Ein neues Leben als Landarzt

Vorarlberg / 03.06.2015 • 23:07 Uhr
Heribert Lechner ist für seine Patienten gerüstet.  Foto: Privat  
Heribert Lechner ist für seine Patienten gerüstet. Foto: Privat  

Sulzberg kümmerte sich frühzeitig um die Nachbesetzung der Gemeindearztstelle.

Sulzberg. Jene, die ihn kennen, meinen, er sei zum Landarzt geboren. Heribert Lechner kann dieser Einschätzung durchaus zustimmen. „Ich mache das gerne“, sagt er und lässt ein fröhliches Lachen nachklingen. Morgen lädt der gebürtige Salzburger zur Eröffnung seiner Praxis in Sulzberg.

Über „Go West“, einer Personalrekrutierungsaktion der Krankenhausbetriebsgesellschaft (KHBG), kam Lechner nach Vorarlberg. Im Landeskrankenhaus Feldkirch absolvierte er den Rest seiner Ärzteausbildung. Jetzt ist der Bregenzerwald seine neue Heimat. In Sulzberg fand der 38-Jährige, was er wollte: neue Ordinationsräumlichkeiten, eine Wohnung und eine Umgebung, die ihm gefällt. Bürgermeister Helmut Blank wiederum ist froh, dass die Nachfolge für den langjährigen Gemeindearzt Thomas Lampl und damit die medizinische Versorgung der Bevölkerung praktisch nahtlos gesichert werden konnte. „Wir haben den Wunsch nach einem Arzt schon sehr früh bei der Ärztekammer deponiert“, erzählt Blank. Denn: „Auf Abruf bekommt man heutzutage keinen Arzt mehr“, betont er die Wichtigkeit, selbst aktiv zu werden.

Grundinfrastruktur

Da Thomas Lampl, der seit 1982 Gemeindearzt in Sulzberg war, im Haus, in dem er seine Praxis hatte, weiterhin wohnen möchte, sah sich die Gemeinde nach einer anderen Option um. Sie kam in Form eines Platzes mitten im Dorf. Darauf steht nun ein schmuckes Gebäude mit einer ebenso schmucken Ordination und mit Mietwohnungen. Natürlich koste so etwas Geld, meint Blank. „Ginge die Arztstelle jedoch samt dazugehöriger Hausapotheke verloren, wäre ein Stück wichtiger Grundinfrastruktur weg.“ Und das will er verhindern.

Geld für Mehrarbeit

Auch die Gebietskrankenkasse (GKK) unternimmt Anstrengungen, um Jungärzten das Landleben schmackhafter zu machen. Derzeit sind laut Obmann Manfred Brunner fünf Stellen frei. Auf der Suche nach einem Gemeindearzt sind Mellau, Höchst, St. Anton im Montafon, Hohenems sowie Schoppernau, wobei es für Mellau und Hohenems je einen Bewerber gibt, und in Höchst definitiv ab 1. Juli ein Praktiker seine Zelte aufschlägt. Weniger gut sieht es mit Nachbesetzungen für Schoppernau und St. Anton aus. „Die Suche geht aber intensiv weiter“, betont Brunner.

Gleichzeitig arbeiten GKK und Ärztekammer an einer, wie Brunner versichert, großzügigen Regelung, wonach Allgemeinmediziner, die Patienten aus verwaisten Sprengeln behandeln, eine finanzielle Abgeltung erhalten sollen.

Ebenfalls geplant ist die Erweiterung des Jobsharings. Bislang kann nur eine Vollzeitstelle geteilt werden. Künftig sollen auch eineinhalb Stellen möglich sein. Das heißt, Ärzte könnten eine unbesetzte Stelle in einer anderen Gemeinde mitbetreuen. Der GKK-Obmann sieht darin vor allem die Chance, Wiedereinsteigerinnen in das leere Boot zu bekommen. Momentan gibt es fünf Praxen, die das herkömmliche Jobsharing betreiben.

Menschen statt Monitore

Währenddessen freut sich Heribert Lechner auf sein neues Leben als Landarzt. Vor dem Medizinstudium, das er mit 26 begann, arbeitete der zweifache Vater als Ambulanzpfleger, nach dem Studium in der Anästhesie. Irgendwann wollte Lechner mehr mit Menschen als mit Monitoren zu tun haben und widmete sich der Ausbildung zum Allgemeinmediziner. Danach sah er sich nach einer offenen Praxis im Land um. In Sulzberg wurde er schließlich fündig. Inzwischen ist alles angerichtet für den Start. EKG, Sonografie, Stoßwellentherapie, ein vollständig eingerichtetes Labor: Heribert Lechner hat die hohen Investitionen nicht gescheut. „Wenn schon, dann will ich meinen Patienten so viel wie möglich bieten.“ Das nächste Krankenhaus liege schließlich 25 Kilometer weit entfernt. Praktisch eben.

Wir arbeiten auch an einer Erweiterung des Jobsharings.

Manfred Brunner