bringen. Der Prozess wurde vertagt. Ob die drei Investoren ihr Geld je wieder sehen, ist äußerst fraglich.