Wo sich Polka mit dem Rock ’n’ Roll verbünden

Nicole Wrann hat mit ihrem „Fun Dance“ den Spaß am Tanzen neu erfunden.
Feldkirch. Singen kann sie nicht, aber tanzen. Wie ein Orkan fegt Nicole Wrann durch den Raum und reißt alle mit. Ob sie wollen oder nicht. Aber die Frauen, die im Saal des Pfarrheims in Feldkirch-Altenstadt im Sog ihrer quirligen Vortänzerin schwitzen, tun das bereitwillig. Denn Nicole Wrann hat den Spaß am Tanzen buchstäblich neu erfunden und mit „Fun Dance“ einen neuen Fitnesstrend kreiert. Munter mixt die 43-Jährige aus Feldkirch verschiedene Tanzstile zu eigenwilligen Choreografien zusammen. Da wundert es nicht, dass sogar die Polka Rock ’n’ Roll tanzt.
Bewegung für alle
Nicole Wrann lebt für das Tanzen. Schon mit zwei Jahren zog sie die Ballettschuhe an. Ihr Weg zur Berufstänzerin war vorgezeichnet. Später lernte sie das Handwerk der Choreografie und inszenierte unter anderem Bühnenshows für das ZDF. Irgendwann hatte Wrann jedoch genug von der Zusammenarbeit mit Leuten, die tanzen müssen. „Ich wollte Menschen um mich, die freiwillig kommen“, erzählt sie. Zurück in der Heimat gründete sie ihren Verein „Fit and Dance“. Seitdem bewegt Nicole Wrann im besten Sinne des Wortes.
Allein zum „Fun Dance“ kommen pro Woche rund 400 Frauen und Mädchen. Die älteste Teilnehmerin ist 72, die jüngste 8 Jahre alt. „,Fun Dance‘ ist also etwas für alle“, bemerkt seine Erfinderin, die auf diese Art von Bewegung kam, weil ihr Zumba zu eintönig wurde. Immer die gleichen Grundschritte, immer die gleiche Musik: „Warum nicht alles bunt mischen?“, fragte sich Nicole Wrann eines Tages. Der „Fun Dance“ war erfunden.
Interesse am Konzept
Er besteht aus relativ vielen Schrittkombinationen, was auf den ersten Blick leicht abschreckend wirken mag. Doch nach spätestens drei bis vier Einheiten funktioniert es wie am Schnürchen. Zum Lernen bleibt genug Zeit. Die Choreografie wechselt erst nach fünf Monaten wieder. Was die einfallsreiche Blondine freut: Es gibt bereits reges Interesse an ihrem Konzept auch außerhalb der Landesgrenzen. „Es muss ja nicht immer alles aus Amerika kommen“, meint sie mit einem spitzbübischen Lächeln. Der Erfolg gibt ihr in dieser Einschätzung wohl recht. An tanzbegeisterter Klientel mangelt es jedenfalls nicht.
Mit Spaß gegen Kilos
Martina und Sabrina sind seit gut einem Jahr dabei. Abgesehen davon, dass es den jungen Frauen hörbar Freude macht, nagte die schweißtreibende Stunde auch an ihren Fettreserven. „Ich habe 8 Kilo abgenommen“,
sagt Sabrina. „Bei mir waren es 12 Kilo“, legt Martina nach. Auch Melanie berichtet von einem „tollen Effekt auf den ganzen Körper“. Diesbezügliche Ansprüche plagen Tara nicht, denn die Zehnjährige ist in der Rhythmischen Gymnastik zu Hause. Doch mit allen Teilnehmerinnen gemeinsam hat sie den Spaß an der Sache. Und für den Sport kann sie das Tanzen ohnehin gut gebrauchen.
Manche Frauen tanzen sich beinahe täglich zu scheppernder Hitparadenmusik die Seele aus dem Leib, andere kommen mindestens zwei bis drei Mal pro Woche. Es hat tatsächlich etwas ansteckend Leichtes, wenn Nicole Wrann mit keck schwingenden Hüften über das Parkett gleitet und ihrer Begeisterung laut rufend Ausdruck verleiht. Da spielt es keine Rolle, dass die Übungen zum Teil weit von einer Synchronisation entfernt sind. „Hauptsache, es macht Spaß“, ruft sie und wirbelt fröhlich weiter. Die anderen machen es ihr nach. So einfach kann Abschalten vom Alltag manchmal sein.
