Festspielstadt Bregenz steckt voller Geschichten

Vorarlberg / 19.07.2013 • 17:18 Uhr
Als „Beachbar“ war der Pavillon in den Seeanlagen ursprünglich nicht konzipiert. Er erinnert vielmehr daran, dass die Bregenzer durch den Bau der Bahnstrecke seit 1872 vom Seeufer getrennt lebten. Deshalb schlug 1880 die Geburtsstunde der Seeanlagen. 1887 zierte ein Pavillon dann die erste Landesausstellung. Er blieb als einziger übrig, 1949 wurde das baufällig gewordene Stück durch einen Pavillon von der Hand des Architekten Claus Ströbele ersetzt. Am 21. Juli wurde er eröffnet, gerade rechtzeitig zur Festspielzeit. Foto: VN/Paulitsch, Matt
Als „Beachbar“ war der Pavillon in den Seeanlagen ursprünglich nicht konzipiert. Er erinnert vielmehr daran, dass die Bregenzer durch den Bau der Bahnstrecke seit 1872 vom Seeufer getrennt lebten. Deshalb schlug 1880 die Geburtsstunde der Seeanlagen. 1887 zierte ein Pavillon dann die erste Landesausstellung. Er blieb als einziger übrig, 1949 wurde das baufällig gewordene Stück durch einen Pavillon von der Hand des Architekten Claus Ströbele ersetzt. Am 21. Juli wurde er eröffnet, gerade rechtzeitig zur Festspielzeit. Foto: VN/Paulitsch, Matt

Die Landeshauptstadt bietet auch abseits gängiger Sehenswürdigkeiten Bemerkenswertes.

Bregenz. Die Dinge sind nicht immer, was sie scheinen. Erst ihre Herkunft macht sie oft bemerkenswert. Das gilt auch für Bregenz, das sich zur Festspielzeit fesch herausgeputzt hat. Spannender als die glänzenden Fassaden lesen sich die Geschichten dahinter. Das weiß keiner besser als Stadtarchivar Thomas Klagian.

So kündigt die meteorologische Säule in den Seeanlagen nicht nur Sturmfronten an, die bald übers Wasser fegen werden. Sie erzählt auch ganz nebenbei, dass die Welt zum Ende des 19. Jahrhunderts nach anderen Bezugspunkten vermessen wurde. Oder der Musikpavillon, der sich seit Jahren schon im Frühsommer zur Beachbar mausert: Der ist eigentlich ein Relikt jener Jahre, in denen den Bregenzern schmerzlich bewusst wurde, dass sie ihren Anteil am See der Zugverbindung quasi geopfert hatten.

Von Lochau herein führt eine Straße, deren erste Trasse kein Geringerer als Alois Negrelli in Szene gesetzt hat. Am Fischersteg, der heute zu Sonnenuntergang mit Sommerspritzer einlädt, nahm in den 1920-Jahren ein Wasserflugzeug Passagiere auf.

Die Stadtpfarrkirche St. Gallus verrät trotz schlichter Fassade im Inneren die Handschrift des Barockbaumeisters Franz Anton Beer. Gelebt hat der übrigens im Kornmesser, wo sich nach dem Spaziergang vorzüglich rasten lässt.

Ein Strand ist es ja nicht gerade, aber die Pipeline hat sich zu einem trendigen Badeort gemausert. Die Straße dahinter hat übrigens Alois Negrelli (Suezkanal) 1826 projektiert. Unter der Erde verläuft am Ufer entlang seit 1964 die Pipeline Genua-Ingoldstadt. 1997 hat die Rheinische Ölleitungs-GmbH den Betrieb eingestellt. Foto: VN/Stiplovsek
Ein Strand ist es ja nicht gerade, aber die Pipeline hat sich zu einem trendigen Badeort gemausert. Die Straße dahinter hat übrigens Alois Negrelli (Suezkanal) 1826 projektiert. Unter der Erde verläuft am Ufer entlang seit 1964 die Pipeline Genua-Ingoldstadt. 1997 hat die Rheinische Ölleitungs-GmbH den Betrieb eingestellt. Foto: VN/Stiplovsek
Nur 57 cm Breite misst das schmalste Haus Europas. Aber keine Sorge: Es weitet sich dahinter auf stattliche 60 m2 Wohnfläche. Mehr als 200 Jahre ist es alt, 1796 gehörte es schon einem Wachszieher. Heute steht hier die wohl meistfotografierte Fassade der Stadt.
Nur 57 cm Breite misst das schmalste Haus Europas. Aber keine Sorge: Es weitet sich dahinter auf stattliche 60 m2 Wohnfläche. Mehr als 200 Jahre ist es alt, 1796 gehörte es schon einem Wachszieher. Heute steht hier die wohl meistfotografierte Fassade der Stadt.
Benedikt Bilgeri hat 760 Seiten gebraucht, um die Geschichte von Bregenz aufzuschreiben. Aber es geht auch schneller. An der historistischen Fassade des Rathauses von 1898 prangen fünf Mosaike. Der Künstler Josef Boss goss seine Kurzversion in fünf Gesichter. Kaiser Augustus etwa erinnert an römische Glanzzeiten, das Bildnis Herzog Siegmunds daran, dass Bregenz 1451 zur Hälfte an das Haus Österreich ging. Maria Theresia schließlich erzählt davon, dass Bregenz 1750 Mittelpunkt der Verwaltung in Vorarlberg wurde. Foto: Andreas Praefcke
Benedikt Bilgeri hat 760 Seiten gebraucht, um die Geschichte von Bregenz aufzuschreiben. Aber es geht auch schneller. An der historistischen Fassade des Rathauses von 1898 prangen fünf Mosaike. Der Künstler Josef Boss goss seine Kurzversion in fünf Gesichter. Kaiser Augustus etwa erinnert an römische Glanzzeiten, das Bildnis Herzog Siegmunds daran, dass Bregenz 1451 zur Hälfte an das Haus Österreich ging. Maria Theresia schließlich erzählt davon, dass Bregenz 1750 Mittelpunkt der Verwaltung in Vorarlberg wurde. Foto: Andreas Praefcke
Der Silberaltar der Stadtpfarrkirche St. Gallus kommt an seinen Platz. Dahinter sieht man das herrliche Chorgestühl. Foto: VN/Steurer
Der Silberaltar der Stadtpfarrkirche St. Gallus kommt an seinen Platz. Dahinter sieht man das herrliche Chorgestühl. Foto: VN/Steurer
Ein Fischersteg ragte zum ersten Mal 1902 in die Bregenzer Bucht. Ein Jahr später legte der kleine Schraubensalondampfer „Caroline“ des Bürgermeisters Carl Pedenz hier an. 1923 schließlich lud das Schild „Flughafen“ ein, Bregenz aus der Luft zu erleben. Ein 15-minütiger Rundflug mit dem Wasserflugzeug der „Bodenseerundflug Konstanz“ kostete 300.000 Kronen. Das konnten sich nur wenige leisten. Foto: Stadtarchiv Bregenz
Ein Fischersteg ragte zum ersten Mal 1902 in die Bregenzer Bucht. Ein Jahr später legte der kleine Schraubensalondampfer „Caroline“ des Bürgermeisters Carl Pedenz hier an. 1923 schließlich lud das Schild „Flughafen“ ein, Bregenz aus der Luft zu erleben. Ein 15-minütiger Rundflug mit dem Wasserflugzeug der „Bodenseerundflug Konstanz“ kostete 300.000 Kronen. Das konnten sich nur wenige leisten. Foto: Stadtarchiv Bregenz
Der Bregenzer „Milchpilz“ steht heute gegenüber vom Vorarlberg Museum. Er sah schon in den 1950er-Jahren so aus, als die Allgäuer Hermann Waldner KG 50 dieser Kioske in Deutschland, Österreich, Italien, Griechenland und den Beneluxstaaten „einpflanzte“. Heute steht das Bregenzer Exemplar unter Denkmalschutz, es gibt nämlich nur noch vier davon. Foto: Stadtarchiv Bregenz
Der Bregenzer „Milchpilz“ steht heute gegenüber vom Vorarlberg Museum. Er sah schon in den 1950er-Jahren so aus, als die Allgäuer Hermann Waldner KG 50 dieser Kioske in Deutschland, Österreich, Italien, Griechenland und den Beneluxstaaten „einpflanzte“. Heute steht das Bregenzer Exemplar unter Denkmalschutz, es gibt nämlich nur noch vier davon. Foto: Stadtarchiv Bregenz
Die Wettersäule aus 1887 sagt aus heutiger Sicht nicht mehr die Wahrheit: Sie verortet Bregenz exakt auf 27° 23‘ 40“ östlicher Länge. Aber die exakte geografische Lage beträgt 9° 44‘ 47,46“. Wie kommt’s? Die Habsburger Monarchie verwendete Ferro auf den Kanaren als Bezugspunkt und noch nicht Greenwich in London.
Die Wettersäule aus 1887 sagt aus heutiger Sicht nicht mehr die Wahrheit: Sie verortet Bregenz exakt auf 27° 23‘ 40“ östlicher Länge. Aber die exakte geografische Lage beträgt 9° 44‘ 47,46“. Wie kommt’s? Die Habsburger Monarchie verwendete Ferro auf den Kanaren als Bezugspunkt und noch nicht Greenwich in London.
Die Löwen-Apotheke hat der Bregenzer Architekt und Segler Otto Mallaun 1913 als Jugendstil-Gebäude entworfen. Hier fuhr der erste Bregenzer Personenlift. Mallaun hat auch den Sitzungssaal des Rathauses gegenüber geplant.
Die Löwen-Apotheke hat der Bregenzer Architekt und Segler Otto Mallaun 1913 als Jugendstil-Gebäude entworfen. Hier fuhr der erste Bregenzer Personenlift. Mallaun hat auch den Sitzungssaal des Rathauses gegenüber geplant.