Die Medizin wird weiblich

Dabei ist die Vereinbarkeit von Familie und Arztberuf ein zentrales Thema.
Bregenz. „Das haben wir gut gemacht“, raunt ihr ein Pfleger im Vorbeigehen zu. Yildiz Yildiz lächelt zustimmend. Zwei schwere Eingriffe, eine Darm- und eine Gallen-Operation, sind erfolgreich verlaufen. Aber während der Assistent schon in Alltagskleidung steckt, sitzt die türkischstämmige Internistin nach wie vor im OP-Kittel da. Denn der Tag geht für Dr. Yildiz weiter. Auf der Station warten noch Medizinstudenten, für deren Ausbildung sie im Landeskrankenhaus Bregenz verantwortlich zeichnet. Die 42-Jährige ist nur ein Beispiel dafür, dass die Medizin zunehmend weiblich wird.
Von Bonn nach Bregenz
Derzeit beschäftigen die Landesspitäler mehr als 600 Ärzte. Mehr als ein Drittel davon sind bereits Frauen. 68 haben es auch schon in Führungspositionen geschafft. Yildiz Yildiz ist Oberärztin. Eine von 48. Seit September 2012 arbeitet sie im LKH Bregenz. Davor war Yildiz in der weit größeren Universitätsklinik in Bonn beschäftigt. Dass sie das von einem Headhunter unterbreitete Jobangebot quasi in die Provinz verschlug, stört die zweifache Mutter nicht. „Ich fühle mich sehr wohl hier“, sagt die sympathische Medizinerin. Sie mag die Menschen und die Landschaft. Sogar Skifahren hat sie während der Weihnachtsferien gelernt. Außerdem gestaltet sich das Familienleben jetzt ein bisschen einfacher, zumal ihr Mann im süddeutschen Raum arbeitet.
International ausgezeichnet
Einen Wermutstropfen beinhaltete der Schritt von Bonn nach Bregenz dennoch. Yildiz Yildiz musste das von ihr an der Uniklinik aufgebaute Labor und damit die in Aussicht gestandenen Forschungsmillionen zurücklassen. „Das schmerzte“, räumt sie unumwunden ein, zählt die Forschung doch zu ihrem Steckenpferd, für das sie zahlreiche internationale Preise und Anerkennungen einheimste. Selbstständiges Arbeiten war und ist Yildiz wichtig. Das könne sie im LKH Bregenz. Auch das Gehaltsangebot habe gestimmt.
Interne statt Chirurgie
Das Einkommen, meint sie, ist ein Grund, warum sich immer mehr Frauen in der Medizin finden. Yildiz: „Viele Männer gehen eben lieber in Berufe, wo sie mehr verdienen.“ Allerdings ist auch die Medizin noch längst nicht so durchlässig wie es oft erscheint. „Es gibt nach wie vor typische Männerdomänen“, weiß die Oberärztin. Chirurgie und Radiologie zum Beispiel. Sie selbst wollte eigentlich auch Chirurgin werden. Aber zu der Zeit sei das als Frau kaum möglich gewesen. Also blieb sie Internistin mit dem Spezialgebiet Endoskopie. „Da kann ich auch handwerklich arbeiten.“
Obwohl sie ihren Job mag, empfindet sie die Dienste zuweilen als belastend. Es sei auch kein familienfreundlicher Beruf. Yildiz, die immer Vollzeit beschäftigt war, behalf und behilft sich mit einem Au-pair-Mädchen für ihre 16-jährige Tochter und den 7-jährigen Sohn. „Sonst wäre es kaum machbar.“ Handlungsbedarf sieht sie deshalb in erster Linie bei Kinderbetreuung und Arbeitszeiten. Einiges habe sich bereits zum Positiven gewendet. So gibt es im LKH Bregenz an den Wochenenden statt eines 24-Stunden-Dienstes „nur“ noch einen 12-Stunden-Dienst.
Viele Teilzeitstellen
Eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf steht auch für den Direktor der Krankenhausbetriebsgesellschaft (KHBG), Dr. Gerald Fleisch, außer Frage. Er verweist auf den Ausbau der Kinderbetreuungsplätze im LKH Feldkirch und darauf, dass es solche Angebote an allen Krankenhausstandorten gebe. Zudem seien die Betreuungszeiten den Dienstzeiten angepasst. Ebenso gibt es mehr Teilzeitjobs. „Schon jetzt arbeiten 39 Prozent unserer Bediensteten in Teilzeit“, betont Fleisch. Als weiteres „wichtiges Rekrutierungssignal“ wertet er die im Zuge der heuer wirksam werdenden Gehaltsreform geschaffenen Karrieremodelle sowie die Vorrückungen, die es künftig auch während der Karenzzeit gibt.
Ärzte-Kennzahlen
» 617 Ärzte arbeiten in den Landeskrankenhäusern
» 260 davon sind Frauen
» 68 haben eine Führungsfunktion inne
» 1 Primaria gibt es im LKH Bludenz
» dazu kommen 8 geschäftsführende Oberärztinnen
» 18 bereichsleitende Oberärztinnen und
» 48 Oberärztinnen