Mit dem Pfefferspray gegen Bierglas-Attacke

Vorarlberg / 20.11.2014 • 22:27 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Barbesucher sprühte mit Pfefferspray wild um sich. Symbolfoto: VN/PS

Barbesucher sprühte mit Pfefferspray wild um sich. Symbolfoto: VN/PS

Aus reiner „Notwehr“ verletzte ein Fernfahrer drei Lokalgäste mit dem Pfefferspray.

Dornbirn. 14 Vorstrafen und ein auferlegtes Waffenverbot waren für einen Unterländer keine Argumente, sich nicht mit einem Pfefferspray zu bewaffnen. „Ich bin ein braver Kerl. Aber wenn du als Fernfahrer nach Neapel oder Marseille fährst, dann weißt du, was du brauchst“, begründet er vor dem Dornbirner Bezirksrichter Frank Plasinger sein Vergehen.

Eine der Anklagen gegen ihn lautet auf Körperverletzung. Drei Personen soll er in einer Bar mit dem Pfefferspray attackiert haben. So waren ein Italiener, ein Kosovo-Albaner und ein junges Mädchen in den ätzenden Sprühstrahl aus seiner Dose geraten.

Italienische Zeugin

Im Visier des Pfefferspray-Schützen stand eigentlich nur der Italiener. „Er hat ein Bierglas ausgeschüttet und wollte damit auf mich losgehen“, verteidigt er vor Gericht seine Handlung, die als reine Notwehr zu verstehen sei. „Er wollte mir das Glas auf den Grind schlagen. Ich fühlte mich bedroht und hatte einfach Schiss. Ich bin ein Fünfziger, er war jünger und besser in Form. Und die beiden anderen sind einfach nur zu nahe bei ihm gestanden. Bei denen habe ich mich schon herzlichst entschuldigt.“

Warum es zu dieser Auseinandersetzung kam, will der Richter auch von einer Zeugin wissen. Sie ist Italienerin und ihr Vorarlberger Lebensgefährte muss bei der Einvernahme zeitweise als Übersetzer fungieren. Dabei kristallisiert sich heraus, dass der damalige italienische Kontrahent des Fernfahrers keinerlei Gewaltpotenzial in sich trage. „Der Carlo ist nur etwas aufbrausend. Ein Typ, der sich schnell aufregt. Aber außer einem großen Blablabla ist da nichts dahinter“, sagt sie.

„Grazie und ciao“

Es ist die dritte Hauptverhandlung in dieser Sache. Ihre ersten Termine als Zeugin hat die Italienerin versäumt. „Ich dachte, es sei nicht so wichtig. Jetzt weiß ich es“, sagt sie angesichts der Ordnungsstrafe, die sie deshalb vom Gericht auferlegt bekommen hat. Doch Richter Plasinger erkennt aufrichtige Reue im Gemüt der Italienerin und erlässt ihr die Buße. Mit einem erleichterten „Grazie und ciao!“ verlässt sie den Verhandlungssaal. Zurück zum Beschuldigten. Er beharrt auf Notwehr. „Wir sind hier in der Republik Österreich. Da muss man bei der Wahrheit bleiben“, beteuert er. Der Richter glaubt ihm, versteht seine Handlung ebenfalls als Panikreaktion und spricht ihn vom Vergehen der Körperverletzung frei. Nun bleibt aber noch der Verstoß gegen das Waffengesetz. Als „Reizstoffsprühgerät“ gilt ein Pfefferspray gesetzlich als Waffe. Und gegen den Beschuldigten, in dessen Vorstrafenregister auch vier Gewaltdelikte angeführt sind, besteht ein aufrechtes Waffenbesitzverbot.

Die Konsequenz daraus: Der Fernfahrer wird verurteilt und muss 560 Euro Strafe zahlen.

Richter Frank Plasinger. Foto: Lang  

Richter Frank Plasinger. Foto: Lang