Ein Leben in der Warteschleife

Vorarlberg / 19.11.2014 • 20:03 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Lustige Spiele gehören dazu: In der Kuscheldecke geschwungen zu werden, macht dem kleinen Omer großen Spaß.  Fotos: VN/Hofmeister
Lustige Spiele gehören dazu: In der Kuscheldecke geschwungen zu werden, macht dem kleinen Omer großen Spaß. Fotos: VN/Hofmeister

Purzelbaumgruppen bringen ein bisschen Abwechslung in den Flüchtlingsalltag.

bludesch. Singen, tanzen, basteln, lachen, unbeschwert sein: Mütter und Kinder kosten diese zwei Stunden sichtlich aus, bringen sie doch ein bisschen Abwechslung in das zermürbende Warten auf den Asylbescheid. Denn die Frauen, die sich einmal pro Woche im Haus Gaisbühel zusammenfinden, sind Flüchtlinge. Erstmals gibt es auch für sie das Angebot von Purzelbaum-Eltern-Kind-Gruppen. Hier können die Frauen Kontakte knüpfen, vor allem aber Deutsch lernen. Lustige Kinderlieder und die Unterstützung durch zwei Betreuerinnen erleichtern den Einstieg in eine schwierige Sprache.

Behagliche Atmosphäre

Seit zehn Jahren dient ein Nebengebäude der ehemaligen Lungenheilstätte Gaisbühel der Caritas als Flüchtlingsunterkunft. Einladend sieht anders aus, doch Jeannette Bobos und Roza Mjagtschieva haben den Raum für die Purzelbaumgruppen liebevoll ausgestaltet. Bunte Kissen, Spielzeug, herbstlich dekorierte Fenster und Fotos der Kinder sorgen für eine behagliche Atmosphäre in einer ansonsten eher tristen Umgebung. Jeannette Bobos leitet die Gruppe in Gaisbühel, Roza Mjagtschieva, die selbst vor vielen Jahren als Flüchtling ins Land kam, eine in Feldkirch. Außerdem steht sie in Gaisbühel als Dolmetscherin zur Verfügung. In ihrer tschetschenischen Heimat war Roza Lehrerin. Hier wollte sie auch etwas mit Kindern tun. Deshalb absolvierte sie so wie Jeannette die entsprechende Ausbildung.

Zwölf Wochen dauert ein Turnus. „Mitte Jänner beginnt der nächste“, kündigt Jeannette Bobos schon ein Weitermachen an. Sie weiß warum. „Die Menschen hier haben sehr wenig Kontakt zur Außenwelt und kaum deutschsprechende Nachbarn“, erzählt die Götznerin. Deshalb sind ihr im Rahmen der Purzelbaumgruppen auch Exkursionen so wichtig. Vergangene Woche war sie mit Kind und Kegel in der Bücherei in Schlins. „Alle haben ein Buch ausgeliehen, also müssen sie es wieder zurückbringen“, so der Gedankengang von Jeannette Bobos, die möchte, dass die Frauen den Mut finden, hinauszugehen. Mavdzuhda flüchtete mit ihrer Familie vor eineinhalb Jahren aus Tadschikistan nach Österreich. In Vorarlberg gefällt es der jungen Frau, die inzwischen das fünfte Kind zur Welt brachte. Maryam ist mit vier Monaten die Jüngste in der Purzelbaumrunde. „Endlich darf ich dabei sein“, schwärmt ihre Mutter. Sie möchte nämlich unbedingt Deutsch lernen. In der Gruppe kann sie das. Hier wird bewusst nur Hochdeutsch gesprochen. Jeannette Bobos beginnt mit Kinderliedern und Fingerspielen. Danach steht Basteln auf dem Programm, anschließend ein Elternthema.

Hoffen auf das Bleiberecht

Diesmal sind die Frauen angehalten, anhand von Bildern ihre persönlichen Kraftquellen für den nicht einfachen Alltag im Flüchtlingsstatus zu benennen. „Sie sollen sich auch mit ihren Bedürfnissen auseinandersetzen können“, sagt Jeannette Bobos. Die quirlige Kinderschar lässt ein Innehalten zwar nur bedingt zu, doch die Mütter nehmen es gelassen. Sie erfreuen sich einfach am Austausch untereinander. Gemeinsam ist ihnen auch die Hoffnung auf ein baldiges Ende des Asylverfahrens mit Bleiberecht. „Wir würden sehr gerne hier bleiben“, offenbart Mavdzuh­da und drückt Maryam fest an sich.

Die Purzelbaum-Eltern-Kind-Gruppen werden von der Katholischen Elternbildung in Kooperation mit der Caritas durchgeführt. Die Kosten für das Projekt trägt die Caritas.

Singend lernt Mavdzuhda Deutsch. Maryam hört noch zu.
Singend lernt Mavdzuhda Deutsch. Maryam hört noch zu.