Was heißt nochmal “Plenar”?

Die Jugend ist nur noch politikverdrossen? Von wegen. In den VN werden sie zu Experten.
Bregenz. Demokratie? Ist ein schwieriges Geschäft. Jeder führt sie im Mund. Und alle Begriffe, die mit ihr einhergehen: Als da sind: Budget und Finanzausgleich, Sanktionen und Fraktion, Volksbegehren und Gewaltenteilung, Föderalismus und Zentralismus. Aber was bedeuten die einzelnen Wörter wirklich? Demokratie, diese „Herrschaft des Volkes“, kann doch eigentlich vom Volk nur ausgeübt werden, wenn das Volk sie auch versteht. Wenn es die Pfade durch alle Untiefen der Politik trittsicher beschreitet. Aber kann das auch jeder? Die VN haben nachgefragt. Dort, wo es eigentlich klar sein sollte. In einer sechsten Klasse am Bundesgymnasium Blumenstraße bei Prof. Christoph Jungblut. Der unterrichtet die 6c in Geschichte und Politischer Bildung. Das ist nicht immer gleich aufregend. Jetzt aber rauchen die Köpfe. In kleinen Gruppen machen sich Gamze, Lisa, Marc, Ali und die anderen an die Arbeit. Sie nehmen sich einen neunjährigen Buben als Zielpublikum. Der muss ihre Erklärungen verstehen. Da liegt die Messlatte.
Warum nicht einfach googeln?
Es ginge ja alles ganz einfach. Will man etwa das Wort „Plenarsitzung“ übersetzen, schlägt man im Internet nach und landet in 0,16 Sekunden bei diesem Satz: „Das Plenum ist die Vollversammlung, also die Sitzung möglichst aller Mitglieder einer Institution.“ Das ist richtig. Aber wenn Philipp seinem neunjährigen Bruder das Wort erklären müsste, würde er mit Institution schon Stirnrunzeln verursachen, aber kein Verständnis. Also zeichnet er ihm das Bild seiner eigenen Fußballmannschaft: „Wenn ihr alle zur Teambesprechung kommt, ohne Ausnahme, das ist dann wie eine Plenarsitzung.“ Die Unterschiede sind marginal: Die einen im Fußballtrikot, die anderen in Anzug und Krawatte, hier in der Umkleidekabine, dort im Parlament.
Das Pausenzeichen verhallt an diesem Donnerstagmorgen ungehört. So sehr haben sich die Schülerinnen und Schüler in ihre Demokratie-Lehrstücke verbissen. Was sie und viele ihrer Kollegen in den kommenden Wochen erarbeiten, werden die VN Zug um Zug veröffentlichen. So wird auf lange Sicht ein Wissensort „Demokratie“ der ganz anderen Art entstehen.