Gott und Welt hinterfragt

Vorarlberg / 20.12.2012 • 20:54 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Denkraum bietet Ruschmanns „Bodensee-Kolleg“ am Bregenzer Kornmarktplatz. Foto: VN/Matt
Denkraum bietet Ruschmanns „Bodensee-Kolleg“ am Bregenzer Kornmarktplatz. Foto: VN/Matt

Eckart Ruschmann legt die Gedanken von Vorarlberger Laienphilosophen in Buchform vor.

Bregenz. Seit sechs Jahren bietet der Philosoph Eckart Ruschmann in Bregenz seine Dienste an. Er überdenkt mit Laien gemeinsam ihre Weltbilder, ihr Gottesbild. Erörtert Fragen nach dem Woher und Wohin. Als Rahmen dient ihm eine berückend schöne Bibliothek im Herzen von Bregenz: das Bodensee-Kolleg. Jetzt hat Ruschmann die Früchte zahlreicher Gespräche als Buch herausgegeben. 19 „Laienphilosophen“ kommen darin zu Wort, darunter sieben aus Vorarlberg. Hausfrau und Pensionist, Bildhauerin und Elektrotechniker – alle geben sie ihre Weltanschauungen und Gottesbilder preis.

Auch im Osten zuhause

Vielleicht liegt es daran, dass er so gut zuhören kann. Und bei Bedarf aus dem Vollen schöpft: Nimmt hier ein paar Zeilen des völlig zu Unrecht so selten erwogenen antiken Philosophen Plotin zur Hand, greift dort Gedanken des indischen Mystikers Sri Aurobindo auf. Kein Wunder: Ruschmann hat Psychologie, Indologie und Philosophie studiert. Er unterrichtet lange schon, heute tut er das in Innsbruck, Rorschach und Bregenz gleichermaßen.

Seine Seminare sind klein. „Am liebsten acht bis zwölf Personen.“ Man igelt sich dem Theater am Kornmarkt vis a vis übers Wochenende ein. Und denkt, liest und spricht. „Niemand muss eine Voraussetzung mitbringen.“ Ruschmann verlangt kein einschlägiges Studium. Zu gut weiß er, dass jeder Mensch philosophiert. Jeder auf seine Weise. Und viele nehmen eine „Welt hinter der Welt“ wahr. Deshalb bekannte der 69-jährige pensionierte Elektro-Ingenieur in einem der Seminare auch, dass er „immer wieder kurze Selbst-Transzendierungen in der Musik und Natur“ erlebt. Ein Geruch, eine Harmonie, ein Bild lassen „Bewunderung, Freude und Dankbarkeit“ in ihm keimen.

Gott einfach abgeschafft

Andere legen weite Wege zurück. Maria-Carolina, Ende 50, verheiratet, zweifache Mutter, hat Gott in ihrem Leben praktisch „abgeschafft“. Vor 30 Jahren kam ihr zweites Kind mehrfach schwerstbehindert zur Welt. „Ich habe zu Gott gesagt: Also, wenn es dich bis jetzt gegeben hat, so gibt es dich einfach jetzt nicht mehr.“ Gedanken gingen ihr durch den Kopf: „Ich habe nichts Unrechtes getan. Warum ich?“ Sie rang, mit sich, mit ihrem Bild von Gott. Bis heute pflegt sie ihren Sohn. Das kostet sie viel Kraft. Aber sie hat auch erfahren, „dass Leid viel Energie gibt“. Sie hat ihr Bild von Gott revidiert. Heute ist er ihr derjenige, „aus dem ich nicht hinausfallen kann“.

Eckart Ruschmanns 240 Seiten starkes Buch steckt voller persönlicher Bekenntnisse. Es gibt in kurzen Exkursen inhaltlich Anleitung, die eigenen Welt- und Gottesbilder zu hinterfragen. Der Philosoph mit Bregenzer Praxis ist überzeugt: „Der Mensch der Zukunft wird ein Laienphilosoph sein, oder er wird nicht mehr sein.“

Der Mensch der Zukunft wird ein Laienphilosoph sein, oder er wird nicht mehr sein.

Eckart Ruschmann
Sieben Vorarlberger Laienphilosophen kommen hier zu Wort.
Sieben Vorarlberger Laienphilosophen kommen hier zu Wort.

“Weltanschauungen und Gottesbilder“ von Eckart Ruschmann ist bei tao.de erschienen
und kostet 19,99 Euro.