Indira war am Ende. Doch jetzt steht ihr Lebensmut auf vier Beinen

Nicht nur bei physischen Beeinträchtigungen können Hunde bei Menschen nahezu Wunder wirken.
Meiningen Indira Schweighofer (24) hat in ihrem jungen Leben schon viel hinter sich. Nichts Schönes. Sie erfuhr Gewalt, sie wurde missbraucht, sie versuchte, sich das Leben zu nehmen. Sie hatte das Lächeln verlernt, verlor Würde und Selbstwert sowie das Bewusstsein für Schönes und Leichtes. Immer noch leidet die intelligente junge Frau an posttraumatischen Belastungsstörungen und Panikattacken, hat Krampfanfälle, kämpft mit Essstörungen und gegen ihre Süchte, die ihr in Form von Alkohol und Tabletten begegneten. Von diesen hat sie sich jedoch schon seit einiger Zeit befreit.
Das Lächeln ist zurück
Das Lächeln ist bei Indira zumindest zeitweise wieder da. Der Grund dafür wirbelt auf vier Beinen ungestüm vor ihr hin und wedelt mit dem Schwanz. “Das ist Lilith. Sie ist ein Labradorpoodle und eineinhalb Jahre alt. Sie ist meine Assistenzhündin. Lilith gibt mir Kraft und einen Grund zu leben. Ich bin so froh, dass ich sie habe”, blickt Indira auf ihre temperamentvolle Begleiterin herab. “Lilith muss noch einiges lernen und ihre Prüfung zur anerkannten Assistenzhündin am 9. Dezember ablegen. Aber für mich ist sie schon jetzt der Grund, warum mein Leben viel schöner geworden ist.”

Freude und Tagesstruktur
Lilith gibt ihrem Frauchen nicht nur Freude, sondern auch Tagesstruktur und konkrete Hilfe. “Sie weiß schon jetzt, dass sie den Notfallknopf in meiner Wohnung drücken muss, sollte ich aufgrund eines Anfalls zusammenbrechen. Sie formt einen Block bei Menschenansammlungen, sie ortet die Warnsignale vor einem möglichen Krampfanfall.” Der Alltag des Teams Indira/Lilith muss freilich noch automatisiert werden. Eine Aufgabe, der sich Indira mit Freude stellt. Diese empfindet sie zum Beispiel schon dann, wenn Lilith in einer Wiese ungestüm herumspringt und ihren Bewegungsdrang auf vier Beinen zelebriert. “Das bringt mich zum Lachen.”
Aufgabe kurz vor der Matura
Die gebürtige Harderin arbeitet derzeit im Aqua-Garten der Aqua-Mühle im Bereich Gemüseanbau. Bald schon möchte sie die Fachprüfung für Gemüseanbau machen. Irgendwann will sie auch die Matura nachholen. Der war sie als Schülerin der Maturaklasse im Riedenburg bereits ganz nahe. Doch ihre Süchte und andere tragische Umstände zwangen die ehemalige Vorzugsschülerin zur Aufgabe kurz vor dem großen Ziel.
Allein ist sie in ihrem leidgeprüften Leben derzeit nicht. “Ich habe eine beste Freundin und einen Kollegen. Die sind für mich da, und die nehmen mich auch zu Metal-Konzerten mit. Metal ist meine absolute Lieblingsmusik. Auf solchen Konzerten fühle ich mich auch meistens sehr wohl und sicher.” Auch mit ihrer Mutter hat Indira wieder einen engen Kontakt.

Vision eines neuen Lebens
Die 24-Jährige möchte andere Menschen wissen lassen, “dass eine psychische Erkrankung nichts Gespieltes oder Erfundenes ist. Vielen fehlt dafür das Verständnis.” Sie selber sei durch fatale Umstände und den Umgang mit falschen Leuten in die Krise geraten. “Das geht schnell.”
Die Vision eines Daseins fernab von Süchten, Krampfanfällen, Panikattacken und Essstörungen ist bei Indira Schweighofer jedoch wieder mit Leben erfüllt. Eine Schlüsselrolle dabei könnte Lilith spielen. Diese kennt keine Last der Verantwortung, sondern nur ungebremste Zuneigung für ihre neue zweibeinige Lebenspartnerin.
Eine Kraftquelle mit Potenzial für ein neues Leben ihres leidgeprüften Frauchens.