Gut gemeint
Mit seinem Vorschlag, der neue Diözesanbischof soll auf das bisherige Bischofshaus verzichten und es zu einem Flüchtlingsquartier umwidmen, hat es der Pfarrer von Rankweil mit Benno Elbs gut gemeint. Die seit 1940 für die Büro- und Arbeitsräume des Bischofs genutzte und unter Denkmalschutz stehende alte Villa liegt nämlich alles andere als in einer schönen Wohngegend. Sie ist ringsherum umgeben von Straßen und liegt an einer der am stärksten befahrenen Kreuzungen des Landes. Angesichts der Kosten, die mit einer Anmietung neuer Wohn- und Büroräume verbunden wären, wird Bischof Benno aber wohl in den sauren Apfel beißen müssen. Dass die von Papst Franziskus ausgehende neue Bescheidenheit bei unserem Bischof in guten Händen ist, wird man nach aller Erfahrung mit ihm annehmen können.
Mit wenigen Gesten, dazu gehört auch die Namenserinnerung an Franz von Assisi, hat der neue Papst für die katholische Kirche eine kleine Kulturrevolution angestoßen. Er will zurück zu den Wurzeln einer einfachen und den Menschen nahen Lebensweise, wie sie für die frühe Kirche prägend war. Die Probleme entstanden erst im Wettstreit mit Kaisern und Königen um weltliche Macht und deren Attribute. Die Doppelrolle des Papstes als geistliches Oberhaupt der Kirche und Staatsoberhaupt einer Monarchie erinnert noch an diese Zeit. Das letzte Konzil hat auch in dieser Hinsicht eine Erneuerung versucht. Die Kirche sei nicht gegründet, um irdische Herrlichkeit zu suchen, sondern um Demut und Selbstverleugnung auch durch ihr Beispiel auszubreiten, liest man in der Dogmatischen Konstitution über die Kirche und reibt sich nach nahezu fünfzig Jahren die Augen, die viel zu oft anderes gesehen haben.
Einige mutige Konzilsväter haben mit einer nach dem Ort ihrer Beratungen Katakomben-Pakt genannten Vereinbarung noch nachgelegt. Sie nahmen sich unter anderem vor, bei Wohnung, Essen und Verkehrsmittel wie die Menschen um sie herum zu leben. Sie wollten darauf verzichten, auch was ihre Amtskleider angehe, als Reiche zu erscheinen und mit Titeln angesprochen zu werden. Ihre Zuwendung solle den Benachteiligten gelten, jeder Eindruck der Bevorzugung von Reichen und Mächtigen solle vermieden werden. Seinem Alter entsprechend war Papst Franziskus damals naturgemäß nicht bei den Unterzeichnern dieses Paktes, dem Inhalt nach könnte er aber sehr wohl dabei gewesen sein.
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Jürgen Weiss vertrat das Land als Mitglied des Bundesrates zwanzig Jahre
lang in Wien und gehörte von 1991 bis 1994 der Bundesregierung an.
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