Bürger wollen Seeufer befreien

Vorarlberg / 11.12.2013 • 19:37 Uhr
Die Genossenschaft mehramsee hat einen Profi die Vision eines bahnfreien Bregenzer Bodenseeufers entwerfen lassen: So könnte das aussehen. Foto: mehramsee
Die Genossenschaft mehramsee hat einen Profi die Vision eines bahnfreien Bregenzer Bodenseeufers entwerfen lassen: So könnte das aussehen. Foto: mehramsee

Der Gedanke eines von der Bahn befreiten Bodenseeufers findet immer mehr Anhänger.

Bregenz. Die Idee eines bahnfreien Bodenseeufers hat inzwischen 207 Menschen dazu bewogen, insgesamt 1075 Anteile der Genossenschaft „mehramsee“ zu zeichnen. 821 Interessierte haben die Resolution „Ufer in Seenot“ unterschrieben. Und es mehren sich zornige Stimmen.

Keine Langzeitperspektive

Gewiss klingt die Idee, die Bahn am See zweigleisig auszubauen und unter die Erde zu verlegen, utopisch. Nur der Spleen von ein paar betuchten Villenbesitzern am See? Elmar Girardi ist gewiss nicht vor kurzem Genossenschafter geworden, „um die Pfänderhängler zu schützen“: Ihn macht es „wütend, dass die Politik nur in den Dimensionen ihrer Amtsperioden denkt“. Immer nur von Wahl zu Wahl. Girardi ist Geschäftsführer der Zima Projekt Baugesellschaft mbH, also Projektentwickler bei der Seestadt. „Aber ich bin auch Bürger in Lochau und genieße es, wenn ich den Weg nach Bregenz mit dem Rad zurücklege.“ Um wie viel schöner wäre das ohne Bahn. Girardi betont: „Ich bin kein Illusionist.“ Die Kosten eines solchen Vorhabens unterschätze er nicht. „Weil Land und Stadt aber nicht einmal ernsthaft darüber nachdenken“, vermisst er jede langfristige Perspektive. „Wir hätten heute noch keinen Pfändertunnel, wenn die Politiker damals mit dem Horizont von vier Jahren agiert hätten.“

Die Dinge schleppen sich

Zwar hat Bürgermeister Markus Linhart tatsächlich vor einem Monat eine Arbeitsgruppe einberufen, an der auch die Bürgerinitiative, Verkehrsexperten und das Land teilnahmen. Bis heute aber liegt noch nicht einmal das Protokoll der Besprechung vor. Die ÖBB haben inzwischen klar signalisiert, dass sie am Thema mäßig interessiert sind. Die prognostizierte Zunahme an Güterzügen stellen die ÖBB in Abrede.

Den Designer Frank Mätzler hat das nicht davon abgehalten, einen Film zu drehen, der voraussichtlich im Jänner der Öffentlichkeit vorgestellt wird. Ein Trailer zeigt jetzt schon mit Blick auf den Bregenzer Milchpilz, wie es aussieht, „wenn ein 450-Meter-Güterzug unsere Stadt mit 65 km/h passiert.“ Ellenlang rumpeln die Waggons vorbei. „Wenn die angenommenen Szenarien wahr werden, erleben wir das bis ca. 2020 an die 30 Mal täglich.“ Keine ersprießliche Vorstellung.

Das ist der Grund, weshalb Menschen wie Bertl Widmer, ehemals Geschäftsführer der Firma Blum, sich ins Zeug legen: „Diese Chance aufzugeben, wäre ein Riesenfehler.“ Widmer wünscht sich, dass die Politik zumindest einen Masterplan in Auftrag gibt – „den kann man nämlich finanzieren“ – und alle weiteren Maßnahmen in dem sensiblen Bereich daran bindet. Er glaubt, dass ein Konsens über alle Parteien hinweg zu erzielen ist, „wohl wissend, dass derzeit das Geld für die Bahnverlegung nicht da ist“. Die Bregenzer freiheitliche Frontfrau Andrea Kinz macht den Anfang: „Auch ich bin Genossenschaftsmitglied“,

sagt sie, „weil das der richtige Weg ist für zukünftige Generationen dieser Stadt.“ Klar müsse Bregenz Schulden abbauen, „aber das verbietet doch nicht, an die Zukunft zu denken.“

Wütend macht mich, dass die Politik einfach nur in den Dimensionen ihrer Wahlperioden denkt.

Elmar Girardi, Zima

Klar müssen wir Bregenzer Schulden abbauen, aber das verbietet ja nicht, an die Zukunft zu denken.

Andrea Kinz, FPÖ Bregenz

mehr Informationen zur Genossenschaft unter mehramsee.eu