Ein Bischofsrat mit weiblicher Note

Bischof Benno gründet Bischofsrat als Diözesanleitung – Frauen werden vertreten sein.
Schwarzach. Anfang Juli kündigte der eben geweihte Bischof Benno Elbs an, Frauen in die oberste Leitungsebene der Diözese aufzunehmen. Jetzt macht er das Versprechen wahr. Und setzt Akzente Richtung Jugend.
Anfang kommender Woche sind Sie 100 Tage als Bischof im Amt. Wie sind die ersten Eindrücke?
Benno Elbs: Es waren unwahrscheinlich viele Begegnungen, die Menschen bringen mir großes Vertrauen entgegen. Der Papst hat uns neuen Bischöfe ermahnt: Ihr müsst an die Ränder der Existenz gehen. Wo die Menschen einsam und in Not sind. Wenn man als Bischof ganz bewusst an diese Ränder geht, ist man sehr gefordert. Ein Manager in einer Firma muss Leistungserfolge bringen, im Bischofsamt geht es eher um das Sein. Das hängt mit dem Namen Gottes zusammen: Ich bin dort, wo du bist.
Sie waren im September quasi auf „Grundschulung“ in Rom?
Benno Elbs: Wir waren rund 120 Bischöfe, aber nur drei aus dem deutschen Sprachraum. Sehr beeindruckt hat mich die Erfahrung der Weltkirche. Ich saß in der französischen Sprachgruppe neben Bischöfen aus Syrien, Libanon, aus Haiti. Diese Bischöfe riskieren ihr Leben. Bischof sein in Syrien und Bischof sein in Österreich – was für ein Unterschied! Und doch sind alle miteinander verbunden. Es ist ein riesiges Geschenk, den Glauben in Freiheit zu leben. Auch Demokratie ist ein Geschenk. Dass die Wahlbeteiligung in Österreich so niedrig ist, bedrückt mich deshalb. Offenbar schätzen die Menschen diese Freiheit nicht.
Und Papst Franziskus?
Benno Elbs: Die Begegnung war sehr herzlich. Er hat zuerst eine 15 Minuten lange Ansprache gehalten, in der er uns ermahnt hat, wirklich bei der Herde zu sein. „Lebt das, was ihr predigt. Bescheidenheit, Ehrlichkeit, Authentizität.“ Ein Bischof ist kein Büroleiter, sondern einer, der bei den Menschen ist. Sein persönlicher Satz zu mir war: Beten Sie für mich.
Kehren wir nach Österreich zurück. Wie weit sind Ihre Pläne gediehen, Frauen in Leitungspositionen der Diözese einzubinden?
Benno Elbs: Die diözesanen Gremien werden im Herbst neu konstituiert. Wir wählen einen Priesterrat und einen Pastoralrat, bei dem ich mir wünsche, dass eine Frau Vorsitzende wird. Außerdem werden wir einen etwa 15-köpfigen Bischofsrat schaffen. Er wird das oberste Leitungsgremium der Diözese sein und von Frauen, den Konsultoren und den Amtsleitern gebildet werden.
Wie stehen Sie zur Seelsorge im Bereich der wiederverheirateten Geschiedenen?
Benno Elbs: In all diesen Fragen hat uns der Papst überholt, weil er in der Grundhaltung des offenen Wortes die notwendigen Konsultationen in Angriff genommen hat. Er hat etwa angekündigt, dass die nächste Bischofssynode 2015 sich dem Thema des Umgangs mit wiederverheirateten Geschiedenen widmen wird. Die Bischöfe werden stark in die Entscheidungsprozesse der Kirche einbezogen. Das ist auch notwendig.
. . . und zur verpflichtenden Ehelosigkeit der Priester?
Benno Elbs: Man soll über das Thema reden, aber ergebnisoffen. Die Kirche denkt auch in anderen Teilen der Welt über diese Frage nach. Vor allem die maronitischen Bischöfe haben in Rom immer wieder die Frage eingebracht und von ihren positiven Erfahrungen erzählt. (Priester dürfen in dieser mit Rom unierten Kirche verheiratet sein, Anm. der Red.) Und die maronitischen Kollegen sind katholische Bischöfe.
Ihre persönliche Präferenz?
Benno Elbs: Das Zölibat hat in meinen Augen wertvolle Schätze. Aber eine solche Diskussion muss ergebnisoffen sein.
Sie setzen im Herbst einen Jugendschwerpunkt.
Benno Elbs: Ab November finden Jugend Talks mit dem Bischof statt. 2014 planen wir eine Lehrlingswallfahrt nach Bildstein. Das Berufungscoaching soll Schulklassen helfen, neben einem Beruf auch den Sinn des Lebens zu finden. Und die Briefe von Carl Lampert erscheinen ab November in einer Online-Edition.