Schicksalsjahr 1914 beginnt „heiter“

Vorarlberg / 01.01.2014 • 19:37 Uhr
Am 1. Jänner 1914 startete in Florida der erste Passagierflug der Geschichte. Der einzige Passagier zahlte für den 23 Minuten kurzen Flug fast den Gegenwert eines Autos. Flugplätze gab es noch nicht, also benutzte die St.-Peterburg-Tampa-Airline ein Flugboot mit zwei Sitzen. Gerade erst zehn Jahre waren vergangen, seit den Gebrüdern Wright im Dezember 1903 der erste anerkannte Motorflug der Geschichte gelungen war. Sechs Monate nach dem ersten Passagierflug warfen in Europa Zeppeline und Doppeldecker bereits Bomben ab.
Am 1. Jänner 1914 startete in Florida der erste Passagierflug der Geschichte. Der einzige Passagier zahlte für den 23 Minuten kurzen Flug fast den Gegenwert eines Autos. Flugplätze gab es noch nicht, also benutzte die St.-Peterburg-Tampa-Airline ein Flugboot mit zwei Sitzen. Gerade erst zehn Jahre waren vergangen, seit den Gebrüdern Wright im Dezember 1903 der erste anerkannte Motorflug der Geschichte gelungen war. Sechs Monate nach dem ersten Passagierflug warfen in Europa Zeppeline und Doppeldecker bereits Bomben ab.

An Neujahr 1914 deutete kaum etwas auf den bevorstehenden Weltkrieg hin.

Schwarzach. Im Gegensatz zum Neujahrstag 2014 lag Vorarlberg am 1. Jänner 1914 tief verschneit. Die Wochenzeitung „Vorarlberger Volksfreund“ schrieb von 120 cm Schnee am Bödele: „Wetter heiter, Rodelbahn gut.“ Dabei war das alte Jahr stürmisch zu Ende gegangen. Dem Harder Schiffbauer Dörler hatte in der Nacht zum 29. Dezember ein Sturm die frisch errichtete Werfthalle zertrümmert. Vor der Silvesternacht meldeten internationale Zeitungen anhaltende Unwetter im gesamten Ostseeraum, Überschwemmungen in Nordostdeutschland, Berlin versank unter Schneemassen.

Ideologische Stürme

Anders in Vorarlberg. Sechs Monate vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs tobten hier allenfalls Kämpfe ideologiescher Natur. Das klerikale Vorarlberger Volksblatt wetterte in seinem Neujahrsgruß an die Leserschaft gegen die „zügellose Presse“: Sie habe die Menschenwürde in Misskredit gebracht. Denn „nichts führt so sehr wie sie zur Aufreizung der Leidenschaften, zur Aufwühlung der Volksmassen, zur Verwilderung der Sitten und zum Verderben, das grauenhaft durch die Länder zieht“. Die sozialdemokratische „Vorarlberger Wacht“ blieb nicht verlegen und erinnerte die Leserschaft an „das wüste Kesseltreiben der Christlichsozialen gegen die Vertrauensmänner unseres Blattes“. Die Arbeiter habe das freilich nur noch enger zusammengeschweißt.

Wein bleibt teuer

Darüber hinaus beklagte die „Wacht“ den Umstand, dass trotz guter Traubenernte offenbar der Wein nicht ­billiger werde, als denkbar unsozial. Der Festlaune tat das freilich keinen Abbruch: Der Arbeiter-Radfahrerverein rüstete zur Neujahrsfeier, die am 1. Jänner im Dornbirner Gasthof Rössle über die Bühne ging. Voll waren alle Vorarlberger Blätter von sogenannten „Neujahrsentschuldigungen“, eine typisch österreichische Erfindung. Es war damals Brauch, jedem Verwandten oder Bekannten persönlich Glückwünsche für das neue Jahr zu überbringen. Von dieser oft lästigen Pflicht konnte man sich loskaufen, indem man eine „Neujahrs­entschuldigungskarte“ erwarb. Der Käufer dieser Karte wurde in eine Liste von Spendern aufgenommen, die dann in der Zeitung veröffentlicht wurde. Mit dem Geld wurde der Armenfonds aufgebessert. Nicht selten hefteten die Käufer ihre Karten auch an ihre Haustüren, um vorbeikommenden Bettlern zu vermitteln, dass man hier bereits gespendet hatte.

Kein Glück hatte an diesem Silvester vor 100 Jahren indessen der Hatlerdorfer Kaiserjäger Ernst Diem. Aus Angst, er könne keinen Weihnachtsurlaub kriegen, fingierte er in seiner Kaserne in Südtirol, als er auf Wache stand, einen Überfall auf seinen Posten. Er schoss in die Dunkelheit und brachte sich selber leichte Verletzungen bei. Aber seine Vorgesetzten entdeckten den Schwindel. Über Silvester saß Diem im Garnisonsarrest.

Feldkircher Anzeiger am 3. Jänner 1914: Wie die „Zeit“ meldet, hat das österreichische Kriegsministerium sämtlichen aktiven und nichtaktiven Offizieren der Armee verboten, in Uniform Tango zu tanzen.
Feldkircher Anzeiger am 3. Jänner 1914: Wie die „Zeit“ meldet, hat das österreichische Kriegsministerium sämtlichen aktiven und nichtaktiven Offizieren der Armee verboten, in Uniform Tango zu tanzen.
Mit den Worten „gleite in dein Element und der Allmächtige soll dich auf all deinen Wegen beschützen“ läutet Erzherzogin Maria Theresia als Taufpatin am Sonntag, dem 17. Jänner 1914, in Bergudi nahe Fiume (Rijeka) den Stapellauf des Schlachtschiffs Szent István ein. Es soll den Beweis für die Leistungsfähigkeit der ungarischen Industrie erbringen. Das modernste Schiff der k.u.k. Kriegsmarine war mit Sehnsucht erwartet worden. 60 Millionen Kronen kostete es schlussendlich. 25.000 PS (18.387 kW) ermöglichten eine Geschwindigkeit von maximal 20,0 Knoten (37 km/h). 1050 Mann Besatzung fuhren auf diesem Schiff ab 1915 in den Krieg. Aber der Stolz der Monarchie hatte kein Glück. Beim Stapellauf tötete eine ausschlagende Ankerkette einen Werftarbeiter und verletzte einen anderen schwer. Nur 54 Tage verbrachte das Schiff auf See. Am 10. Juni 1918 wurde das Schlachtschiff in der Adria von einem italienischen Schnellboot versenkt.
Mit den Worten „gleite in dein Element und der Allmächtige soll dich auf all deinen Wegen beschützen“ läutet Erzherzogin Maria Theresia als Taufpatin am Sonntag, dem 17. Jänner 1914, in Bergudi nahe Fiume (Rijeka) den Stapellauf des Schlachtschiffs Szent István ein. Es soll den Beweis für die Leistungsfähigkeit der ungarischen Industrie erbringen. Das modernste Schiff der k.u.k. Kriegsmarine war mit Sehnsucht erwartet worden. 60 Millionen Kronen kostete es schlussendlich. 25.000 PS (18.387 kW) ermöglichten eine Geschwindigkeit von maximal 20,0 Knoten (37 km/h). 1050 Mann Besatzung fuhren auf diesem Schiff ab 1915 in den Krieg. Aber der Stolz der Monarchie hatte kein Glück. Beim Stapellauf tötete eine ausschlagende Ankerkette einen Werftarbeiter und verletzte einen anderen schwer. Nur 54 Tage verbrachte das Schiff auf See. Am 10. Juni 1918 wurde das Schlachtschiff in der Adria von einem italienischen Schnellboot versenkt.