Kinderschutz auf dem Abstellgleis

Vorarlberg / 02.04.2015 • 19:19 Uhr
Kinderschutz auf dem Abstellgleis

Aus dem Kompetenzzentrum soll nun eine Koordinationsstelle werden. 

feldkirch. Als „wichtigen Meilenstein“ in der Förderung und Weiterentwicklung des Kinderschutzes in Vorarlberg wurde die Eröffnung des Kompetenzzentrums für Kinderschutzfragen gefeiert. Zwei Jahre später steht die Einrichtung auf dem Abstellgleis. Die Vereinsstruktur erwies sich als völlig untauglich für die Bearbeitung der gestellten Aufgabenfelder, und die als besonders wichtig erachtete Öffentlichkeitsarbeit im Sinne einer Bewusstseinsbildung fand erst gar nicht statt. „Vor allem  wurden die Vorschläge des Fachbeirates Kinder- und Jugendhilfe nicht aufgegriffen“, bemängelt Kinder- und Jugendanwalt Michael Rauch. Von einer bescheidenen Kommunikation nach außen zeugt auch der Umstand, dass die Auflösung des Kompetenzzentrums bereits seit Dezember beschlossene Sache ist, die Information aber erst am Mittwoch die Öffentlichkeit erreichte.

Geschäftsführer kündigte

Ebenfalls bis dato unbekannt war, dass Geschäftsführer Werner Grabher schon im vergangenen Herbst seine Kündigung eingereicht hatte. Er kehrt, wie Soziallandesrätin Katharina Wiesflecker auf VN-Nachfrage bestätigte, in den Landesdienst zurück. Ob Grabher, der vor seinem Wechsel die Jugendwohlfahrt leitete, wieder in dieser Abteilung tätig wird, ist noch nicht entschieden. Sicher ist hingegen, dass sich am kommenden Mittwoch der Sozialpolitische Ausschuss mit der Auflösung des Kompetenzzentrums befasst. „Spätestens dort erwarte ich mir eine Klärung, wie es in dieser Sache  weitergeht“, sieht der Kinder- und Jugendanwalt bezüglich der Schaffung entsprechender Strukturen jetzt die Landesregierung in der Pflicht. 

Soziallandesrätin Katharina Wiesflecker will indes nicht von einem Scheitern des Kompetenzzentrums sprechen. „Es hat sich nur die Vereinsstruktur nicht bewährt, die inhaltliche Arbeit wird nicht infrage gestellt“, betonte Wiesflecker gegenüber den VN. Nach der Kündigung des Geschäftsführers habe sich außerdem die Frage einer Neuausschreibung  des Postens gestellt. Weil es aber auch Vorbehalte und Ablehnung von zentralen Akteuren im Kinderschutz gab und sich die Abstimmung mit dem Verein sowie dem Land als schwerfällig erwies, unter anderem bei notwendigen Kooperationen, zog Michael Rauch als Vereinsvorstand die Konsequenzen und leitete die Auflösung ein. Und die will er sauber abwickeln.

Dass überhaupt eine Vereinsstruktur gewählt wurde, hängt mit der Empfehlung eines deutschen Experten zusammen, der die Thematik in einer eigenen Organisation besser aufgehoben sah. Allerdings fehlte dem Kompetenzzentrum die Breite. Lediglich Gemeindeverband und Landesregierung waren vertreten, dazu kam die Kinder- und Jugendanwaltschaft als fachlicher Beistand. Regelmäßige Sitzungen gab es nicht. Doch solche hält Rauch für unabdingbar, weshalb er eine direkte Anbindung an das Land befürwortet. „Die Agenden des Kinderschutzes gehören in eine Hand, das bringt mehr an Effizienz“, wird er deutlich.

Katharina Wiesflecker redet bereits einer neuen Koordinationsstelle für Kinderschutz im Amt der Landesregierung das Wort. Kooperation und Beteiligung, Forschung und Qualitätsentwicklung, Qualifizierung und Weiterbildung sowie Öffentlichkeitsarbeit würden wesentliche Tätigkeitsfelder bleiben. In der Phase der Neupositionierung sollen auch mit den Trägern der privaten Kinder- und Jugendhilfe intensive Gespräche geführt werden.

Die inhaltliche Arbeit des Zentrums wird nicht infrage gestellt.

Katharina Wiesflecker