Jürgen Weiss

Kommentar

Jürgen Weiss

Vorarlberg männlich

Vorarlberg / 19.08.2013 • 19:41 Uhr

In keinem anderen Bundesland gibt es bei der nur noch vierzig Tage entfernten Nationalratswahl am 29. September ein größeres Angebot als in Vorarlberg. Zwölf Parteien bewerben sich um die zu vergebenden acht Mandate und schlagen dafür insgesamt 146 Kandidatinnen und Kandidaten vor. Wenngleich die Hürde hoch ist, könnten mit Vorzugsstimmen theoretisch auch Wahlwerber auf hinteren Listenplätzen zum Zuge kommen und die Reihung der Partei über den Haufen werfen.

Nachdem der Frauenanteil im Nationalrat mit 29 Prozent auch im internationalen Vergleich bisher nicht besonders hoch war, ist es lohnend, in den Wahlvorschlägen der beiden Regionalwahlkreise (Nord und Süd) die Damen zu suchen. Das fällt unterschiedlich schwer. Verhältnismäßig einfach ist es bei der SPÖ und bei den Grünen, wo exakt die Hälfte der jeweils 24 vorgeschlagenen Personen weiblichen Geschlechts ist. Auch die Kommunisten kommen auf 50 Prozent, allerdings bei insgesamt nur zwei Kandidaten. Unter den fünf Kandidaten der EU-Austrittspartei sind zwei Damen. In der Mitte liegen die ÖVP und Frank Stronach mit 30, die FPÖ mit 21 und das BZÖ mit 18 Prozent. Ganz ohne Damen kommen die Wahlvorschläge der Neos, der Piraten und einer Christlichen Partei aus. Den Vogel schießt die Männerpartei ab, bei der an der Spitze des Wahlvorschlages für das Oberland eine Dame kandidiert, die restlichen fünf Plätze werden dann tatsächlich von Herren besetzt.

Interessant ist aber letztlich die Frage, wie viele ­Frauen aus Vorarlberg künftig im Nationalrat vertreten sein werden. Da sieht es, gemessen an der bisherigen Stimmenverteilung, finster aus. Bei der ÖVP wurde die langjährige Abgeordnete Anna Franz nicht durch eine dafür vorgeschlagene engagierte junge Lehrerin, sondern durch einen Vertreter des Bauernbundes ersetzt. Die anderen Parteien haben jeweils nur ein Mandat und das wird in allen Fällen wieder ein Mann sein. Am nächsten dran an einem Mandatsgewinn sind die Grünen, die bereits 2008 mit großem Abstand zu der doppelt so starken ÖVP in Vorarlberg zweitstärkste Partei wurden. Mit 25 Prozent Stimmenanteil bekämen sie ein zweites Mandat, das dann an eine Frau, Dr. Juliane Alton, fiele. Da sie als Wahlziel ohnedies einen Anteil über zwanzig Prozent erwarten, würden sie nach der 2008 durch Harald Walser ersetzten Sabine Mandak wieder eine Frau – diesmal die einzige – nach Wien entsenden.

juergen.weiss@vn.vol.at
Jürgen Weiss vertrat das Land als Mitglied des Bundesrates zwanzig Jahre
lang in Wien und gehörte von 1991 bis 1994 der Bundesregierung an.
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