Starkregenprognose ließ Alarmglocken schrillen

Vorarlberg / 31.05.2013 • 19:14 Uhr
Bei der Reitanlage an der Furt in Dornbirn wappneten sich Helfer mit Sandsäcken gegen eine mögliche Überschwemmung. Fotos: VN/Steurer
Bei der Reitanlage an der Furt in Dornbirn wappneten sich Helfer mit Sandsäcken gegen eine mögliche Überschwemmung. Fotos: VN/Steurer

Vorarlberg rüstete sich für Starkregen und Hochwasser, so gut es eben ging.

Bregenz. Da wurden Bilder wach, aus 1999 und 2005. Nach endlos langen Regentagen legt die Natur noch Starkregen drauf, und fertig ist der Schlamassel. „Land unter“ in Hard und Bregenz. Bröckelnde Ufer entlang der reißenden Ach. Hänge kommen ins Rutschen.

Freitagmittag sahen sich Vorarlbergs Einsatzkräfte mit unsicheren Prognosen konfrontiert. Je nach Vorhersagemodell erwarteten die Meteorologen fürs Wochenende 100 bis 200 mm Regen pro Quadratmeter. LH Markus Wallner berief einen Krisenstab ins Landhaus ein. Philipp Bachmann (31) übernahm in der Landeswarnzentrale die Einsatzleitung.

Tausende Einsatzkräfte

Als mögliche „Sorgenkinder“ für die kommenden 72 Stunden galten das Rheintal, der Bregenzerwald, der Bodensee­raum und das Einzugsgebiet der Ill. Alle Bürgermeister wurden vom Land schriftlich über die mögliche Unbill unterrichtet. Das Bundesheer sagte 100 Mann zu, die kurzfristig zur Verfügung stünden. Von den 6000 aktiven Feuerwehrleuten Vorarlbergs können jederzeit 3000 bis 3500 binnen 15 Minuten zu einem Einsatz ausrücken.

Günther Watzenegger, Geschäftsführer des Feuerwehrverbands, blieb optimistisch. Pumpen, Schläuche, Sandsäcke – „das Zeug ist alles schon hergerichtet“. Seit den Hochwasserereignissen 1999 und 2005 habe man viel gelernt. „Wir sind flächendeckend gut ausgestattet.“ Auch das Bündelfunksystem sei nach 2005 erneuert worden. Pannen bei den Alarmierungen dürfte es keine geben.

Die Böden gesättigt

All die Vorhersagen und Vorbereitungen standen tagsüber im krassen Gegensatz zu dem mäßigen Regen, der ans Fenster pochte. Aber ein Blick in die Wiesen wie etwa bei der Reitanlage an der Dornbirner Furt zeigten, was die Geologen am meisten fürchten: Der Boden kann kaum noch Wasser aufnehmen.

Und so sahen die Warnungen aus, die das Land am Nachmittag an die Gemeinden verschickte: „Von Freitag bis Sonntagnachmittag sind in Summe sehr ergiebige Regenmengen zu erwarten.“ Den Regenschwerpunkt sagten die Wettermodelle vor allem für die erste Nachthälfte von Freitag auf Samstag und dann nochmals von Samstagmittag bis Sonntagmittag voraus. Gewarnt wurden die Gemeinden vor Regenmengen zwischen 100 und 150 mm „mit den höchsten Werten im Bregenzerwald“. Am wenigsten Niederschlag wurde fürs hintere Montafon mit bis zu 80 mm prognostiziert.

Die Bregenzerach würde, so die Experten, mit einem fünf- bis zehnjährigen Ereignis aufwarten, an der Ill sagten sie „kleinräumige Überflutungen“ voraus. Am Rhein sollten rund 1200 Kubikmeter Wasser pro Sekunde unterhalb von Lustenau die Rheinvorländer überfluten, aber nicht mehr. Der Bodenseepegel lag am Freitag bei 391 cm völlig im Rahmen und sollte im schlimmsten Fall um einen halben Meter oder etwas mehr ansteigen.

Der Joker in allen Überlegungen war die Schneefallgrenze, die am Freitag bei 1400 m lag und am Samstag ansteigen sollte. Arnold Tschofen vom Wetterdienst in Bregenz ging davon aus, „dass 30 Prozent der Niederschläge als Schnee fallen und somit vorerst nicht abfließen“. Das hieße dann weitenteils Entwarnung.

Die Böden quellen allerorten über. Da mag’s nicht mehr viel leiden.
Die Böden quellen allerorten über. Da mag’s nicht mehr viel leiden.
Arnold Tschofen verfolgt die Wetterentwicklung. Das Radar auf der Valluga lieferte freilich keine Bilder – es war ausgefallen. Foto: VN/Paulitsch
Arnold Tschofen verfolgt die Wetterentwicklung. Das Radar auf der Valluga lieferte freilich keine Bilder – es war ausgefallen. Foto: VN/Paulitsch

Vorwarnung. Diese Wetterwarnung ging am Freitag an die Gemeinden.