Wie viel Beruf geht tatsächlich mit Kind?

Vorarlberg / 09.07.2013 • 18:17 Uhr
Hotelmanagerin Nicole Reich mit ihren beiden Kindern Celine (13) und David (14). Sie hat Beruf und Familie gekonnt vereinbart. Foto: L. BErchtold
Hotelmanagerin Nicole Reich mit ihren beiden Kindern Celine (13) und David (14). Sie hat Beruf und Familie gekonnt vereinbart. Foto: L. BErchtold

Kind und Beruf unter einen Hut bringen – wie ist die Situation bei Vorarlberger Müttern?

Schwarzach. Die 36-jährige Nicole Reich hat zwei Kinder. Sie sind jetzt mit 13 und 14 Jahren „aus dem Gröbsten raus“ – wie sie mit einem Lachen erzählt. Doch als die Kinder noch klein waren, stand die Hotelbesitzerin aus Au neben ihrer „mehr als 100-Prozent-Stelle“ vor der Herausforderung, die Betreuung von Celine und David neben ihren Aufgaben im Service, der Hotel-Kinderbetreuung, der Rezeption und der Haushaltsführung des Hotels zu organisieren.

„Wir hatten den großen Vorteil, dass unsere Wohnung im Hotel war. Auch haben im Notfall meine Mitarbeiter auf die Kinder aufgepasst“, sagt sie. Die Großeltern wohnen nebenan, was ein weiterer Vorteil bei der privaten Kinderbetreuung war: „In Au war damals die Kinderbetreuung und deren Öffnungszeiten für Berufstätige alles andere als ideal.“ Nicole und ihr Mann Christian teilten sich die Betreuung je nach Dienstplan auf, „sonst hätte das nicht so gut geklappt. Er hat in der Früh das Fläschchen gegeben, während ich den Frühdienst absolvierte.“ In Vorarlberg gibt es, wie Thomas Mathis von der Vorarlberger Statistik berichtet, 54.300 Ehepaare mit Kindern aller Altersstufen. Davon haben 32.000 Paare Kinder unter 15 Jahren. „In Vorarlberg haben wir 10.600 Ein-Eltern-Familien – davon erziehen rund 9100 Mütter ihre Kinder alleine. 3800 davon haben Kinder unter 15.“ Das Arbeiterkammer-Wiedereinstiegsmonitoring – ein neues Forschungsinstrument – kam zu dem Ergebnis, dass:

» Mütter ihr Beschäftigungsverhältnis lange unterbrechen;

» Das Einkommen der Mütter stark sinkt, das der Väter kaum;

» Sich kurze Kinderbetreuungsgeld-Varianten positiv auswirken

Ausbau der Kinderbetreuung

Rund 78.000 Frauen arbeiten in Vorarlberg als Angestellte oder Arbeiterinnen. Von den selbstständig Erwerbstätigen stellen sie gut 24 Prozent. 30 Prozent der Vollzeitbeschäftigten sind Frauen. Bei den mithelfenden Familienangehörigen sind Frauen mit nicht ganz 54 Prozent vertreten. Das Gros bei den Teilzeitbeschäftigten ist mit über 85 Prozent weiblich.

„Die Beschäftigung von Frauen steigt kontinuierlich. Diese Tendenz ist auf den verstärkten Ausbau der Kinderbetreuung zurückzuführen“, sagt Monika Lindermayr vom Frauenreferat des Landes. Der Anstieg sei aber vor allem ein Anstieg bei der Teilzeitarbeit. Da eine individuelle Absicherung vor Armut, so Lindermayr, am besten über eine eigene Erwerbstätigkeit zu erreichen ist, müssen dafür begünstigte Rahmenbedingungen geschaffen werden.

„Der Anteil der Väter, die Elternkarenz beanspruchen, ist österreichweit seit Jahren nahezu unverändert gering“, sagt sie. In Vorarlberg sogar noch geringer. In Zahlen sind das 7,9 Prozent. Im Dezember 2011 gab es im Land 4132 Karenzbezieher. 78 davon waren Männer. Im selben Monat bezogen in Vorarlberg insgesamt 7024 Personen Kinderbetreuungsgeld. 163 davon waren Männer. Um Frauen, die wegen der Kinder zuhause bleiben wollen, vor einer späteren zu geringen Pension zu bewahren, wurden laut Lindermayr wichtige Schritte gesetzt: „Die pensionsbegründenden Kinderbetreuungszeiten im Rahmen des Kinderbetreuungsgeldes, die Möglichkeit der Familienhospiz sowie die Abfertigung neu.“

Ein besonderes Anliegen sei, dass Frauen sich rechtzeitig über entsprechende Altersvorsorge informieren. Das Frauennetzwerk Vorarlberg organisiert in den Regionen Infoveranstaltungen zum Thema „Alles, was Recht ist“. Das Fraueninformationszentrum FEMAIL informiert gezielt zum Thema Existenzsicherung bei Frauen.

Aber auch Männer sind in manchen Lebens- und Arbeitsbereichen benachteiligt: „Von ihnen wird meist selbstverständlich erwartet, dass sie Vollzeit arbeiten. Für die Familie bleibt kaum Zeit. Mit Biologie hat dies nichts zu tun, sondern eher mit aktuellen Geschlechterrollen. Viele Maßnahmen wie das Interreg-Projekt Rollenbilder werden dagegengesetzt“, sagt sie.

Die Beschäftigung von Frauen steigt kontinuierlich.

Monika Lindermayr

Kinderbetreuung in Zahlen

Laut Statistik Austria für das Kindergartenjahr 2012/2013 aktuell:

» rund 50.000 bis 2-Jährige werden in Kinderbetreuungseinrichtungen betreut – ein Plus von über 21.400 Kindern (+76,5 Prozent) in den letzten fünf Jahren.

» Die Betreuungsquote für Kinder dieser Altersgruppe liegt mittlerweile bei 20,8 Prozent (2007: 11,8 Prozent).

» Bei den 3- bis 5-Jährigen fiel der Zuwachs in den letzten fünf Jahren mit rund 9600 Kindern (+4,7 Prozent) zwar geringer aus, dafür liegt hier die Betreuungsquote mittlerweile bei über 90 Prozent.