Kleidertausch als Weidacher Dorffestival

Hunderte Kleidungsstücke fanden neue Besitzer – im Fokus stand die Pflege der Dorfgemeinschaft.
Bezau “Es war ein Riesenerfolg – es wird von Jahr zu Jahr mehr und im Weidach weiß man unsere Kleidertausch-Aktion sehr zu schätzen. Und diese bietet auch Gelegenheit zum Kennenlernen”, freute sich “Kleidertausch-Chefin” Susanne Gaudl, als sie nach zwei turbulenten Stunden in der Tiefgarage des Hotels Schwärzler endlich ein wenig durchschnaufen konnte.
Highlight der Vereinsgeschichte

2014 gründeten engagierte Bürgerinnen und Bürger den Verein d’Weidacher – heute arbeiten rund 300 Ehrenamtliche in dieser Vereinigung mit und bemühen sich, “die hohe Lebensqualität im Stadtteil Weidach für die Wohnbevölkerung noch weiter auszubauen”, wie Obfrau Christine Oberforcher betont und im Gespräch mit der VN-Heimat ergänzt: “Vieles organisieren wir im eigenen Wirkungskreis – eine der Aktivitäten ist seit zehn Jahren dieser Kleidertausch, der diesmal besonders erfolgreich war – ein Highlight der Vereinsgeschichte.”
Erste Ansätze vor vielen Jahren
Das Weidach hat in Sachen Dorfentwicklung ein Riesenproblem: Rund 4500 Einwohner, aber kaum Infrastruktur. Und weil der Stadtteil überdurchschnittlich stark wächst, gibt es kaum Gelegenheiten, “Neue” kennenzulernen und zu integrieren. Vereinsaktivist Jakob Kaufmann, dessen Familie vor Jahrzehnten zugezogen ist, erinnert sich: “Ständig gab es neue Nachbarn, man kannte nur die wenigsten – da habe ich die Initiative ergriffen und zu einem Straßenfest eingeladen, die Straße gesperrt, Tische und Bänke aufgestellt und Einladungen verteilt. Mit dem Hinweis ‚Getränke, Würste und Steaks mitbringen, der Grill wird gestellt‘ haben wir ein Fest organisiert – rund 40 Gäste sind gekommen und haben Gemeinschaft gelebt und sich kennengelernt.”

Nach diesem einfachen Muster
So wie dieses spontane Straßenfest vor vielen Jahren funktioniert auch der Kleidertausch. “Da gibt es keinerlei Bürokratie, keine Registrierung – weil manche doch eine gewisse Scheu haben, zum Kleidertausch zu kommen, läuft alles auch völlig anonym ab”, erläutert Gaudl. “Die Leute bringen am Freitag Kleidung in die Tiefgarage des Hotels Schwärzler. Dort wird sortiert und auf Kleiderständern und auf Tischen zum Tausch vorbereitet. Wer einen Sack Kleider abgeliefert hat, bekommt einen Gutschein und darf am nächsten Tag wieder einen Sack voll mitnehmen, und auch wer keine Kleider ablieferte, darf für eine kleine Gebühr (fünf Euro) einen Sack voll mitnehmen.”

Riesenansturm am frühen Morgen
“Um 8 Uhr haben wir geöffnet – schon lange zuvor bildete sich vor dem Garagentor eine lange Warteschlange, denn Stammkunden wissen: ‚Zu Beginn ist die Auswahl am größten.‘” Aber auch später fanden Besucher noch ausreichend Kleidungsstücke – eine der letzten Kundinnen war Elisabeth: “Ich musste in der Früh noch arbeiten, aber zum Glück habe ich auch jetzt noch viele passende Kleidungsstücke gefunden”, freute sich die Mutter von zwei Töchtern – elf und zwölf Jahre alt – und vom kleinen Timo. “In diesem Alter brauchen die drei ständig größere Kleidung, da ist dieser Kleidertausch eine großartige Möglichkeit, viel Geld zu sparen”, meinte sie voll Freude, während Timo seinen Kinderwagen, in dem sich der Kleidersack befand, zum Ausgang schob.

Nichts geht verloren
In der Tiefgarage war indes das große Aufräumen angesagt, denn vom Kleidertausch bleibt nichts übrig: “Eine ähnliche Initiative übernimmt übrig gebliebene Kleidung für ihren Kinderflohmarkt, den Rest stellen wir einer Initiative zur Verfügung, die ein Kleiderprojekt in Rumänien initiiert hat”, so Susanne Gaudl. STP











