„Frauen in die oberste Leitung“

Klare Ansage: Unter Bischof Benno Elbs wird sich die Diözese markant verändern.
Schwarzach. Bischof Benno wünscht sich Frauen in der obersten Leitungsetage der Diözese und möchte den Sommer gut nützen, um die Menschen nach ihren Bedürfnissen zu fragen.
Tag 1 nach der Bischofsweihe: Wie klang das Fest noch aus?
Bischof Benno: Für mich ging es um 22 Uhr zu Ende. Mit dem Generalvikar hab ich noch einen Schluck Wein getrunken. Heute war es dann ein sehr intensiver Tag. Im Dom hab ich am Morgen mit den Bischöfen Messe gefeiert. Dann bin ich mit der Tochter von Franz Jägerstätter zu Carl Lampert nach Göfis gefahren. Jägerstätter und Lampert wurden ja vom gleichen NS-Richter verurteilt. Am Nachmittag habe ich schwerkranke Menschen im Spital besucht. Ich glaube, das ist eine der wichtigsten Aufgaben als Bischof: Für die Menschen beten. Gerade denen, die in schwierigen Situationen stecken, den Horizont der Hoffnung bringen.
Welches Geschenk hat Sie am meisten gefreut?
Bischof Benno: Ich hatte noch gar keine Chance, die Geschenke anzuschauen. Aber das Berührendste war, dass jene Frau bei der Weihe dabei war, die als Kind vor den Nazis versteckt worden ist.
Worin liegen die drängendsten Aufgaben des Vorarlberger Bischofs in den nächsten Monaten?
Bischof Benno: Ich nehme mir das zentrale Wort, mit dem der Hl. Benedikt seine Mönchsregel beginnt, zum Motto: „Höre mein Sohn auf die Lehren des Meisters und neige das Ohr Deines Herzens.“ Genau das möchte ich im Sommer machen. Hören und schauen, was wirklich die Themen der Menschen sind. Im Herbst werden wir Tage für Priester und Laien ansetzen, um die Themen zu sammeln. Für mich ist darüber hinaus die Umstrukturierung der Pfarrgemeinden wichtig. Auch hier ist das Hören das Entscheidende. Wichtig ist, dass es geistliche Prozesse sind, keine Managementstrukturprozesse. Ein anderer Punkt: Jeder Bischof besucht alle paar Jahre jede Pfarrgemeinde. Ich möchte mit diesen Besuchen künftig ein Pastoralprojekt verbinden, das die jeweilige Pfarre im Vorfeld entwickelt und an dem ich mitarbeiten darf. Die Kirche muss wieder bewusst überlegen, wie sie das Evangelium den Menschen anbieten kann. Da sind die französischen Bischöfe mein Vorbild. Es geht darum, den Glauben vorzuschlagen, „proposer la foi“. Schließlich beschäftigt mich das Jugendthema. Ich war vor Kurzem selber in einer Berufsschule und habe erlebt, wie offen die Lehrlinge sind. Man muss nur hingehen. Die Religionslehrer, die ja am nächsten bei den jungen Leuten und ihren Themen sind, möchte ich stützen.
Kardinal Schönborn hat mit den Worten von Papst Franziskus vor einem „weichgespülten Christentum“ gewarnt. Wie schauen die schärferen Konturen aus?
Bischof Benno: Für mich werden solche Konturen deutlich in der Mystik des helfenden Herzens. In der Zuwendung zu den Menschen. Lokal und international. Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter ist eigentlich die Verfassung der Kirche. So gewinnt Christentum seine Glaubwürdigkeit, indem es sich radikal der Not der Menschen zuwendet. Heute Morgen hat mich ein älterer Herr angeredet und mir erzählt, er habe nur Mindestsicherung. Er hat nicht gebettelt, er hat es nur erzählt. Kontur heißt, nicht weiterzulaufen und so zu tun, als ob nichts wäre.
Sie haben bekräftigt, dass Sie sich für die einsetzen wollen, die „am Rand stehen“? Was heißt das konkret?
Bischof Benno: Für mich sind die Armen z. B. Menschen, die schwer krank sind. Sie stellen die Fragen nach dem Sinn des Lebens ganz anders. Menschen mit Depressionen, bei denen es dunkel ist im Leben. Kirche muss sich einmischen, wenn es um die Bewahrung der Schöpfung geht. Dort, wo wirtschaftliche Mechanismen die Welt kaputt machen. Es geht um die gerechte Verteilung der Güter. Auch um die Asylsuchenden in unserem Land. Als das Asylwerberheim in Batschuns gebrannt hat, bin ich hingefahren, um den Flüchtlingen zu zeigen: Ihr seid doch willkommen. Als Bischof werde ich lernen müssen, diesen Symbolcharakter meiner Gesten richtig einzuschätzen. Wenn ein Bischof etwa in ein Gefängnis geht, dann will er damit vor allem zeigen, dass Menschenwürde auch dort einen Ort hat.
Sind nach der Ernennung von Generalvikar Rudolf Bischof weitere Personalia zu erwarten? Das Kanzleramt ist derzeit unbesetzt.
Bischof Benno: Heute hat Dr. Gerhard Walser als neuer Leiter der Rechtsabteilung angefangen. Sonst hab ich zum Glück keinen Bedarf. Allerdings ist es mein Wunsch, in der Leitungsebene mehr Frauen einzubinden. Außerdem möchte ich die Rätestruktur der Diözese verändern. Auch das oberste Leitungsgremium möchte ich um Frauen erweitern.
Was wird denn jetzt aus der bischöflichen Villa?
Bischof Benno: Das Büro dort werde ich benützen. Alles andere ist noch offen. Das Haus steht ja unter Denkmalschutz. Vielleicht gelingt es uns, dort eine Begegnungsstätte einzurichten.
Welche Aufgaben übernehmen Sie in der Bischofskonferenz?
Bischof Benno: Die Ressortverteilung erfolgt im Herbst.
Am Freitag stellt Papst Franziskus vier Monate nach seinem Amtsantritt seine erste Enzyklika „Lumen fidei“ (Licht des Glaubens) vor. Was erwarten Sie sich?
Bischof Benno: Es ist das erste Mal in der Geschichte der Kirche, dass zwei Päpste eine Enzyklika verfasst haben. Wenn beide ihre Stärke einbringen – die spirituelle Tiefe Benedikt XVI. und die pastorale Erfahrung von Franziskus – erwarte ich mir sehr viel.