Das kostbare Stück dazwischen
Kennen Sie das? Man sitzt auf gepackten Koffern, aber der Bus ist noch nicht da. Mutter durchsucht zum zehnten Mal die Zimmer. Die Kinder quengeln. Vater fixiert den schläfrigen Nachtportier. Ob der Zugang zum Barkühlschrank hat? Aber es ist längst alles bezahlt. Völlige Ebbe im Portemonnaie mit der Landeswährung. Wann kommt der Bus? Die Kinder fragen. Der Vater fragt sich das auch. Mutter hält triumphierend die vor acht Tagen verlorene Haarspange in die Höhe.
Wir sind für diese Zeit zwischen den Zeiten schlecht gerüstet. Davor war Action, danach wird Action sein. Aber dazwischen? Also behilft man sich. Wir bringen uns aus der Verlegenheit der letzten Stunden, indem wir Pläne für „ein letztes Mal“ wälzen: Ein letztes Mal in den Pool, ein letztes Mal am Strand spazieren, den Urlaubsflirt treffen, den letzten Espresso schlürfen, der diesen Namen auch verdient. Oder ein Schnäpschen, wenn der Flieger spätabends geht.
Immer versucht man, der Zeit zwischen den Zeiten noch etwas abzupressen: Ein allerletzter Tropfen Erholung oder Erlebnis, als hielte man eine Zitrone über ein Wiener Schnitzel. Aber es wird selten was. Diese letzten Stunden geben nichts her. Dabei böten sie, was uns vorher und nachher oft vorenthalten wird: nichts. Ein wunderbares, leeres Gefäß an Zeit, die verstreicht. Die nicht gestaltet werden will, nur erlebt. Zeit zwischen zwei Beziehungen, um zu sich zu kommen. Verschnaufpause zwischen zwei Jobs. In manchem Urlaub gar die einzige konfliktfreie Zone.
thomas.matt@vorarlbergernachrichten.at, 05572/501-724
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