Einfach „an g’höriga Bua“

Vorarlberg / 08.04.2014 • 20:40 Uhr
Gevorg, Aschchen, Araksja und Raffi Aghajanyan: Am Donnerstag wird ihr Schicksal in Bregenz verhandelt.  VN/PS
Gevorg, Aschchen, Araksja und Raffi Aghajanyan: Am Donnerstag wird ihr Schicksal in Bregenz verhandelt. VN/PS

Neben der Gemeinde Sulzberg setzen sich auch Schüler für armenische Asylwerber ein.

Sulzberg. (VN) Der Fall der armenischen Flüchtlingsfamilie Aghajanyan hat viele Menschen bewegt. Nicht nur in Sulzberg, wo Araksja (42) und Gevorg (43) zusammen mit ihren Kindern Aschchen (20) und Raffi (19) auf eine Entscheidung über ihr Schicksal warten. Jetzt werden sie am Donnerstag beim Landesverwaltungsgericht angehört. „Wir werden sie natürlich begleiten“, sagt der Sulzberger Gemeinde­sekretär Erwin Steurer und schließt die Caritasbetreuerin und den Rechtsvertreter der Asylwerber mit ein.

Die Aghajanyans kamen 2010 nach Österreich. Sie waren geflohen, nachdem Gevorg als Oppositioneller 90 Tage im Gefängnis zugebracht hatte. Was ihm dort passiert ist, will er nicht sagen. Aber es hat offensichtlich völlig ausgereicht, ihm eine Höllenangst einzujagen. Seit drei Jahren leben die Armenier nun in Sulzberg quasi auf Abruf. Von einer Frist zur nächsten. Ihr Asylgesuch wurde abgelehnt. Dass sie in Sulzberg bestens integriert sind, dass die Kinder hier Schulen besuchen und beide Elternteile Arbeitszusagen in der Tasche haben, hat bislang niemanden interessiert.

Aber nun nimmt sich als quasi letzte Instanz in diesem Fall das Landesverwaltungsgericht der Sache gründlicher an. Während es laut Bürgermeister Helmut Blank zuvor noch kein Behördenvertreter der Mühe wert fand, sich die Lage der Familie in Sulzberg anzuschauen, wurden die Aghajanyans nun vom zuständigen Richter nach Bregenz vorgeladen. Am Donnerstag, 10. April 2014, ist Verhandlung.

An diesem Tag werden auch Alexander, Martin, Niklas, Enes und all die anderen zittern. Sie besuchen gemeinsam eine Klasse der Bezauer Wirtschaftsschulen. Raffi ist ihr Mitschüler. In einem bewegenden Brief wenden sich die Jugendlichen an die VN-Leserschaft. Sie schreiben:

„Liebe Leserinnen und Leser, Sie müssen verstehen, Raffi ist seit Anfang des Schuljahres ein wichtiges Mitglied für uns in unserer Klasse, deshalb wollen wir auf
gar keinen Fall, dass er Österreich und damit auch seine Freunde – also uns – verlässt. Raffi lernt seit drei Jahren unsere Sprache und spricht erstaunlich gutes, fast akzentfreies Deutsch. Wir sind alle immer wieder völlig überrascht, wenn uns bewusst wird, dass er gar nicht von Geburt an in Österreich lebt. Am meisten beeindruckt uns aber immer wieder seine Arbeitseinstellung: Raffi nutzt jede freie Minute für die Schule und das spiegelt sich in seinen guten Noten wieder. Als Vorarlberger würde man sagen, der Raffi ist einfach ,an g’höriga Buob, der schaffa ka‘. Wir verstehen nicht, warum es so schwierig ist, einem so fleißigen Menschen wie Raffi bzw. seiner Familie eine Aufenthaltsgenehmigung zu geben.

Wir hoffen, dass die Gerechtigkeit siegt und der Staat Österreich erkennt, dass die Familie Aghajanyan keine Last, sondern eine Bereicherung ist.“