Nicht nur die Raben werden mehr

Vorarlberg / 22.03.2013 • 22:03 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Wildschweine als regelmäßige „Gäste“ in menschlichen Siedlungen. Vor einigen Jahren wäre das noch undenkbar gewesen.
Wildschweine als regelmäßige „Gäste“ in menschlichen Siedlungen. Vor einigen Jahren wäre das noch undenkbar gewesen.

Abfall, Landwirtschaft, Tourismus: Wie der Mensch die Tierwelt in Unordnung bringt.

Bregenz. Der VN-Bericht über die merklich gestiegene Raben-Population in Vorarlberg – und speziell im Rheintal – hat zu einigen Reaktionen geführt. Bürger berichten über die Zunahme der Anzahl von Rabenkrähen in ihrem Wohngebiet. Dass der nach
EU-Vogelschutzrichtlinie

geschützte schwarze Vogel zeitweilig gejagt werden darf, wird grundsätzlich auch von Naturschutz-Landesrat Erich Schwärzler (60) befürwortet: „Vorausgesetzt es werden Beweise gesammelt, der BH vorgelegt, und die gibt dann ihre Zustimmung.“

Mehr und weniger

Dabei ist die von vielen als störend empfundene Zunahme von Raben nur eine von mehreren „Fehlentwicklungen“ bei Wildtieren, die es auch bei uns in der Natur gibt. Wildbiologe Hubert Schatz (47) nennt in diesem Zusammenhang den Menschen und seine Eingriffe in die Natur als dafür verantwortlich. „Abfallberge und Komposthaufen sowie Veränderung der Landschaften durch Tourismus oder Landwirtschaft haben dazu geführt, dass sich die einen Tiere merklich vermehren, andere aber zurückgedrängt werden.“ Schatz nennt folgende Beispiele für Wildtiere, die sich neben den Rabenkrähen in den letzten Jahren wieder etabliert haben und zum Teil sogar ein Ärgernis geworden sind:

» Wildschweine: Sie werden durch ein verstärktes Nahrungsangebot angezogen. „Besonders durch den vermehrten Anbau von Mais und Soja“, weiß Schatz. Dazu kommt ein durch die Klimaerwärmung erweitertes Angebot in höheren Lagen. „Konkret sind das gewisse Pflanzen, wie etwa Krokusse.“

» Steinmarder: Für den sind Komposthaufen und Mülleimer das sprichwörtlich gefundene Fressen. Unterschlupf finden die Tiere in Hütten und Dachböden.

» Füchse: Sie machten sich zum Beispiel die gestiegenen Abfallmengen auf Berg- und Skihütten zunutze. „Füchse stolzieren mittlerweile nicht nur durch Dörfer, man kann ihre Spuren oft auch entlang von Lifttrassen entdecken. Dort suchen sie nach Essbarem – was die Menschen herunterfallen lassen haben“, berichtet Wildbiologe Schatz von selber gemachten Erfahrungen.

Bedrohter Feldhase

Wo es populationsmäßig Gewinner gibt, sind allerdings auch die Verlierer nicht weit. Zu denen zählt Schatz etwa den Feldhasen, dem durch die intensivierte Landwirtschaft in Riedgebieten viel an Lebensraum genommen wurde. Wie bereits berichtet, geht auch die Population an Botenbrütern zurück. Dazu zählt nicht nur der Kiebitz, der durch die Raben bedroht wird, auch der Große Brachvogel und mehrere Singvogelarten wie Meisen, Neuntöter, Braunkehlchen und Gartenrotschwänze werden weniger. „Auch durch Eingriffe ins Landschaftsbild sind – wie durch die Landwirtschaft – zahlreiche Kleinstrukturflächen als Brut- und Aufenthaltsorte bestimmter Tiere verschwunden“, erklärt Hubert Schatz die Veränderungen in der heimischen Wildtier-Welt.

Ich habe schon öfters Fuchsspuren entlang von Lifttrassen entdeckt.

Hubert Schatz, wildbiologe