Reinhold Bilgeri

Kommentar

Reinhold Bilgeri

Kommentar: Rufer in der Wüste (Teil 4)   

VN / 14.10.2026 • 14:14 Uhr

Die „Schlacht“ der Argumente zwischen den Klimaskeptikern und der Wissenschaft scheint noch nicht entschieden, obwohl alle Fakten auf dem Tisch liegen. Entschieden wäre die Sache erst, wenn sich ein weltweiter kollektiver Konsens über die Notwendigkeit und Radikalität des Handelns ergäbe, um die Pariser Klimaziele tatsächlich umzusetzen. Über 99 Prozent der Klimawissenschaftler sowie der Weltklimarat (IPCC), der jährlich Tausende Studien zum Thema beurteilt, sind erstens überzeugt vom menschengemachten Klimawandel und zweitens der Meinung, wir sollten unsern Kindeskindern eines Tages nicht erklären müssen, wir hätten nicht gewusst, ‚was auf uns zukommt. Schon die Klimamodelle der 70er-Jahre haben die heutigen Temperaturentwicklungen exakt vorhergesagt.

Prof. Harald Lesch hat sein Herz auf der Zunge, wenn er sagt: “Wir Älteren werden die Ergebnisse unserer Handlungen gegen den Klimawandel in Form von positiven Wirkungen nicht mehr erleben, denn dieses verdammte CO2 kann bis zu 100 Jahren in der Atmosphäre bleiben – es gibt zwar Techniken, es aus der Atmosphäre zu holen und in der Erde zu bunkern, aber die sind sauteuer, aufwendig und energetisch fast unmöglich.” Sollten wir es aber dennoch schaffen, kollektive Maßnahmen zur Eindämmung der Emissionen umzusetzen, könnten die Auswirkungen auf unsere Enkelkinder noch reduziert werden.

Der deutsche Schriftsteller und Historiker Philipp Blom sagt in seinem Buch “Ist die Welt verrückt geworden?” (von Frau Ammann empfohlen): “Die Menschen lernen offenbar nicht durch kluge Argumente, sondern erst durch dissonante Erfahrungen”, wobei er die über 40 Grad Tage im Sommer meinte, die sich häufen werden. Beim Rauchverbot hat’s doch auch geklappt, sagt Frau Ammann. Wer hätte in den 80ern geglaubt, man könnte je ein allgemeines Rauchverbot in der Gastronomie durchsetzen, es ging. Irgendwann war klar: Auch Passivrauchen ist gesundheitsschädlich. Warum sollte es nicht mit der Minimierung der Treibhausgase und der Anpassung an den Klimawandel klappen? Natürlich gibt es immer wieder sogenannte “US Think Tanks”, die, bezahlt von Lobbys der Fossilen, Zweifel schüren: die meinen z. B., die momentan geringeren Sonnenaktivitäten könnten sogar zu einer kühleren Phase führen – ist durch Studien längst klar widerlegt, und doch gibt es offenbar einen Markt für Desinformation, der nötiges Handeln blockiert.

Frau Ammann machte einen klugen Vorschlag, um Skeptikern die Zweifel zu nehmen: Schauen Sie, was die großen Rückversicherer über den Klimawandel sagen, das sind völlig ideologiebefreite, nüchterne Rechner ‚da geht’s um Unsummen, die andere Versicherungen rückversichern, und die wissen genau: Mit der Physik und der Mathematik kann man weder Kompromisse schließen noch einen Deal aushandeln. Hier zählen nur Fakten, nicht Meinungen. “Der Klimawandel ist Teil unseres Kerngeschäfts”, sagt der Geophysiker Ernst Rauch im Dienste der “Münchener Rück.”

“Wir werden in den kommenden Jahren Ereignisse sehen, zu denen wir keine historischen Vergleiche mehr haben. Das, was man sich gerne nicht vorstellen mag, wird Realität. Wir müssen vorbereitet sein – und wir müssen uns alle an diese neue Wirklichkeit anpassen.

Deswegen müssen wir als Versicherung den Klimawandel verstehen.”

Rauch ist Leiter der Klimaforschungsabteilung der Münchener Rück (immerhin der größte Rückversicherungskonzern der Welt), und er ist angehalten, einen unbestechlichen Blick auf unser Thema zu richten. Ich glaube, seine Worte haben Gewicht.