„Sanfte“ Rückkehr in den Job

Krebshilfe Vorarlberg unterstützt entsprechende Bemühungen der Arbeiterkammer.
Dornbirn. Verstärkung erhält die Arbeiterkammer in ihrem Kampf um die Einführung von Möglichkeiten zur „sanften“ Rückkehr in den Job von Menschen nach langen Krankenständen. Gestern hat die Krebshilfe Vorarlberg offiziell angekündigt, die Bemühungen zu unterstützen. „Wir werden in dieser Sache sicher nicht lockerlassen“, betonte Krebshilfe-Präsident und Russ-Preis-Träger Dr. Gebhard Mathis bei einem Gespräch mit AK-Präsident Hubert Hämmerle. Und der wiederum freute sich über die Krebshilfe als „neuen starken Partner“.
Einigkeit bei Sozialpartnern
Künftig wollen Krebshilfe und Arbeiterkammer ihr Vorgehen auf Bundesebene abstimmen. Denn ohne Bund läuft gar nichts, weil es zur Umsetzung verschiedener Gesetzesänderungen im Allgemeinen Sozialversicherungsgesetz (ASVG) bedarf.
Die Forderung der Arbeiterkammer nach einer Verbesserung bei der Wiedereinstellung nach Langzeitkrankenstand besteht seit 2010. Doch die Bundesorgane stellten sich bislang taub. Nun dürfte zumindest ein Stück des Eises gebrochen sein. Das Thema scheint jedenfalls im Arbeitspapier zu den laufenden Koalitionsverhandlungen auf. „Es wurden auch Unterlagen von uns angefordert“, hegt Hubert Hämmerle leise Hoffnung. Im Land sind sich seinen Angaben zufolge die Sozialpartner einig. Der AK-Chef sieht sowohl Wirtschaftskammer wie auch Gebietskrankenkasse, Ärztekammer und Gewerkschaftsbund hinter sich und der Idee. Von der Arbeiterkammer forciert wird das Betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM), das in Deutschland und der Schweiz bereits seit mehreren Jahren erfolgreich läuft.
Freiwilligkeit wichtig
Betroffene sollen die Chance zu Arbeitsversuchen erhalten, wenn sie mehr als 40 Tage im Krankenstand waren; und dies langsam sowie ihren Bedürfnissen entsprechend. Während dieser Zeit wäre der Arbeitnehmer im Krankengeldbezug. Die Bezahlung durch den Dienstgeber ist nach Ansicht von Hämmerle nicht zielführend, weil der Beschäftigte damit wieder unter Druck geraten würde, mehr zu leisten als er kann. Eine weitere Voraussetzung ist die Freiwilligkeit für alle Beteiligten. Der Ausstieg muss jederzeit möglich sein. Außerdem bedarf es einer ärztlichen Begleitung. In Vorarlberg würden bereits 65 Prozent der Beschäftigten stark unter dem Gefühl der Überlastung leiden. „Eine rasche Lösung ist im Sinne der kranken Menschen dringend nötig“, so Hubert Hämmerle.
In die Reha gezwungen
Das meint auch Krebshilfe-Präsident Dr. Gebhard Mathis. Denn: „Krebs wird zunehmend zu einer chronischen Erkrankung.“ Im Gegensatz zu früher könnten heute deutlich mehr Krebspatienten geheilt werden. Doch der Preis ist hoch. Behandlungen hinterlassen Spuren wie etwa Gefühls- oder Nervenstörungen. „Viele Betroffene möchten arbeiten, auch, um nicht in die Armutsfalle zu geraten“, weiß Mathis. Allerdings seien aufgrund von krankheitsbedingten Einschränkungen die meisten gezwungen, bis zu einer vollständigen Einsatzfähigkeit im Krankenstand oder in der Reha zu bleiben.
Dabei würde die Mehrheit einen stufenweisen Wiedereinstieg begrüßen. Das hat die Österreichische Krebshilfe erst jüngst auch in einem Schreiben an die Minister Rudolf Hundstorfer und Reinhold Mitterlehner kundgetan. Nun soll die Sache gemeinsam vorangetrieben werden.
Die Mehrheit würde einen stufenweisen Einstieg begrüßen.
Gebhard Mathis
