Kleidertausch als Weidacher Dorffestival

VN / 21.10.2026 • 10:23 Uhr
Bestens gelaunt fahren Helferinnen Kleiderständer ins Depot - beim Kleidertausch fanden Hunderte Kleidungsstücke neue Besitzer und viele der Kleiderständer wurden leergeräumt.
Bestens gelaunt fahren Helferinnen Kleiderständer ins Depot – beim Kleidertausch fanden Hunderte Kleidungsstücke neue Besitzer, und viele der Kleiderständer wurden leergeräumt. Peter Strauss

Hunderte Kleidungsstücke fanden neue Besitzer – im Fokus stand die Pflege der Dorfgemeinschaft.

Bezau “Es war ein Riesenerfolg – es wird von Jahr zu Jahr mehr und im Weidach weiß man unsere Kleidertausch-Aktion sehr zu schätzen. Und diese bietet auch Gelegenheit zum Kennenlernen”, freute sich “Kleidertausch-Chefin” Susanne Gaudl, als sie nach zwei turbulenten Stunden in der Tiefgarage des Hotels Schwärzler endlich ein wenig durchschnaufen konnte.

Highlight der Vereinsgeschichte

Hoteldirektor Sebastian Steurer, Susanne Gaudl (li.) und d'Weidacher-Obfrau Christine Oberforcher sind bereit für den Ansturm der
Hoteldirektor Sebastian Steurer, Susanne Gaudl (li.) und d’Weidacher-Obfrau Christine Oberforcher sind bereit für den Ansturm der “Kleidertauscher”. Peter Strauss

2014 gründeten engagierte Bürgerinnen und Bürger den Verein d’Weidacher – heute arbeiten rund 300 Ehrenamtliche in dieser Vereinigung mit und bemühen sich, “die hohe Lebensqualität im Stadtteil Weidach für die Wohnbevölkerung noch weiter auszubauen”, wie Obfrau Christine Oberforcher betont und im Gespräch mit der VN-Heimat ergänzt: “Vieles organisieren wir im eigenen Wirkungskreis – eine der Aktivitäten ist seit zehn Jahren dieser Kleidertausch, der diesmal besonders erfolgreich war – ein Highlight der Vereinsgeschichte.”

Erste Ansätze vor vielen Jahren

Das Weidach hat in Sachen Dorfentwicklung ein Riesenproblem: Rund 4500 Einwohner, aber kaum Infrastruktur. Und weil der Stadtteil überdurchschnittlich stark wächst, gibt es kaum Gelegenheiten, “Neue” kennenzulernen und zu integrieren. Vereinsaktivist Jakob Kaufmann, dessen Familie vor Jahrzehnten zugezogen ist, erinnert sich: “Ständig gab es neue Nachbarn, man kannte nur die wenigsten – da habe ich die Initiative ergriffen und zu einem Straßenfest eingeladen, die Straße gesperrt, Tische und Bänke aufgestellt und Einladungen verteilt. Mit dem Hinweis ‚Getränke, Würste und Steaks mitbringen, der Grill wird gestellt‘ haben wir ein Fest organisiert – rund 40 Gäste sind gekommen und haben Gemeinschaft gelebt und sich kennengelernt.”

Die Hoteltiefgarage verwandelte sich für einen Vormittag wieder zur Gebrauchtkleiderboutique.
Die Hoteltiefgarage verwandelte sich für einen Vormittag wieder in eine Gebrauchtkleiderboutique. Peter Strauss

Nach diesem einfachen Muster

So wie dieses spontane Straßenfest vor vielen Jahren funktioniert auch der Kleidertausch. “Da gibt es keinerlei Bürokratie, keine Registrierung – weil manche doch eine gewisse Scheu haben, zum Kleidertausch zu kommen, läuft alles auch völlig anonym ab”, erläutert Gaudl. “Die Leute bringen am Freitag Kleidung in die Tiefgarage des Hotels Schwärzler. Dort wird sortiert und auf Kleiderständern und auf Tischen zum Tausch vorbereitet. Wer einen Sack Kleider abgeliefert hat, bekommt einen Gutschein und darf am nächsten Tag wieder einen Sack voll mitnehmen, und auch wer keine Kleider ablieferte, darf für eine kleine Gebühr (fünf Euro) einen Sack voll mitnehmen.”

Nach Herzenslust stöbern und suchen - bei dieser Riesenauswahl war für jede und jeden Passendes dabei.
Nach Herzenslust stöbern und suchen – bei dieser Riesenauswahl war für jede und jeden Passendes dabei. Peter Strauss

Riesenansturm am frühen Morgen

“Um 8 Uhr haben wir geöffnet – schon lange zuvor bildete sich vor dem Garagentor eine lange Warteschlange, denn Stammkunden wissen: ‚Zu Beginn ist die Auswahl am größten.‘” Aber auch später fanden Besucher noch ausreichend Kleidungsstücke – eine der letzten Kundinnen war Elisabeth: “Ich musste in der Früh noch arbeiten, aber zum Glück habe ich auch jetzt noch viele passende Kleidungsstücke gefunden”, freute sich die Mutter von zwei Töchtern – elf und zwölf Jahre alt – und vom kleinen Timo. “In diesem Alter brauchen die drei ständig größere Kleidung, da ist dieser Kleidertausch eine großartige Möglichkeit, viel Geld zu sparen”, meinte sie voll Freude, während Timo seinen Kinderwagen, in dem sich der Kleidersack befand, zum Ausgang schob.

Nach der Schnäppchenjagd noch schnell Kaffee und Kuchen - und manche fanden beim Smalltalk gleich auch noch neue Bekannte.
Nach der Schnäppchenjagd noch schnell Kaffee und Kuchen – und manche fanden beim Smalltalk gleich auch noch neue Bekannte. Peter Strauss

Nichts geht verloren

In der Tiefgarage war indes das große Aufräumen angesagt, denn vom Kleidertausch bleibt nichts übrig: “Eine ähnliche Initiative übernimmt übrig gebliebene Kleidung für ihren Kinderflohmarkt, den Rest stellen wir einer Initiative zur Verfügung, die ein Kleiderprojekt in Rumänien initiiert hat”, so Susanne Gaudl. STP

Brigitte Wendl (r.) ist Stadtvertreterin und Weidacher Stadtteil-Vertreterin:
Brigitte Wendl (r.) ist Stadtvertreterin und Weidacher Stadtteilvertreterin: “Die Stadt ist dankbar für derartige Aktivitäten im Stadtteil Weidach und unterstützt den Verein nach Kräften.” Peter Strauss
Dir. Sebastian Steurer:
Dir. Sebastian Steurer: “Das Hotel Schwärzler ist eine der wenigen Infrastruktureinrichtungen im Weidach. Da ist es für uns selbstverständlich, dass wir den Verein bei dieser Aktion unterstützen.” Peter Strauss
Das Kleidertausch-Team war nach einem stressigen Vormittag
Das Kleidertausch-Team war nach einem stressigen Vormittag “geschafft”, aber glücklich: “Es war ein überaus erfolgreicher Kleidertausch!”   Peter Strauss
Selbstgebackene Kuchen und Croissants luden die Besucher zum länger Bleiben und zu guten Gesprächen bei einem gemütlichen Hock ein.   
Selbst gebackene Kuchen und Croissants luden die Besucher zum längeren Bleiben und zu guten Gesprächen bei einem gemütlichen Hock ein. Peter Strauss
Kleines Dankeschön für eine große Hilfe: Susanne Gaudl bedankte sich bei Dir. Steurer mit einer Flasche Sekt.
Kleines Dankeschön für eine große Hilfe: Susanne Gaudl bedankte sich bei Dir. Steurer mit einer Flasche Sekt. Peter Strauss
„Zum Wohl und auf einen gelungenen Kleidertausch!“ – Susanne Gaudl, Dir. Sebastian Steurer, Jakob Kaufmann und Dunja Boss (v. l.). Das
“Zum Wohl und auf einen gelungenen Kleidertausch!” – Susanne Gaudl, Dir. Sebastian Steurer, Jakob Kaufmann und Dunja Boss (v. l.). Das “flüssige Dankeschön” wurde zur Feier des Tages umgehend an Ort und Stelle verkostet.
Lange blieb es Dir. Steurer nicht vergönnt, auf den erfolgreichen Kleidertausch anzustoßen - inzwischen war nämlich der LASK-Mannschaftsbus vorgefahren und der Chef wollte beim Einchecken der Fußballer, die sich im Hotel auf das Spiel gegen die Lustenauer Austria vorbereiteten, dabei sein.
Lange blieb es Dir. Steurer nicht vergönnt, auf den erfolgreichen Kleidertausch anzustoßen – inzwischen war nämlich der LASK-Mannschaftsbus vorgefahren und der Chef wollte beim Einchecken der Fußballer, die sich im Hotel auf das Spiel gegen die Lustenauer Austria vorbereiteten, dabei sein. Peter Strauss
 Elisabeth und ihr kleiner Timo waren bei den letzten Besuchern - und wie seit Jahren dankbar für dieses Angebot:
Elisabeth und ihr kleiner Timo waren unter den letzten Besuchern – und wie seit Jahren dankbar für dieses Angebot: “Es ist schon eine große finanzielle Erleichterung, wenn man für Timo und meine beiden Töchter so günstig Kleidung bekommen kann.” Peter Strauss
Susanne Gaudl und Jakob Kaufmann:
Susanne Gaudl und Jakob Kaufmann: “Wir sind keine Ramsch-Entsorgung, unser Kleiderangebot ist von sehr guter Qualität – Kinderkleidung von Kids, die einfach ‚herausgewachsen sind‘, und Kleidung von Leuten, die wieder einmal etwas anderes möchten.” Peter Strauss
Nachhaltigkeit wird beim Weidacheer Kleidertausch groß geschrieben:
Nachhaltigkeit wird beim Weidacher Kleidertausch großgeschrieben: “Es landet nichts im Müll, übrig gebliebene Kindersachen geben wir für einen Kinderflohmarkt weiter, den Rest an eine Hilfsorganisation, die in Rumänien aktiv ist”, betont Susanne Gaudl. Peter Strauss
 Sehr zur Freude von Susanne Gauld und ihrem Team
Sehr zur Freude von Susanne Gauld und ihrem Team “werden Jahr für Jahr mehr Kleidungsstücke angeliefert – und Jahr für Jahr bleiben weniger übrig”. Aufräumen und Vorbereiten zur Lieferung nach Rumänien … Peter Strauss
Der
Der “letzte Akt”: Hunderte Kleiderbügel werden in große Kartons gepackt – dort bleiben sie bis zum Kleidertausch im nächsten Jahr. Peter Strauss