Katholisch Klinken putzen

Katholiken in Bregenz und Dornbirn bauen sich ihre Kirche neu. Das hat Konsequenzen.
Dornbirn. (VN) Alle sind sie da. Die Hauptamtlichen der katholischen Pfarreien von Bregenz und Dornbirn haben ihre Teams nach Hatlerdorf mitgebracht. 45 Leute hören im Pfarrsaal nun mit Staunen zu, was ihnen Bernhard Spielberg zu sagen hat. Der kommt aus Würzburg. Er lehrt dort als Pastoraltheologe an der Uni. Im Jänner 2009 hat ihn die Diözese Feldkirch zum ersten Mal nach Vorarlberg geladen. Damals begannen Vorarlbergs Katholiken, die Seelsorge angesichts des dramatischen Priestermangels umzukrempeln. Jetzt geht’s in Bregenz und Dornbirn ans Eingemachte. Und Spielberg legt wieder neue Perspektiven vor.
Eine Generation tritt ab
Die braucht es auch. Die katholische Kirche in Vorarlberg steht mit ihren 245.000 Mitgliedern im stärksten Wandlungsprozess nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil in den 1960er-Jahren. Mit Herbert Spieler, Georg Meusburger, Peter Haas, Elmar Simma, Anton Bereuter usw. tritt eine ganze Generation von Seelsorgern ab. Derzeit stehen landesweit noch 84 Priester im Einsatz. Viele stehen in einem Alter am Altar, in dem profane Menschen längst den Ruhestand genießen. Und in den kommenden zehn Jahren wird sich ihre Zahl um weitere 20 verringern.
Wie hält man dagegen? In Bregenz und Dornbirn mit dem Modell „Kirche in der Stadt“. Die Pfarreien sollen ihre Kräfte bündeln, sagt Spielberg. Und das bedeutet: Derzeit bieten alle Kirchen von Bregenz jeden Sonntag 20 Gottesdienste an. Manche sind gut besucht, andere schütter. Künftig werden es sehr viel weniger sein. „Vier vielleicht oder fünf.“ Für Seelsorgeamtsleiter Walter Schmolly geht es darum, „dass jede Pfarre ihre Charismen entdeckt“. Und entsprechende Angebote schafft. Gottesdienste „für bestimmte Milieus“.
Wie viele Gottesdienste an Werktagen werden nur noch von drei, vier Menschen besucht? Da steht laut Spielberg der Aufwand in keinem Verhältnis zum Nutzen. Priesterliche Ressourcen müssen effizienter eingesetzt werden. Denn „Kirche bleibt überall dort am Leben, wo sie am Leben der Menschen teilnimmt.“ Für die Katholiken aber heißt das: Raus aus den geschützten Räumen. Hin zu den Menschen, die da wohnen. Regelrecht Klinken putzen. Die Menschen nach ihrem Leben fragen. Und zwar nicht nur Christen. Spielberg weiß, „die Überwindung ist hoch“. Aber er hat in Deutschland gute Erfahrungen gemacht. Ein Einstieg könnte sein, dass die Pfarrmitglieder gezielt jeweils zu einem Menschen des öffentlichen Lebens gehen. Zu einem Architekten oder Lehrer oder Politiker. „Dann stellen sie ihnen zwei Fragen: Was bewegt die Menschen hier? Und wofür ist Kirche gut?“ Selbst im ehemals kommunistischen Ostdeutschland „wurden unsere Leute nirgends abgewiesen“.
Der Weg wird
spannend. Aber wenn die Kirchen nicht zu spirituellen Museen verstauben sollen, wird Anstrengung nötig sein.








Viktorsberg







