Plötzlich aufgescheuchte Stiere und Kühe durchbrachen Weidezaun: “Kann nur ein Wolf gewesen sein”

VN / 16.10.2026 • 13:07 Uhr
Plötzlich aufgescheuchte Stiere und Kühe durchbrachen Weidezaun: "Kann nur ein Wolf gewesen sein"
Am Freitagmorgen war Martin Steurer damit beschäftigt, die Umzäunung einer Weide wiederherzustellen. Roland Paulitsch

Zwei Unfälle, eine tote Kuh und ein fassungsloser Landwirt waren die Bilanz eines ungewöhnlichen Vorfalls in Krumbach.

Krumbach Das Klingeln des Telefons riss den Krumbacher Landwirt Martin Steurer am frühen Freitagmorgen aus dem Schlaf. Am anderen Ende der Strippe war sein Sohn. “Er sagte mir, dass da ein Unfall mit einer meiner Kühe war”, erinnert sich Steurer im Gespräch mit den VN vor Ort.

Sechs Stiere, vier Kühe

Es war kurz nach 5 Uhr. Und die Weide neben dem Hof des Landwirtes leer und verlassen. Hier hatten in der Nacht noch sechs Stiere und vier Kühe gegrast. Doch dann musste etwas Seltsames geschehen sein. Denn von den Rindern war hier plötzlich keine Spur mehr. Und der elektrische Zaun war zerrissen. Doch das nicht nur an einer Stelle. Sondern überall rund um die Wiese. “Die Stiere und Kühe durchbrachen die Umzäunung an mehreren Stellen und büxten panikartig aus”, stellte Steurer fest.

Plötzlich aufgescheuchte Stiere und Kühe durchbrachen Weidezaun: "Kann nur ein Wolf gewesen sein"
Die ausgebüxte Herde musste nicht eingefangen werden, die Rinder kamen von selbst wieder zurück. M. Shourot

Gnadenschuss

Auf der Landstraße, der L6 in Richtung Langenegg, stand ein total beschädigtes Auto. Dessen Lenker war auf dem Weg zur Arbeit gewesen. Er hatte die Rinderherde im Dunkeln auf der Fahrbahn zwar bemerkt und auszuweichen versucht. Dennoch konnte der Fahrer eine Kollision mit einer Kuh nicht verhindern.

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Der Lenker dieses Pkws war auf dem Weg zur Arbeit, als sein Fahrzeug plötzlich mit einer Kuh kollidierte. M. Shourot

Er selbst wurde glücklicherweise nur leicht verletzt, für das angefahrene Rind kam jedoch jede Hilfe zu spät. “Die trächtige Kuh hätte in zwei Wochen gekalbt. Doch nun musste ich zusehen, wie ein herbeigerufener Jäger ihr den Gnadenschuss gab und der Kadaver mit einem Kran angehoben wurde”, schildert Steurer das denkwürdige Geschehen.

Plötzlich aufgescheuchte Stiere und Kühe durchbrachen Weidezaun: "Kann nur ein Wolf gewesen sein"
“Meine Stiere sind handzahm”: Der Landwirt mit seinen Rindern, die wieder auf der Wiese weiden.Roland Paulitsch

Fahrerflucht

Elf Feuerwehrleute, die Polizei und mehrere Landwirte machten sich auf die Suche nach den ausgebüxten Rindern. Doch die tauchten dann plötzlich von selbst auf. “Auf einmal waren die Stiere und Kühe wieder da und kamen ruhig auf uns zu”, sagt der Landwirt, der noch von einem zweiten Unfall zu berichten weiß. “Da war ein weiterer Autofahrer, der mit seinem Pkw ein Rind erfasst hatte. Doch dann fuhr er mit seinem beschädigten Fahrzeug weiter zur Polizeiinspektion, um dort eine Schadensmeldung zu erstatten. Stattdessen hat er sich eine Anzeige wegen Fahrerflucht eingehandelt, weil er den Unfallort verlassen hatte, statt seinen Pkw abzustellen und die Warnblinkanlage zu betätigen.”

Rinder in den Stall

In den kommenden Nächten wird Steurer sein Vieh im sicheren Stall nächtigen lassen. Weil ihn etwas beunruhigt. Denn was hatte die Rinder so plötzlich aufgescheucht? Diese Frage beschäftigt ihn, wobei ihm gleichzeitig nur eine Erklärung in den Sinn kommt. “Für mich kann das nur ein Wolf gewesen sein. Denn ein Fuchs treibt eine Herde nicht. Und auch vor einem Menschen flüchten meine Rinder nicht. Denn die kommen auf einen zu und sind handzahm.” Auch die Stiere, betont der Landwirt, der auf seinen Verdachtsmoment hin bereits einen Jäger sensibilisiert hat.

Plötzlich aufgescheuchte Stiere und Kühe durchbrachen Weidezaun: "Kann nur ein Wolf gewesen sein"
Am Tag werden die Stiere und Kühe auf der Wiese grasen, doch am Abend geht es in den Stall – vorsichtshalber. Roland Paulitsch