„Nur Versöhnung hilft auf Dauer“

Vorarlberg / 04.09.2013 • 19:59 Uhr
Blumen für die Panzer: Tunis im Jänner 2011. Foto: AP
Blumen für die Panzer: Tunis im Jänner 2011. Foto: AP

Bischof Benno begrüßt, dass syrische Flüchtlinge ins Land kommen: „Wir müssen helfen.“

Schwarzach. Die Welt steht in Syrien durch das angekündigte Eingreifen der USA am Vorabend eines Krieges, der den Kern eines Weltenbrandes in sich trägt. Für Bischof Benno Elbs ist der Gedanke unerträglich, dass gerade die Schwächsten – „das sind die Frauen und Kinder“ – nur noch mehr leiden werden.

Existiert in Ihren Augen ein Krieg überhaupt als mögliches Lösungsmittel für Konflikte?

Bischof Benno: Eindeutig nein. Für mich gilt das Jesus-Wort: Wer zum Schwert greift, wird durch das Schwert umkommen. Gewalt ist keine Lösung. Man muss stattdessen alles tun, um aus dem Teufelskreis der Gewalt rauszukommen.

Wie kann das gehen?

Bischof Benno: Der Weg führt nur über die Versöhnung, über eine Kultur des Dialogs, auch mit der Bereitschaft zur einseitigen Abrüstung.

Das birgt hohe Risiken.

Bischof Benno: Spaziergang ist das keiner. Der Einsatz verlangt mitunter einen hohen Preis. Aber wir finden Beispiele in der Geschichte: Der Fall der Berliner Mauer etwa. Die Gebete in der Nikolai-Kirche waren im Grunde genommen die spirituelle Zelle, aus der die Demonstrationen entstanden sind, die zur größten friedlichen Revolution in Europa anwuchsen. Oder die Bewegung der österreichischen Friedensaktivistin Hildegard Goss-Mayr. Sie hat den Begriff der „Gütekraft“ geprägt: Die Güte des Herzens ist die einzige Kraft, die genügend Hilfe bringt, um aus einem solchen Konflikt herauszukommen. Ich hab noch die Bilder in Erinnerungen von der Revolution auf den Philippinen, wie Demonstranten in den 1980er-Jahren mit Blumen gegen Panzer vorgegangen sind.

Vertritt die katholische Kirche nicht bis heute die Lehre vom gerechten Krieg?

Bischof Benno: In der Ethik gibt es den Begriff der Notwehr. Er besagt, dass der Mensch in bestimmten Situationen unter strengen Bedingungen das Recht hat, sich zu wehren. Wehren und Schützen sind die Motive. Der Schutz der Schutzlosesten gewissermaßen. In Syrien müssen wir uns fragen: Wer sind die Schutzlosesten? Es sind die Frauen und die Kinder. Gewalt wird nie in der Lage sein, Kinder und Familien zu schützen. Die toten Kinder sind für mich wie ein stummer Schrei nach Frieden. Wir müssen alles tun, damit dieser Ruf gehört wird.

Das sogenannte „Recht zum Krieg“ basiert auf fünf Voraussetzungen. Gegeben sein müssen die legitime Autorität, ein gerechter Grund . . .

Bischof Benno: . . . die gerechte Absicht, die Tatsache, dass der Krieg tatsächlich das letzte Mittel darstellt, und die begründete Hoffnung auf Erfolg. Der Erfolg aber kann im vorliegenden Fall nur der Schutz der Menschen sein. Bombardements werden diesen Schutz garantiert nicht erwirken.

Viele denken dabei auch an den Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg. Ohne die militärische Befreiung durch die Alliierten hätte das Nazi-Regime ungehindert weitergemordet.

Bischof Benno: Es gab in Nazi-Deutschland auch den inneren Widerstand. „Die weiße Rose“ und andere. Aus christlicher Sicht wäre die beste Hilfe die Stärkung solcher Friedensbewegungen innerhalb Deutschlands gewesen. Aber auch wenn der kriegerische Einsatz damals die einzige Möglichkeit und legitimiert war, darf man nicht vergessen, dass durch die Bombardements undenkbar viel Leid hinzugefügt wurde. Es dauert Generationen, bis die Wunden in der Seele aufgearbeitet werden.

Was ängstigt Sie im Hinblick auf Syrien am meisten?

Bischof Benno: In Syrien besteht wirklich die Gefahr eines Flächenbrandes. Da werden vielleicht Israel und die arabischen Staaten hineingezogen. Und noch einmal: Für mich hat die Frage des Schutzes der Schwächsten absolute Priorität.

Was können wir tun?

Bischof Benno: Humanitäre Hilfe ist ganz wichtig. Und der Dialog darf auf keinen Fall aufgegeben werden.

Österreich wird 500 syrische Flüchtlinge aufnehmen, Vorarlberg 20.

Bischof Benno: Wir müssen denen, die sich retten konnten, wirklich helfen. Appelle sind gut, aber reine Appelle helfen zu wenig. Man muss ganz konkret zupacken. Wir werden außerdem am Samstag bei der Vorabendmesse im Dom um Frieden beten.

Die toten Kinder sind wie ein stummer Schrei nach Frieden.

Bischof Benno Elbs