Werkraumschule – Leuchtturm feiert Jubiläum

Vor zehn Jahren startete ein einzigartiges Erfolgsmodell als starke Säule der Handwerkszukunft.
Andelsbuch Passender hätte der Rahmen nicht sein können: Die Bregenzerwälder Werkraumschule feierte ihr zehnjähriges Jubiläum im Rahmen der zehnten Handwerk+Form im Andelsbucher Werkraumhaus, und die Gäste konnten sich darüber informieren, dass dieses 2016 gestartete Leuchtturmprojekt ein einzigartiges Erfolgsmodell geworden ist – eine wichtige Säule für die Zukunft des Handwerks in der Region.

Wie es begann – wohin es geht
In Statements und Talkrunden wurde erläutert, wie dieses Ausbildungsmodell entstanden ist, sich entwickelt hat und wohin die weitere Reise gehen soll.

Die Ausgangslage vor 15, 20 Jahren war wenig rosig: Die klassische Handelsschule geriet gegenüber anderen Schulformen (mit Maturaabschluss) mehr und mehr ins Hintertreffen, auf der anderen Seite sahen sich nicht nur Handwerksbetriebe einem wachsenden Lehrlingsmangel gegenüber.
Große Unternehmen “am Land” hatten mit eigenen Lehrwerkstätten ganz andere Möglichkeiten, künftige Facharbeiter zu rekrutieren. Auf sich allein gestellt, ist dies für Wälder Handwerksbetriebe schwieriger.

Schon die Auer Zunft
Um der Jugend ein modernes, umfassendes Ausbildungsangebot zu schaffen, nahmen die Pioniere eine Anleihe bei der Auer Zunft, die schon damals (1651 bis 1842) diese Idee umsetzte: Nach oder schon neben der Schule wurden Lehrlinge durch die Meister in Technik und Statik, Materialkunde, Geometrie, Zeichnen und Kostenberechnung unterrichtet. Die Zunftchronik weiß zu berichten, dass allein in Au zwischen 1650 und 1787 insgesamt 1814 sogenannte “Ledigsprechungen” (Lehrabschlüsse) verzeichnet wurden.

Auer Modell “modernisiert”
Die Pioniere von Wälder Handwerk und Wälder Schule haben Jahrhunderte später dieses Modell aufgegriffen und “modernisiert”, indem sie Handelsschule und Handwerkslehre (jetzt nicht mehr nur auf Bauhandwerk beschränkt, sondern auf alle Berufe ausgeweitet) vernetzten und zugleich aus drei Jahren Handelsschule und drei Jahren Lehre die fünfjährige Werkraumschule bildeten. Das “eingesparte Jahr” wird den Jugendlichen aber nicht “geschenkt”, der Lehrstoff von Schule und Handwerk wird ebenso wie der Zeitaufwand von sechs Jahren auf fünf Jahre komprimiert, weil Schule und Lehre zeitweise parallel laufen.

Berufswahl “treffsicherer”
Das Modell Werkraumschule – darin waren sich alle Beteiligten einschließlich der inzwischen 225 Absolventinnen und Absolventen aus allen 22 Wälder Gemeinden sowie aus neun Städten und Gemeinden “am Land” einig – hat die in sie gesetzten Erwartungen mehr als erfüllt. Die Vernetzung Schule-Lehre habe dazu geführt, dass viele Jugendliche dem Handwerk “erhalten blieben”.
Einen ganz wesentlichen Vorteil strich die langjährige Projektleiterin Petra Raid heraus: Jugendliche, die drei Jahre Zeit haben, ihren “richtigen” Beruf auszuloten, sind dabei viel treffsicherer, zumal sie diese Entscheidung nicht schon mit 15, sondern erst mit 17 treffen müssen.

Ein einzigartiges Modell
Fazit aus den vielen Statements: Die Werkraumschule, die weit über den Bregenzerwald und Vorarlberg hinaus Beachtung findet, ist dank des Zusammenwirkens aller Beteiligten ein einzigartiges Modell

Junger Werkraum gegründet
Abgeschlossen wurde die interessante und informative Jubiläumsfeier mit der Ankündigung der Gründung des “Jungen Werkraums”. Darin sollen Absolventinnen und Absolventen der Schule zusammengefasst werden und analog zum Werkraum-Verein ein Netzwerk der nächsten Generation aufbauen, in dem Wissensaustausch und übergreifende Weiterbildung gefördert werden sollen. STP

