Sicher zur Schule und nach Hause

Die Erstklässler sind nicht nur Schul-, sondern auch Verkehrs-anfänger.
Schwarzach. Der erste Schultag. Zappelnde Beine. Herzklopfen. Zähneputzen, mit den Eltern frühstücken und zum ersten Mal die neue Schultasche auf den Rücken nehmen. Dann noch schnell ein Erinnerungsfoto mit der Schultüte vor dem Eingang zur Volksschule. Die ABC-Schützen strömen von ihren Eltern begleitet in das Schulgebäude. Und der „Ernst des Lebens“ beginnt heuer für 4471 Vorarlberger Kinder.
Start in das Schulleben
Der neue Lebensabschnitt ist auch ein erster Schritt in Richtung selbstständige Mobilität. Im Vorjahr verletzten sich 45 Kinder im Alter von sechs bis 15 Jahren in Vorarlberg bei Verkehrsunfällen auf dem Schulweg. „Damit die Kleinen sicher in die Schule und wieder sicher heim kommen, ist es wichtig, so früh wie möglich mit ihnen den Schulweg zu üben“, betont Rudolf Salzgeber, Chef der Vorarlberger Ver-
kehrspolizei. „Ausgereifte“
Verkehrsteilnehmer dürfen laut Salzgeber nie darauf vertrauen, dass Kinder sich im Straßenverkehr ausnahmslos richtig verhalten. Gerade Volksschüler haben ein noch sehr eingeschränktes Sichtfeld und benötigen genaue Verhaltensregeln, um unbeschadet durch den Verkehr zu kommen.
„Kinder haben einen ausgesprochenen Bewegungsdrang und noch kein ausreichend ausgebildetes Gespür für Gefahren“, betont Martin Pfanner, Landesstellenleiter vom Kuratorium für Verkehrssicherheit. Kleinere Kinder glauben oft, so Pfanner, dass ein Auto – so wie sie – jederzeit stehen bleiben kann und der Lenker sie sieht, weil sie ja auch das Auto sehen. „Kinder verhalten sich spontan und impulsiv.“
Runter vom Gas
Kinder reagieren stärker auf Ablenkungen, wie andere spielende Kinder oder ihre momentane emotionale Befindlichkeit. So sei die Einschätzung von Entfernungen und Geschwindigkeiten eine komplexe Leistung, die erst mit etwa 14 Jahren zuverlässig ausgebildet sei. Pfanner: „Zusätzlich ist die seitliche Wahrnehmungsfähigkeit von Kindern eingeschränkt: Ein Erstklässler sieht nur 70 Prozent dessen, was ein Erwachsener wahrnimmt“, gibt der Experte allen „ausgereiften“ Verkehrsteilnehmern zu bedenken. Überall, wo mit Kindern zu rechnen ist, also an Schulen, Kindergärten sowie Spielplätzen, heißt es generell: runter vom Gas, bremsbereit fahren – und das nicht nur zum Schulbeginn, sondern das ganze Jahr über.
Laut dem Experten können beim Schulweg Eltern hier aktiv zur Sicherheit ihrer Kinder beitragen, „besonders wichtig ist es, gemeinsam mit den Kindern den sichersten Schulweg immer zu üben.“ Jedoch sollte man bedenken, dass der sicherste Schulweg nicht immer der kürzeste ist. „Ideal sind Strecken mit wenig und langsamem Verkehr, Ampelregelungen, Sicherungen durch Exekutive oder Schülerlotsen. Das Queren an unübersichtlichen Stellen, wie zwischen parkenden Fahrzeugen oder Sträuchern und Kurven, sollte auf jeden Fall vermieden werden“, empfiehlt Pfanner. Und: die Verkehrsregeln immer wieder in der Praxis, also im Straßenverkehr erklären.
Zudem sollten Eltern ausreichend Zeit für den Schulweg ihrer Kinder einplanen und daher ihre Kinder rechtzeitig wecken, um Stress und Hektik zu vermeiden. Kinder auch auf besondere Gefahren bei der Benutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln hinweisen, insbesondere beim Ein- und Aussteigen aus Bus, Zug und Auto. „Am effizientesten ist es, wenn Eltern ihren Kindern richtiges Verhalten im Straßenverkehr vorleben“, rät Martin Pfanner. Eine wertvolle Unterstützung bei der Bewusstseinsbildung leisten auch Kindergärten und Schulen.
Sicher auf dem Schulweg
Folgende Sicherheitstipps helfen, Ihr Kind noch sichtbarer zu machen:
» Der kürzeste Schulweg ist nicht immer der sicherste.
» Investieren Sie genügend Zeit in die Auswahl des sichersten Schulweges – vor allem bei Überquerungsstellen.
» Suchen Sie einen sicheren Übergang – selbst wenn ein Umweg nötig ist.
» Ideal sind Überwege mit Ampelregelung, Mittelinsel sowie Sicherung durch Exekutive oder Schülerlotsen.
» Das Queren an unübersichtlichen Stellen sollte vermieden werden.
» Kleiden Sie sich und Ihr Kind so hell wie möglich.
» Schultaschen und Rucksäcke sollten auffällige helle Farben haben und mit reflektierenden Elementen ausgestattet sein.
» Reflexmaterialien müssen in der Höhe des Streuwinkels des Abblendlichtes getragen werden. Bei Kindern sollte der ganze Körper von den Schuhen bis zum Oberkörper reflektierende Elemente aufweisen.
» Reflektoren sollten rundum strahlen, um Fußgänger auch seitlich sichtbar zu machen.