Mit dem Glauben Brücken bauen

VN / 26.10.2026 • 12:15 Uhr
Der serbisch-orthodoxe Priester Aleksandar Savić ist Seelsorger und bald auch Vater.
Der serbisch-orthodoxe Priester Aleksandar Savić ist Seelsorger und bald auch Vater. HRJ

Aleksandar Savić hat in Vorarlberg eine neue Aufgabe und eine neue Heimat gefunden.

Feldkirch Kalt war es, als Aleksandar Savić Ende Dezember 2025 in Vorarlberg ankam. Doch die Menschen, die ihn willkommen hießen, begegneten ihm mit Herzlichkeit und Wärme. Für den serbisch-orthodoxen Priester begann in Feldkirch ein neues Kapitel – als Seelsorger und bald auch als Vater.

Groß gewachsen, sanft, charismatisch: Aleksandar Savić empfängt im schwarzen Talar in der serbisch-orthodoxen Pfarrei am Schlossgraben in Feldkirch. Er erzählt nun, wie ihn sein Lebensweg in den Westen Österreichs geführt hat. Ruhig spricht er und besonnen.

Seit Jänner leitet Aleksandar Savić die seit 50 Jahren bestehende Serbisch-Orthodoxe Pfarrgemeinde „Geburt der Allerseligsten Gottesmutter“ in Feldkirch.
Seit Jänner leitet Aleksandar Savić die seit 50 Jahren bestehende Serbisch-Orthodoxe Pfarrgemeinde “Geburt der Allerseligsten Gottesmutter” in Feldkirch. HRJ

Häufige Ortswechsel

Als Aleksandar am 4. Dezember 1990 im Osten Bosnien-Herzegowinas zur Welt kam, hatte der Zerfall Jugoslawiens bereits begonnen. Ein halbes Jahr später brach der Krieg aus. Kindheit und Jugend waren von häufigen Ortswechseln geprägt. Die ersten Lebensjahre verbrachte er im Dorf Donji Žabar. Nachdem sein Vater 1992 im Bosnienkrieg an der Front ums Leben kam, zog seine Mutter in die nahe gelegene Stadt Brčko. “Mich brachte sie zu ihrer Schwester nach Ivanjica in Serbien”, erinnert er sich. Drei Jahre blieb er dort.

“Jeder Mensch, egal welcher Religion und Nationalität, ist willkommen in unserer Gemeinschaft.”

Aleksandar Savić, serbisch-orthodoxer Priester

1995, gegen Ende des Krieges, flohen Mutter und Sohn nach Kanada. Mit 14 Jahren ging es zurück nach Brčko, um seine Serbischkenntnisse zu festigen. Schon ein Jahr später der nächste Ortswechsel: Seine Mutter zog nach Wien, er nach Kroatien. Im serbisch-orthodoxen Kloster Krka absolvierte Aleksandar das vierjährige Priesterseminar. Anschließend studierte er an der Orthodoxen Theologischen Fakultät der Universität Belgrad.

Der Priester möchte in seiner Pfarrei einen Ort schaffen, an dem sich alle willkommen fühlen.
Der Priester möchte in seiner Pfarrei einen Ort schaffen, an dem sich alle willkommen fühlen. HRJ

“Das erste Feuer, ein Diener Gottes zu werden, entbrannte in mir in Kanada”, erzählt er. Später, in Bosnien, lernte er seinen Onkel kennen, der dort als Diakon tätig war. “In Gesprächen mit ihm fand ich heraus, dass ich Priester werden will.”

Immer wieder besuchte Aleksandar seine Mutter in Wien. Dort traf er Kristina, seine spätere Ehefrau. Das Paar heiratete 2021. Und er entschied sich, in Wien zu bleiben. Gearbeitet hat er in der serbisch-orthodoxen Diözese für Österreich und die Schweiz, im Bischofsbüro.

Der neue Vorstand

Im Dezember 2025 wurde Aleksandar zum Priester geweiht und nach Vorarlberg entsandt. Er sollte Nikola Palović nachfolgen, der die serbisch-orthodoxe Pfarrei in Feldkirch zwölf Jahre lang geleitet hatte. Seit Jänner ist Aleksandar deren Vorstand.

In Feldkirch angekommen ist er am 28. Dezember 2025. Allein. Seine Frau blieb zunächst in Wien. “Es war kalt an dem Tag. Überall. Auch in der Kirche. Aber ich fühlte die Wärme der Menschen, die in die Kirche kamen.” Von Anfang an habe er sich willkommen gefühlt. “Von allen. Obwohl ich noch nicht gut Deutsch sprach, verstand man mich.”

Ein Moment der Besinnung: Aleksandar Savić vertieft sich in die Heilige Schrift.
Ein Moment der Besinnung: Aleksandar Savić vertieft sich in die Heilige Schrift. HRJ

Dem Geistlichen sind besonders Freundlichkeit und Gemeinschaft wichtig: “Ich gehe jedem mit offenen Armen entgegen. Jeder Mensch, egal welcher Religion und Nationalität, ist willkommen in unserer Gemeinschaft und natürlich auch in unserer Kirche.”

Zunächst stellte ihn allerdings die Wohnungssuche vor eine Herausforderung. In den ersten Wochen kam er bei Freunden unter, Mitte Jänner bezog er schließlich eine Wohnung in Frastanz. Inzwischen ist auch Kristina nach Vorarlberg gezogen. Und die Familie wird bald wachsen: “Im Dezember werde ich Vater”, sagt Aleksandar stolz. Ein Bub wird’s.

Sein großer Wunsch

Ein eigenes Gotteshaus in Vorarlberg ist sein großer Wunsch. Bislang wird die Liturgie in einer katholischen Kirche in Feldkirch gefeiert. “Ich werde alles versuchen, um meiner Gemeinschaft einen Ort zu geben, der uns gehört.”

Heimweh? “Nein. Heimat ist dort, wo meine Frau und bald mein Kind leben. Und das ist jetzt Vorarlberg.”