Vision vom freien Seeufer punktet

Vorarlberg / 22.04.2013 • 19:50 Uhr
Die Bregenzer Bucht: Wer sich die Bahn wegdenkt, landet in einem gewaltigen Gestaltungsspielraum. Foto: VN/Riedmann
Die Bregenzer Bucht: Wer sich die Bahn wegdenkt, landet in einem gewaltigen Gestaltungsspielraum. Foto: VN/Riedmann

Genossenschaft für ein bahnfreies Seeufer findet immer mehr Anhänger.

Bregenz. Die Diskussion über ein von der Bahn befreites Bregenzer Bodenseeufer, die der Banker Pius Schlachter mit Gleichgesinnten angestoßen hat, zieht Kreise. Der Genossenschaft „mehramsee eGen“ sind inzwischen 101 Menschen beigetreten. „Zusammen haben sie 613 Anteile gezeichnet“, sagt Pius Schlachter.

Die Genossenschaft hat sich zum Ziel gesetzt, die Lebensqualität ihrer Mitglieder zu steigern. Vor allem dadurch, dass die Bahn – künftig zweigleisig – unter die Erde verlegt wird. Inklusive der Bahnhöfe in Lochau, Bregenz-Hafen, Stadtbahnhof und Riedenburg.

Dass dieses Vorhaben nachgerade unanständig viel Geld kostet, ist den Initiatoren wie Christof Skala, Iris Hercher, Peter Girardi oder Robert Sturn und Frank Mätzler durchaus klar. Aber sie alle wollen sich das Denken nicht verbieten lassen.

Die übergeordneten Ziele wird kaum einer bestreiten: Da ist zum einen der stark gestiegene motorisierte Individual- und Güterverkehr auf der Straße, der förmlich nach einem Ausbau der Bahnstrecke schreit. Zum anderen drückt schon der Name der Genossenschaft das „Mehr am See“ aus: Hat nicht jeder schon einmal mit dem Gedanken gespielt, die Trennlinie zwischen Bahn und Bodenseeufer einer fantasievollen, verbindenden Gestaltung zu opfern? Eben.

Auf Lebensqualität setzen

Diesem Gedanken kann auch der Geschäftsführer der Bregenz Tourismus & Stadtmarketing GmbH, Christoph Thoma, viel abgewinnen. „Alle Initiativen, die dem Wohl der Stadt dienen, sind zu begrüßen.“ Thoma, der seit vier Monaten im Amt ist, will überhaupt „noch viel mehr auf die Marke Bodensee setzen“. Der einzige Hafen auf österreichischer Seite, der auch dicken Pötten Platz bietet, die „einmalig schöne Bregenzer Bucht“ – all das spielt den Touristikern in der Landeshauptstadt in die Hände. Dabei hat Thoma als Ziel „keinen Massenbetrieb a la Gardasee“ vor Augen: „Wir wollen uns mit Lebensqualität positionieren.“

Thoma, der lange Jahre in Wien und Graz tätig war, findet in der Vorarlberger Landeshauptstadt noch ordentlich viel Potenzial vor. Die Initiative der am 5. April 2013 gegründeten Genossenschaft kann in Thomas Augen einen Diskurs anstoßen. Das fände er gut. Und um nichts anderes geht es Pius Schlachter.

Der hat von aufmunternden E-Mails bis hin zu konkreten Planungsvorschlägen eine Menge Resonanz erhalten. „Wir werden uns jetzt organisieren“, sagt er. Dem Gespräch mit dem Bregenzer Stadtmarketingdirektor werden weitere folgen. So hält die junge Genossenschaft das Thema im öffentlichen Bewusstsein.

Wir müssen viel mehr auf die Marke Bodensee setzen.

Christoph Thoma

Genossenschaft

mehramsee eGen

Die Genossenschaft versteht sich als Ideenplattform, die Zielvorgaben erarbeitet und Prozesse initiiert, um einem vordringlichen Anliegen die Umsetzung zu verschaffen: Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel samt beschleunigter Takte in der Region, und im Bereich Bregenz-Lochau die Verlegung der Schienen in den Untergrund. Ein Genossenschaftsanteil kostet 20 Euro. Genossenschafter erklären sich zudem bereit, jährliche Mitgliedsbeiträge zu entrichten (15 Euro für Schüler/Studenten, 50 Euro für Privatpersonen, 200 Euro für Unternehmen).

Mehr Informationen und Aufnahmeantrag für die Genossenschaft unter www.mehramsee.eu