„Konzept aus der Schublade holen“

Vorarlberg / 16.11.2012 • 21:31 Uhr
Menschen mit Behinderung artikulierten mutig ihre Forderungen. VN/sp
Menschen mit Behinderung artikulierten mutig ihre Forderungen. VN/sp

Behindertenvertreter fordern schnellen Ausbau der persönlichen Assistenz.

Dornbirn. Vier Jahre des Wartens sind genug. Jetzt muss das Konzept zur persönlichen Assistenz für Menschen mit Behinderung aus der Schublade geholt und umgesetzt werden: So lautete die zentrale Forderung bei einer Tagung der Vorarlberger Assistenz Gemeinschaft (VAG) gestern in Dornbirn. Derzeit gibt es diese Form der Unterstützung nur für den Arbeitsplatz, wo sie vom Bundessozialamt finanziert wird. Alle anderen Lebensbereiche sind weiterhin ausgeklammert. „Dabei ist die Nachfrage nach persönlicher Assistenz enorm groß“, so VAG-Koordinatorin Sabrina Nitz. Wer sie in Anspruch nimmt, muss sie aber selbst bezahlen. Landesrat Dr. Christian Bernhard versprach eine baldige Lösung auf „nachhaltiger und praxistauglicher“ Basis.

Geringe Stundensätze

Noch gibt es keinen Rechtsanspruch auf eine persönliche Assistenz außerhalb des Berufs. Dieser muss auf Landesebene erst geschaffen werden. Aber es existiert ein Konzept, das zum einen keine finanzielle Deckelung vorsieht und alle Arten von Behinderung abdeckt. Die VAG bildet zwar bereits Assistenten aus. Doch aufgrund der geringen Stundensätze ist es schwer, Interessenten zu finden bzw. zu halten. Ein Ausbau der persönlichen Assistenz sei nötig, um die uneingeschränkte Teilhabe von Menschen mit Behinderung am gesellschaftlichen Leben tatsächlich umsetzen zu können. Heidi, eine junge Frau mit Lernschwierigkeiten, fasste das, was es braucht, kurz und bündig zusammen: „Mit persönlichem Geld und Unterstützung hätten wir ein selbstbestimmtes Leben.“

Eigene Budgets

Dass es eigene Budgets braucht, das räumte auch Mag. Elisabeth Tschann, Leiterin der Abteilung für Gesellschaft und Soziales im Landhaus, ein. Um dieses Thema dürfte es dann wohl auch in erster Linie gehen. Denn Geld, das direkt an Betroffene ausbezahlt wird, fehlt in den Behinderteneinrichtungen. Man habe in den letzten Jahren auf andere Strukturen gesetzt, sagte Christian Bernhard. Das sei nicht schlecht gewesen, nun müsse jedoch auch da ein Umdenken stattfinden. Er strebt eine Regelung in „Abstimmung mit den anderen Bundesländern“ an. Gleichzeitig betonte er: „Wir bekennen uns zu solchen Maßnahmen.“

Reinhard Zischg von der VAG appellierte an die Solidarität zwischen den Behindertengruppen. „Wir müssen gemeinsam für das Thema kämpfen“, betonte er.

Dabei ist die Nachfrage nach persönlicher Assistenz enorm groß.

Sabrina Nitz, VAG-Koordinatorin

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