Schutz vor gefährlichem Rhein

Vorarlberg / 13.05.2015 • 21:12 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Einen fertigen Evakuierungsplan hat derzeit nur Lustenau. Koblach würde einen brauchen.

Schwarzach. Der Koblacher Bürgermeister Fritz Mayerhofer (58) lässt sich nicht beunruhigen. „Dieses Worst-Case-Szenario mit einem Rheindammbruch und einer sieben Meter hohen Überschwemmung des Gemeindegebiets halte ich für derart unrealistisch, dass wir damit nicht die Leute erschrecken sollten.“ Mayerhofer argumentiert damit, dass der Rhein auf Höhe Koblach eine Abflusskapazität von 4300 Kubikmeter aufweise. „Also könnte uns nicht einmal ein 300-jährliches Hochwasser etwas anhaben. Da ist die Situation bei Lustenau und weiter nördlich Richtung Bodensee eine andere. Dort hat der Rhein nur eine Abflusskapazität von 3100 m3/Sek.“, argumentiert Mayerhofer. „Stimmt“, sagt Experte Markus Mähr (41), seines Zeichens Leiter des Hochwasserschutzprojekts RHESI (= Rhein, Erholung, Sicherheit). „Aber“, ergänzt der Experte, „es ist höchst zweifelhaft, ob der Rheindamm bei Koblach einen Durchfluss von 4300 m3/Sek. aushalten würde.“

Was hält der Damm aus?

Die derzeit durchgeführten Stabilisierungsarbeiten am Rheindamm an elf Stellen auf Vorarlberger Seite sind laut Mähr nur auf einen Durchfluss von 3100 m3/Sek. ausgerichtet. „Ich würde Koblach raten, einen auf die Kommune abgestimmten eigenen Katastrophenplan zu machen“, wird Mähr direkt. Nachsatz: „Natürlich in der Hoffnung, dass sie diesen niemals brauchen werden.“ Einen solchen Plan hat die Gemeinde derzeit nicht.

Einen solchen hat derzeit nur die Gemeinde Lustenau. Dort würde ein Extremhochwasser Teile der Gemeinde zwar „nur“ maximal fünf Meter unter Wasser setzen, dort ist andererseits jedoch die Gefahr eines Extremereignisses größer, weil die Durchflusskapazität des Rheins derzeit nur 3100 m3/Sek. beträgt. Gleiches gilt für Höchst, Fußach, Gaißau und Hard.

Fragebogen

„Wir haben einen Katastrophenplan samt Evakuierungsszenarien gemeinsam mit einer Südtiroler Expertenfirma erstellt“, berichtet Bürgermeister Kurt Fischer (51). Als er vor Jahren eine groß angelegte Katastrophenschutzübung mit einem Annahmefall für Lustenau mitgemacht habe, sei es ihm kalt den Rücken hinuntergelaufen. „Was im Hochwasserkatastrophenfall passieren kann, ist unvorstellbar.“

Als Basis für die Erstellung dieses Katastrophenplans wurde in Lustenau vor einem halben Jahr ein umfassender Fragebogen zum Thema Hochwasserschutz an alle Haushalte geschickt. Anfang Juli wird der Katastrophenplan der Bevölkerung präsentiert. „Danach werden wir sämtliche Häuser in Evakuierungssprengel einteilen und die Leute darüber informieren“, kündigt Fischer an. Jeder solle wissen, in welcher Gefahrenzone er lebt.

Eigenverantwortung

Als Aktivist in Sachen Hochwasserschutz gilt auch der Fußacher Bürgermeister Ernst Blum (58). Er fordert nicht nur seit Jahren den Neubau der Rheinbrücke nach Hard, er will nun gemeinsam mit den Amtskollegen aus Höchst und Gaißau ebenfalls einen Katastrophenplan erstellen. „Es gibt zwar vom Land auch Katastrophenpläne. Aber dort fehlt das letzte, auf die Gemeinden abgestimmte Modul. Deswegen machen wir das“, betont Blum.

Zum letzten Modul gehört freilich auch jeder einzelne Hausbesitzer im potenziellen Katastrophengebiet. Diese sollten wissen, wie sie ihr Objekt schützen können, bzw. welche Maßnahmen sie im Hochwasserfall zu setzen haben.