Gemeinsam etwas bewegen

Jugendliche erlebten beim Klassensprechertreffen in Dornbirn Demokratie.
Dornbirn. “Wie funktioniert Demokratie im Alltag? Was bedeutet es, Verantwortung zu übernehmen, und wie können junge Menschen ihre Umgebung mitgestalten?” Mit diesen Fragen beschäftigten sich 113 Jugendliche beim 34. Klassensprechertreffen kürzlich im Dornbirner Kulturhaus. Unter dem Motto “Zuhören, mitreden, mitgestalten” ging es um Möglichkeiten, sich in Schule und Stadt einzubringen. Dornbirn setzt seit 30 Jahren auf Jugendbeteiligung und nimmt damit eine Vorreiterrolle im deutschsprachigen Raum ein.

Bürgermeister Markus Fäßler betonte, Demokratie beginne dort, wo Menschen Verantwortung übernehmen, ihre Meinung einbringen und gemeinsam Lösungen suchen. “Die Stadt möchte Jugendlichen Möglichkeiten geben, Dornbirn mitzugestalten”, erklärte er.
Im Workshop “#Was geht mich das an?!” beschäftigte sich Franziska Völlner vom Jüdischen Museum Hohenems mit demokratischen Prozessen. Demokratie beginne nicht erst im Parlament, sondern auch im Klassenzimmer, im Freundeskreis und in alltäglichen Begegnungen.

Demokratie beginnt im Kleinen
Ein weiterer Schwerpunkt waren die Rechte und Pflichten von Klassensprechern. Die Jugendlichen überlegten, wie sie Anliegen ihrer Mitschüler aufnehmen und unterschiedliche Interessen fair vertreten können. Schon im schulischen Alltag könnten sie Verantwortung übernehmen, Kompromisse finden und das Zusammenleben beeinflussen.

Ein Workshop widmete sich den politischen Entscheidungsebenen von Stadt, Land und Bund bis zur Europäischen Union. Die Teilnehmer erfuhren, wer für welche Aufgaben zuständig ist und wie politische Entscheidungen ihren Alltag prägen. Freizeitangebote, öffentliche Verkehrsmittel und Bildung machten deutlich, wie nahe Politik am eigenen Leben ist.
Auch der Jugendmarktplatz war Teil des Programms. Bei zehn Jugendorganisationen konnten sich die Jugendlichen über Projekte, Angebote und Beteiligungsmöglichkeiten informieren.

Wenn Jugendliche für andere Verantwortung tragen
Besondere Aufmerksamkeit galt dem Projekt “Young Carers”, das Julia Hametner aus Wien vorstellte. Es richtet sich an Jugendliche unter 18 Jahren, die kranke oder beeinträchtigte Angehörige pflegen oder im Alltag unterstützen. In Österreich betrifft das rund 42.700 junge Menschen. “Sie helfen im Haushalt, begleiten Angehörige zu Terminen und müssen diese Aufgaben mit Schule, Freizeit und eigenen Bedürfnissen vereinbaren”, erzählte sie. Das Projekt machte auf ihre oft wenig sichtbare Verantwortung aufmerksam. “Wer andere unterstützt, braucht selbst Verständnis und Hilfe. Auch darin zeigt sich gelebte Demokratie: hinsehen, niemanden übersehen und dafür sorgen, dass alle gehört werden”, so Hametner.

Jugendkoordinator Elmar Luger, der das Projekt vor 30 Jahren mit Engagierten ins Leben rief, erinnerte daran, dass Demokratie täglich gelebt und gestaltet werden müsse. Christian Weiskopf, Obmann des Vereins jugendornbirn, unterstrich die Bedeutung der Beteiligungsarbeit: “Die Veranstaltung verbindet politische Bildung mit praktischen Erfahrungen und zeigt, dass Mitbestimmung eine Chance ist, das eigene Umfeld zu verändern.” CTH


