Weltgrößter Fotowettbewerb sagte leise Servus

Nach 35 Jahren begeisterte Chris Hinterobermaier zum letzten Mal sein Bregenzer Publikum.
Bregenz Das Interesse an der Fotoschau war groß, vielleicht kamen sogar noch ein paar Besucher mehr als in den 35 Jahren zuvor ins Festspielhaus, um sich bei der Präsentation der besten Fotos der Welt verzaubern zu lassen. Gleich zweimal zeigte Chris Hinterobermaier im Überblendmodus Hunderte beeindruckende Fotos, die er mit seinem Team aus über 150.000 Einsendungen ausgesucht hatte.
Wehmütiger Abschied
Stammgäste, die seit Jahrzehnten zu seiner Schau kommen, begrüßte er mit Handschlag, und viele nahmen noch einmal einen Hunderte Seiten starken Bildband mit. Zum letzten Mal, denn der Macher des größten Fotowettbewerbs hört auf: “KI-Bilder sind nicht mehr von echter Kunst zu unterscheiden. Es ist nicht mehr möglich, KI-Bilder zu erkennen und auszuscheiden. Deshalb entschlossen wir uns, den Wettbewerb nicht mehr weiterzuführen”, musste sich Chris Hinterobermaier in seiner Begrüßung vom treuen Publikum, das er nicht nur in Bregenz, sondern auf der ganzen Welt begeisterte, verabschieden. Hunderte Besucher mussten es mit Wehmut zur Kenntnis nehmen, denn die Show führte jedes Mal nicht nur in eine fantastische Welt der Fotografie, sie gab Amateuren auch eine Fülle von Tipps und Anregungen, was man aus dem Hobby Fotografieren machen kann.

Der Mann hinter den Bildern
Außergewöhnlich wie sein Vortrag ist auch der Mann hinter den Bildern. Dank seines Markenzeichens, der jugendlichen Lockenmähne, würde man in ihm eher einen Rockmusiker sehen, der sich zur falschen Veranstaltung ins Festspielhaus verirrte. Auch seine 64 Jahre sieht man dem Fotokünstler und langjährigen Organisator des Fotokunstwettbewerbs nicht wirklich an – und schon gar nicht seinen erlernten Beruf: Nach der Matura 1980 studierte er Jus und promovierte 1987 zum Dr. jur. Doch statt in eine Kanzlei oder ans Gericht führte ihn sein Berufsweg in ein ganz anderes Metier: Seine eigene, tief verwurzelte Leidenschaft für Fotografie wurde zum Wegweiser und führte ihn zur Organisation von Wettbewerben. Zusammen mit Partnern und Sponsoren (darunter Christian Trierenberg, Chef des Zigarettenpapierherstellers) gründete er Anfang der 1990er-Jahre den Trierenberg Super Circuit.

Partnerschaft mit Katar
Eine seiner Vortragsreisen in die ganze Welt führte ihn nach Katar, wo der damalige Kulturminister Saoud Bin Mohammed bin Ali Al-Thani auf ihn aufmerksam wurde und ihm eine Partnerschaft anbot. Der Scheich war damals nicht nur Minister, sondern auch Kunstsammler und Naturschützer.

Mit Al-Thani gründete Chris den “Al-Thani Award for Photography”, der neue Dimensionen eröffnete. Durch die finanzielle Kraft aus Katar entwickelte sich der Al-Thani schnell zu einem der am besten dotierten Fotowettbewerbe der Welt. So wurden bei diesem Award allein Hauptpreise bis 30.000 Dollar vergeben.

Und schmunzelnd erinnert er sich im Gespräch mit den VN an diese Entwicklung: “Einsendungen von Fotos haben uns regelrecht überrollt, einmal lieferte eine Spedition ein 80-Kilo-Paket von einem Fotoklub in Fernost mit 8000 Mitgliedern ab.”

Mit dabei bei der Abschiedsvorstellung “Die besten Fotos der Welt” auch viele Mitglieder des Bregenzer Cameraclubs, der am Wochenende sein 50-Jahr-Jubiläum feiert. Allen voran Obfrau Marlies Raich und Wilfried Schneider, bei denen sich Hinterobermaier mit Al-Thani-Medaillen für jahrzehntelange Zusammenarbeit bedankte. STP