Kreuzwege Tag für Tag

Vorarlberg / 17.04.2014 • 20:21 Uhr
1. Station Jesus wird zum Tode verurteiltMenschen werden abgeführt, auch durch unsere Vorurteile abgestempelt. Mag sein, dass das Todesurteil in einer endgültigen Diagnose steckt – in jedem Fall hilft es in diesem Augenblick, wenn einer da ist, der zu dir steht. Der sagt: Du bist was wert, bist nicht allein.
1. Station
Jesus wird zum Tode verurteilt
Menschen werden abgeführt, auch durch unsere Vorurteile abgestempelt. Mag sein, dass das Todesurteil in einer endgültigen Diagnose steckt – in jedem Fall hilft es in diesem Augenblick, wenn einer da ist, der zu dir steht. Der sagt: Du bist was wert, bist nicht allein.

Russpreisträger Elmar Simma stellt für Karfreitag den Kreuzweg in aktuelle Bezüge.

Feldkirch. Wenn Caritas-Seelsorger Elmar Simma (75) aus dem Fenster schaut, blickt er auf die geschmückten Gräber des evangelischen Friedhofs. Tod und Leben liegen bei ihm ganz nah beieinander. Dass das Trostbuch, an dem er gegenwärtig arbeitet, den Titel tragen wird: „Jeden Tag und irgendwann“, kommt nicht von ungefähr. So fühlt sich das eben an, wenn ein lieber Mensch gestorben ist. Tag für Tag kämpft man die Trauer mit Routine nieder, meidet Plätze der Erinnerung, „geht früher zu Bett, weil die gemeinsamen Abende so schön waren“. Aber irgendwann lernt man mit dem Verlust zu leben. Irgendwann wird das Unfassbare fassbar.

Elmar Simma hat sein ganzes Priesterleben der Aufgabe gewidmet, Menschen in Höhen und Tiefen zu begleiten. Dass der Karfreitag jedes Jahr die Endgültigkeit des Todes zu untermauern scheint, stachelt Simmas Widerspruch an. „Den Tod“, sagt er, „müssen wir als Teil des Lebens begreifen.“ Aber der Gedanke, dass damit alles zu Ende ist, „dieses Aus und Fertig ist mir unerträglich“. Er nimmt ein Buch von der deutschen Lyrikerin Hilde Domin zur Hand. Aus ihrem Gedicht „Die schwersten Wege werden allein gegangen“ fasst er die entscheidenden Zeilen ins Auge und liest:

„Nimm eine Kerze in die Hand wie in den Katakomben, das kleine Licht atmet kaum. Und doch, wenn du lange gegangen bist, bleibt das Wunder nicht aus, weil das Wunder immer geschieht und weil wir ohne die Gnade nicht leben können.“ Nach jeder Nacht „wird die Kerze hell vom freien Atem des Tags. Du bläst sie lächelnd aus.“

Der Tod kann nicht das Ende sein. So ein Aus ist unerträglich.

Elmar Simma
9. Station Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz.Ausgebrannt: Der völlige Zusammenbruch wirft Menschen auf die Sinnfrage zurück. Sie müssen viel ändern, um nach dem Burnout in ein neues Leben zu finden. Zunächst freilich liegen sie am Boden. Regungslos. Auch nichts tun will ertragen werden.
9. Station
Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz.
Ausgebrannt: Der völlige Zusammenbruch wirft Menschen auf die Sinnfrage zurück. Sie müssen viel ändern, um nach dem Burnout in ein neues Leben zu finden. Zunächst freilich liegen sie am Boden. Regungslos. Auch nichts tun will ertragen werden.
4. Station Jesus begegnet seiner Mutter.Einerseits ist es tröstlich, wenn Nahestehende da sind. Schmerzlich ist es dagegen, dass man ausgerechnet ihnen wehtun muss. Die Mutter freilich steht zu ihrem Kind, selbst wenn es verurteilt, gedemütigt wird. Da ist nichts, was diese Liebe trennen kann.
4. Station
Jesus begegnet seiner Mutter.
Einerseits ist es tröstlich, wenn Nahestehende da sind. Schmerzlich ist es dagegen, dass man ausgerechnet ihnen wehtun muss. Die Mutter freilich steht zu ihrem Kind, selbst wenn es verurteilt, gedemütigt wird. Da ist nichts, was diese Liebe trennen kann.
14. Station Der Leichnam Jesu wird ins Grab gelegt.Das Begräbnis, Kerzen anzünden, zum Friedhof gehen: Rituale stützen Trauernde ungemein. Simma denkt dabei an eine alte Frau: „Sie geht jeden Abend zum Foto ihres verstorbenen Mannes, streichelt es und sagt ihm Gute Nacht.“
14. Station
Der Leichnam Jesu wird ins Grab gelegt.
Das Begräbnis, Kerzen anzünden, zum Friedhof gehen: Rituale stützen Trauernde ungemein. Simma denkt dabei an eine alte Frau: „Sie geht jeden Abend zum Foto ihres verstorbenen Mannes, streichelt es und sagt ihm Gute Nacht.“
7. Station Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuz.Immer wieder aufstehen müssen, das kann Menschen völlig überfordern. Hilfreich ist da, wenn man den Blick auf den heutigen Tag begrenzt. Ich weiß schon, dass weitere folgen werden, aber jetzt bewältige ich erst einmal diesen einen vor mir liegenden Tag.
7. Station
Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuz.
Immer wieder aufstehen müssen, das kann Menschen völlig überfordern. Hilfreich ist da, wenn man den Blick auf den heutigen Tag begrenzt. Ich weiß schon, dass weitere folgen werden, aber jetzt bewältige ich erst einmal diesen einen vor mir liegenden Tag.
8. Station Jesus begegnet den weinenden Frauen.Dabeistehen und weinen, das nützt nicht viel. Und doch drücken die Trauernden bei einem Begräbnis aus, dass der Verstorbene etwas bedeutet hat. Wie viele Bündel an Kondolenzpost werden wohl sorgsam aufbewahrt und Jahre später noch gelesen?
8. Station
Jesus begegnet den weinenden Frauen.
Dabeistehen und weinen, das nützt nicht viel. Und doch drücken die Trauernden bei einem Begräbnis aus, dass der Verstorbene etwas bedeutet hat. Wie viele Bündel an Kondolenzpost werden wohl sorgsam aufbewahrt und Jahre später noch gelesen?
5. Station Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz tragen.Oft ist schon viel erreicht, wenn man in Notzeiten Menschen findet, die zwar keine Lösungen haben, aber betroffen sind. Die dir zeigen, dass es ihnen nicht egal ist, wie es dir geht. Dies ist die Kreuzwegstation wider die Gleichgültigkeit.
5. Station
Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz tragen.
Oft ist schon viel erreicht, wenn man in Notzeiten Menschen findet, die zwar keine Lösungen haben, aber betroffen sind. Die dir zeigen, dass es ihnen nicht egal ist, wie es dir geht. Dies ist die Kreuzwegstation wider die Gleichgültigkeit.
6. Station Veronika reicht Jesus das Schweißtuch.Wenn später erzählt wurde, das Gesicht Jesu habe sich in dem Tuch abgebildet, sagt das viel über die Aufmerksamkeit und Zärtlichkeit der Geste Veronikas. Elmar Simma denkt an eine Mutter, „die ihrem behinderten Kind zum 1000. Mal den Speichel abwischt“.
6. Station
Veronika reicht Jesus das Schweißtuch.
Wenn später erzählt wurde, das Gesicht Jesu habe sich in dem Tuch abgebildet, sagt das viel über die Aufmerksamkeit und Zärtlichkeit der Geste Veronikas. Elmar Simma denkt an eine Mutter, „die ihrem behinderten Kind zum 1000. Mal den Speichel abwischt“.
10. Station Jesus wird seiner Kleider beraubt.Wer nackt, entblößt, verletzlich vor der Menge steht, braucht einen Schutzmantel. Sich wertschätzend und behutsam vor die Buhrufe und Kommentare anderer zu stellen, wird im Zeitalter des multimedialen Prangers immer wichtiger.
10. Station
Jesus wird seiner Kleider beraubt.
Wer nackt, entblößt, verletzlich vor der Menge steht, braucht einen Schutzmantel. Sich wertschätzend und behutsam vor die Buhrufe und Kommentare anderer zu stellen, wird im Zeitalter des multimedialen Prangers immer wichtiger.
2. Station Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern.Manchmal müssen wir etwas annehmen, das nicht mehr zu ändern ist. Eine Trennung, den Verlust des Arbeitsplatzes, eine körperliche Beeinträchtigung auf Lebenszeit. Das ist furchtbar. Aber nur, was erkannt und benannt wird, kann auch geheilt werden.
2. Station
Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern.
Manchmal müssen wir etwas annehmen, das nicht mehr zu ändern ist. Eine Trennung, den Verlust des Arbeitsplatzes, eine körperliche Beeinträchtigung auf Lebenszeit. Das ist furchtbar. Aber nur, was erkannt und benannt wird, kann auch geheilt werden.
12. Station Jesus stirbt am Kreuz.Der Tod ist Teil des Lebens. Das biblische Bild vom Weizenkorn, das in die Erde fällt und Frucht trägt, drückt angesichts des Sterbens die eine feste Überzeugung aus: Das kann es nicht gewesen sein. Davon ist Caritas-Seelsorger Elmar Simma fest überzeugt.
12. Station
Jesus stirbt am Kreuz.
Der Tod ist Teil des Lebens. Das biblische Bild vom Weizenkorn, das in die Erde fällt und Frucht trägt, drückt angesichts des Sterbens die eine feste Überzeugung aus: Das kann es nicht gewesen sein. Davon ist Caritas-Seelsorger Elmar Simma fest überzeugt.
11. Station Jesus wird ans Kreuz genagelt.Angenagelt werden bedeutet ohnmächtig sein, nichts mehr tun können. Hilde Domin hat es in ein Gedicht gefasst: „Die schwersten Wege werden allein gegangen.“ Auch Provikar Carl Lampert hat seinen Weg zu Ende gebracht. Die Nazis haben ihn 1944 ermordet.
11. Station
Jesus wird ans Kreuz genagelt.
Angenagelt werden bedeutet ohnmächtig sein, nichts mehr tun können. Hilde Domin hat es in ein Gedicht gefasst: „Die schwersten Wege werden allein gegangen.“ Auch Provikar Carl Lampert hat seinen Weg zu Ende gebracht. Die Nazis haben ihn 1944 ermordet.