Umschlagplatz der Herzlichkeit

Vorarlberg / 29.10.2013 • 22:01 Uhr
Der neue Wagen garantiert, dass das „Postfach für jeden“ weiterhin offenhalten kann. Fotos: VN/Hartinger
Der neue Wagen garantiert, dass das „Postfach für jeden“ weiterhin offenhalten kann. Fotos: VN/Hartinger

VN-Leserschaft spendete sofort: Jetzt hat „Postfach für jeden“ ein neues Auto.

Dornbirn. „Nehmt ihr eigentlich alles?“, möchte eine 85-jährige Dornbirnerin wissen. „Alles, außer Möbel und Männer“, sagt Maria Rainer, „es könnten Ladenhüter sein.“ „Stell Dir vor“, erwidert die betagte Spenderin nach kurzem Bedenken, „ich komm’ nach einem halben Jahr wieder und der Meinige steht immer noch da.“

Kurz vor Mittag ist der große Sturm vorüber. Zahlreiche Bedürftige trugen nach Hause, was ihnen ihre Betreuerinnen vom „Postfach für jeden“ zugeteilt haben: Hosen, Blusen, Bettwäsche . . . Nun befördert Maria Rainer (64) die leeren Schachteln mit geübten Griffen nach draußen. Die Männer von der Müllabfuhr nehmen alles mit. Kaum sind sie fort, da warten neben der Stiege zum Lagerhaus schon wieder ein paar Frauen mit neuen Sachspenden. Und

schmunzeln noch immer; in Sachen Männer und so . . .

Dabei stehen längst nicht nur Frauen hinterm Dornbirner „Postfach für jeden“. Josef Erath etwa hilft beim Ein- und Ausladen. Und „Trubowirts Josef“ behält die Finanzen im Auge. Von wegen Ladenhüter!

Immer mehr Empfänger

Pünktlich wie das sprichwörtliche Schweizer Uhrwerk biegt Maria Thurnher ums Eck. Sie hat das „Postfach für jeden“ 1975 gegründet. 60 Ehrenamtliche sammeln und sortieren Sachspenden und geben sie an jene aus, die sich Einkäufe nicht leisten können. Und es werden immer mehr. 2012 hat ihr Verein 2175 Frauen, 2103 Männer und 3716 Kinder mit dem Nötigsten versorgt. Für den kommenden Winter rechnet Russ-Preis-Trägerin Thurnher mit einem neuen Ansturm.

Der neue Wagen „isch super“

Und doch strahlt ihr Gesicht mit dem blitzeblanken Kombi um die Wette. Nachdem der alte Opel Astra nach 100.000 Kilometern und jahrelanger Dauerbelastung endgültig hinüber war, brauchte das „Postfach für jeden“ dringend Ersatz. Aber so sehr ihr Opel Gerster auch entgegenkam, es fehlten 10.000 Euro. Ein Aufruf in den VN genügte vollauf. In wenigen Tagen trudelte das Geld ein. Etliche Vorarlberger spendeten ohne zu zögern. „Bei manchen Beträgen wissen wir nicht einmal, wo wir uns bedanken sollen.“ Mit einer „riesigen Freud‘“ hat Maria Thurnher vergangenen Freitag ihren neuen gebrauchten Kombi in Empfang nehmen können. Und düste damit sofort nach Damüls und Bürs, um Waren abzuholen.

Da ist schon eine eingeschworene Gemeinschaft am Werk in der Dornbirner Bildgasse 8. Maria Rainer, die in der Pension „einfach etwas zurückgeben wollte“ und jetzt stoßweise Wäsche sortiert. Margit Oberhuber (67), die im Büro auch dann noch die Nerven behält, wenn es rundherum drunter und drüber geht.

Ilse Albl (66) bereitet inzwischen die Weihnachtsaktion vor, die rund 800 Vorarlbergern ein „Päckle“ bringen wird, denen sonst niemand was schenkt. Und Maria Thurnher nicht zu vergessen, die irgendwie überall zugleich ist und die Übersicht behält.

Ich möchte mich auch bei den anonymen Spendern herzlich bedanken.

Maria Thurnher
„Isch des net liab?“ Maria Thurnher und ihre Helferinnen sortieren, was Spender in die Bildgasse gebracht haben.
„Isch des net liab?“ Maria Thurnher und ihre Helferinnen sortieren, was Spender in die Bildgasse gebracht haben.